Leser ignorieren Website-Navigation?
08.01.2005 | Usability | 4 Kommentare | Print

Usability-Experten attestieren Internet-Nutzern in vielen Fällen Navigations-Blindheit. Mit Tunnelblick jagen Leser über die Webseiten ignorieren schlicht das Werk vieler engagierter Webdesigner. Und warum?
Viel Arbeit steckt im Entwurf und der Entwicklung von benutzerfreundlichen Navigations-Systemen auf Webseiten. Um so verwunderlicher ist die Erkenntnis, dass Nutzer sehr oft die vorhandene Navigation ignorieren. Trotz dieser Tatsache ist diese Erkenntnis so neu nicht.
Navigations-Blindheit
Users tend to ignore navigation and
don't care where they are in a site structure.
Henrik Olsen
Henrik Olsen beschreibt in Navigation Blindness die gewonnene Erkenntnisse sehr anschaulich. Usability-Experten Jakob Nielsen zufolge verhalten sich die Nutzer auf Webseiten ausgesprochen zielorientiert. Sie achten nicht darauf, wo sie sich befinden. Ihr Fokus richtet sich ausschließlich auf das, was Sie auf der jeweiligen Webseite zu finden suchen.
In fact, they found that people tend to ignore any elements that are visually separated from everything else. Their findings suggest that separating navigation areas from the rest of a page might result in navigation blindness.
Henrik Olsen
Klicken und Zurück-Button
So reduziert sich das Such-Verhalten der Leser häufig auf ein Phänomen, dass er als »Zielorientierte-Klick-oder Zurück-Button-Strategie« bezeichnet. Dieses Verhalten hat sich merkwürdigerweise über den Verlauf der letzten Jahre in keiner Weise geändert. Auch die Nutzung von sogenannten Brotkrumen-Navigationen fällt sehr gering aus.
Phänomen Tunnelblick
It is quite fascinating how people can focus at a task at hand
and totally exclude everything else in their surroundings.
Henrik Olsen
Die Nutzung von oben angeordneten Menü-Leisten, einer linken Navigations-Spalte und eine Brotkrumen-Navigation erweisen sich als beste Mittel zur Vorbeugung. Wichtig dabei ist aber, dass die Navigations-Elemente für eine bessere Wahrnehmung in die Website integriert werden.
Usability-Experten empfehlen
Jakob Nielsen empfiehlt, nicht zu allen Bereichen und Seiten der Website zu verlinken. Links auf fünf oder sechs Hauptbereiche würden durchaus genügen. Statt dessen sollten sich Webdesigner darauf fokussieren:
- Lesern das zu bieten, was sie suchen
- Nützliche Links die ähnlichen Themen anzubieten.
Nach Mark Hurst´s Meinung verschwenden Webdesigner zu viel Zeit auf die Content-Organisation und das Design der Navigation. Eine inhaltlichen Gliederung der Website allein ist kein Garant für eine gute Benutzerfreudlichkeit.
Er empfiehlt eine 3 Schritt-Strategie:
- Ziele der Nutzer identifizieren
- Alle Elemente weglassen, die Zielen der Nutzer nicht dienen
- Nur Links, Formulare und Elemente berücksichtigen,
die Kunden Ihrem Ziel näher bringen
Weiterlesen:
- Markus Breuer: Website-Navigation wird vom User meist ignoriert
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Kommentare und verweisende Trackbacks
zum Beitrag: Leser ignorieren Website-Navigation?
Kommentare
1 | andreas schreibt am 08.01.2005, 09:30:
Teilweise deckt sich das mit meinen Erfahrungen. Wenn ich schon Leuten beim Surfen zugesehen habe, dann schauen die in der Regel auf den Inhaltsbereich. Was rechts, links oder darüber ist, nehmen sie kaum war, selbst wenn dort offensichtliche Links stehen.
Tja, vielleicht sollte man also mehr Verweise direkt vor oder nach den Inhalten setzen im Stil von "das könnte sie ebenfalls interessieren".
2 | Jörg schreibt am 08.01.2005, 10:10:
Hallo Andreas, in der Tat ist die context-sensitive Verlinkung eine großer Faktor, wenn es darum geht, die User auf der Website zu halten und nicht so schnell wieder zu verlieren. Meine Erfahrungen damit sind sehr positiv.
Auf der anderen Seite spielt eine sehr gute interne Verlinkung auch eine Rolle, damit die Suchmaschinen eine Website gut und komplett spidern können.
Es bleibt ein Kompromiss, der Mensch und Maschinen gleichermaßen berücksichtigen muss.
Wieviel Navigation brauch Deiner Meinung nach eine Website?
3 | Björn schreibt am 09.01.2005, 11:40:
Ich denke eine gute Navigation sollte sich nicht aufdrängen. Es gibt grob drei Arten von Besuchern:
-Über Google, die sich als erstes für den Inhalt der angezeigten Seite interessieren, da sie nach etwas bestimmten suchen.
-Diejenigen, die eine Seite über ihre Bookmarks ansteuern und nicht deshalb zurückkommen, weil die Navigation so außergewöhnlich war.
-Und neuerdings Besucher, die über RSS-Reader kommen, die Seite entweder gar nicht direkt besuchen und wenn dann oft nur über den Permalink direkt zum neuen Inhalt gelangen. In diesem Fall spielt die Navi eine besonders untergeordnete Rolle.
Die wichtigsten Aspekte einer guten Navigation für mich als Besucher von Websites sind Funktionalität, Logik und eine intuitive Benutzerführung. Ein Designer sollte sich nicht allzu lange an der optischen Gestaltung einer Navigation aufhalten. Sie sollte dann in das Sichtfeld kommen, wenn sie benötigt wird.
Grüße aus Ludwigshafen
4 | Jörg schreibt am 09.01.2005, 12:41:
Einen sonnigen Gruß zurück, Björn!
In der Tat sehe ich auch eher die Funktion als die Design-Aspekte im Vordergrund. Die Schönheit folgt immer der Funktion, dafür sollte die Navigation gemacht sein. Einiges zu tun für das nächste Redesign.
Dein dritter Punkt wurde in einigen Artikeln eingehend beleuchtet. Der Anteil nimmt eindeutig zu. Meinen RSS-Feed hat täglich ungleich mehr Abrufe als eine einzelne Seite. Tendenz steigend! :-)
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