nofollow - noLinks, noComments, noTrackbacks, noPageRank?
21.01.2005 | Blogging, Suchmaschinen | 35 Kommentare | Print

Google, Yahoo & MSN erklären, sie kämpfen seit Mittwoch gemeinsam mit Six Apart und anderen Weblog-Herstellern gegen Kommentar-Spam. Endlich, super, mögen viele zuerst meinen! PR-Gag, Aktion gegen die Kommentar-Spamer oder einfach nur heiße Luft?
Rückblick - Feierliche Verkündung
Mittwoch Morgen eilt eine Neuigkeit durch die Weblogs. Six-Apart bemüht sich eifrig, seine strategische Allianz mit Google, Yahoo, MSN und einigen anderen zum Kampf gegen Kommentar-Spam zu verkünden. Im gleichen Atemzug wird das neue MT-Plugin nofollow präsentiert, dass den MT-Nutzern die Anwendung des neuen Link-Attributes »rel=nofollow« erleichtern soll. Die Einführung in nofollow will mir gleichzeitig erläutern, auf welche Weise man diese Plugin fortan sinnvoll einsetzen kann.
So schaut der neue nofollow-Link dann im Quellcode aus:
statt: <a href="http://domain.de">Link Text</a> nun: <a href="http://domain.de" rel="nofollow">Link Text</a>
Meine Wahrnehmung fährt Achterbahn
Ich traue meinen Augen nicht mehr, was da innerhalb weniger Stunden abgeht. Ein Artikel nach dem andere soll mir glauben machen, dass es sich bei DER Neuerung um das Allheilmittel im Kampf gegen Spam handelt. Es ist nur positives Echo ist zu vernehmen.
Keine kritischen Stimmen werden laut? Keine leisen Bedanken? Einigkeit und Friede, Freude, Eierkuchen, wohin ich sehe. Völlig ungewöhnlich in der Szene!
- Gibt es noch jemand, der mitdenkt?
- Plappern alle nur nach oder freuen sich nur über eine Neuigkeiten?
- Welche Konsequenzen hat diese Veröffentlichung wirklich?
Unglaublich, aber wahr - Jetzt geht die Post ab!
Aber das ist erst der Anfang. Es wird noch viel besser. Einige Blogs (darunter einige alte Weblog-Hasen?!) haben die neue Funktion ja schon kräftig im Einsatz. Es kann ja immerhin nicht schaden, war meist der Tenor. Auch existiert bereits eine Firefox-Extension nofollow, die mir über ein User-Stylesheet erlaubt, nofollow-Links im Firefox-Browser sichtbar zu machen.
Woran ich im Konkreten war, wusste ich erst nach einiger Zeit. Eines war aber sicher. Es stank gewaltig zum Himmel. Das konnte man selbst mit verstopften Sinneskanälen merken. Wenn eines in mir Argwohn erregt, dann eine derart massive PR-Initiative. So sehr ich mich auch bemühte, positive Aspekte zu entdecken, es gelang mir nur schwer.
Ich bilde mir meine Meinung sehr gern selber. Für mich braucht niemand zu denken. Und schon gar nicht lasse ich mir vorschreiben, was ich denn zu tun hätte. Ein ehrliches und seriösen Arbeiten steht für mich über allem. Um so intensiver fühle ich mich verschaukelt, wenn mir knallharte Lügen aufgetischt werden. Aber dazu gleich mehr.
Erst Gehirn einschalten - dann denken
Der menschliche Geist gleicht einem Fallschirm;
er kann nur funktionieren, wenn er offen ist.
Franscis Picabia
Donnerstag Abend zu später Stunde kann ich dann endlich aufatmen. Zurückgekehrt von einer Beratung lese ich bei Martin Röll: dann endlich mal ein paar kritische Meinungen und Kommentare. Und die hören sich schon ganz anders an. Es existieren offensichtlich noch ein paar andere Gehirn-Besitzer, die auch noch dazu den Gehirn-Benutzern gehören. Ich bin etwas beruhigt!
Offenbar hat sich bei einigen die Aufregung, Verwunderung und erste Freude gelegt. So langsam scheinen die wirklichen Hintergründe transparenter, werden Folgen absehbar. Einige blicken fragend in die Zukunft.
nofollow - die Realität
Wer seine Links auf den Webseiten so lässt, für den ändert sich nichts. Da anderen Webseiten-Betreiber diese Maßnahme aber einsetzen, müssen wir aber ab sofort zwei Link-Klassen beachten:
- Links mit nofollow-Attribut,
- Links ohne nofollow-Attribut.
Nur die Suchmaschinen werden die Links funktionell unterscheiden. Für die Besucher bleibt die Funktionalität der Links erhalten. Doch was bedeutet es im Detail? Google & Co. werden nofollow-Links (SearchEngineWatch) wie folgt behandeln:
- Suchmaschinen-Spider folgen diesen Links nicht
- Suchmaschinen werten diese Links nicht bei der PageRank-Berechnung der Seiten
- Suchmaschinen beachten den Alt-Text bei den auf die Seite zeigenden Links nicht
nofollow - Riesen Lüge verkauft alles
Was wir hier unter dem Deckmantel der Spam-Bekämpfung aufgetischt bekommen, mag sicher seine positiven Seiten haben. Spam bekämpft es allerdings nicht! Das ist eine klare Lüge. Aber auch hier scheint der Grundsatz zu gelten: Je lauter und wirksamer man eine Lüge verkauft, um so glaubhafter wird sie von den Menschen aufgenommen.
Spamers don’t read blogs; they just write to them.
Mark Pilgrim
Schon gar nicht ist es das Allheilmittel gegen diese Seuche, wie seiner Zeit schon Mark Pilgrim treffend bemerkte. Warum das so ist belegen die im Folgenden aufgelisteten sieben häufigsten nofollow-Spam-Irrtümer:
Irrtum 1: Es gibt dadurch weniger Spam.
Spamer werden durch nofollow-Links in keiner Weise gehindert, ihre automatischen Kommentare zu produzieren. Sofern keine bisher üblichen Spam-Vorkehrungen seitens der Betreiber existieren, wird es durch die nofollow-Links nicht eine Spam-Nachricht weniger geben.
Da die Suchmaschinen auch weiterhin Spam-Nachrichten als Bestandteil der Webseiten indizieren, finden wir diese Nachrichten nach wie vor auch bei Google, Yahoo, MSN & Co.
Irrtum 2: Weblog sind damit eindeutig zu identifizieren, nofollow ist ausschließlich für Weblogs bestimmt.
Das wird nur eine kurze Weile funktionieren. Die nofollow-Links sind in allen Webseiten einsetzbar. Man brauch dafür kein Weblog. Jeder, der die Funktion nutzen will, kann es tun. Nach einer Eingewöhnung kann man nicht mehr zwischen Weblog und normaler Website unterscheiden.
Irrtum 3: nofollow ist eine wirksame flächendeckende Maßnahme.
Damit die Neuerung überhaupt halbwegs greift, müssten alle Weblogs diese Funktion einsetzen. Selbst wenn dies wirklich passiert, ändert dies bei den Spamern wenig. Zudem ist nofollow keine zwingende Maßnahme. Jeder Weblog-Betreiber kann selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang er diese Funktion einsetzen wird.
Irrtum 4: nofollow bietet Bloggern erstmalig die volle Herrschaft über die Spamer.
Bereits lange vor dem nofollow-Feature hatte jeder Betreiber eines Weblogs Möglichkeiten, Spar-Missbrauch sowie PR-Abfluss von seinen Seiten einzuschränken:
- durch strikte Kommentar-/Trackback-Zuschaltung/-Deaktivierung
- durch Kommentar-Moderierung
- durch diverse Spam-Plugins
- durch Redirect-Anweisungen
- durch formatierte Ausgabe der Kommentare (Sperre für HTML-Befehle)
- etc.
Was also ist bei der neuen Funktion so Bahnbrechendes, was wir bisher nicht auch schon hätten unternehmen können? Wer wollte, hatte schon immer die Wahl, Funktionen nach Belieben zu gestalten und zu verändern. Auch jetzt wird sich daran nichts ändern.
Irrtum 5: Für den Einsatz von nofollow brauch man unbedingt ein Plugin.
Das nofollow-Attribut kann ich in jeden Link, auf jede Website und in jedes Weblog-Template einbauen, sofern ich darauf als Betreiber zugreifen kann. Jeder Betreiber entscheidet damit über den Einsatz des Plugins nach freiem Ermessen ob er:
- einen (normalen) Link
- einen nofollow-Link
einsetzen möchte und schränkt dadurch die Wirksamkeit der Maßnahme ggf. auch persönlich erheblich ein.
Irrtum 6: nofollow wird Standarad-Funktion der Weblogs.
Nofollow soll nach bisherigen Informationen nicht zum Standard werden. Sofern ein Weblog-Tool dies tatsächlich macht, wird diese Funktion abschaltbar sein. Man hat also die freie Wahlmöglichkeit.
Irrtum 7: Besucher von Weblogs werden weniger Spam-Meldungen lesen.
Benutzer lesen auf den Webseiten nach wie vor eingetragene Spam-Nachrichten, das die Erläuterungen von Irrtum 1 hierfür sorgen werden. Diese Spam-Meldungen bleiben ebenso wirksam für die Besucher, da der Mensch diesen Links nach wie vor folgen kann.
Das tut weh!
Was richtig weh tut, ist die pure Naivität, mit der zum einen die Nachrichten publiziert bzw. welcher Unkenntnis solche Maßnahmen in gutem Vertrauen umgesetzt werden. Es scheit fast so, als hält sich ein kleines Kind die Augen zu und ruft seiner Mutti zu: »Du siehst mich nicht!«
Die Masse der Reaktionen hat mich da einfach betroffen gemacht.
Seit ich mich erinnern kann, haben die erbitternden Konkurrenten Google, Yahoo und MSN noch nie richtig zusammen gearbeitet.
- Woher soll bitte auf einmal diese Kehrwendung kommen?
- Welche Nutzen haben die Weblog-Tools dabei?
- Ist dies ein riesen PR-Gag der Suchmaschinen?
- Oder ist dies ein organisierter Schlag gegen die Suchmaschinenoptimierer?
Das Interesse der Suchmaschinen scheint mir jedenfalls weitaus größer als das der anderen Partner zu sein. Die Suchmaschinen bekommen durch den immensen PR-Aufbau von Weblogs offensichtlich immer mehr Probleme. Sie werden beeinflussbar. Nur, waren sie das nicht schon immer? Wenn der PR bei den Suchmaschinen DAS Bezugskriterium ist, dann ist das Problem logisch hausgemacht. Das wird man durch solchen Maßnahmen auch nur temporär, wenn überhaupt, in den Griff bekommen.
Aktio gleich Reaktio?
Schon immer hat eine Maßnahme von Google & Co. eine andere Reaktion herausgefordert. Immer hat es einige Zeitgenossen gegeben, die Missbrauch betrieben haben. Auch die neuerliche Maßnahme ruft wieder Gegenmaßnahmen auf den Plan.
Mir tun nur die leid, die ehrlich und mit ernsten Absicht Weblogs und Webseiten aufbauen und kommentieren und die plötzlich kollektiv abgestraft werden sollen. Wer heute einen Kommentar schreibt oder einen Trackback generiert, gilt offensichtlich schon als Spamer und gehört verfolgt.
Das Internet lebt jedoch von Links. Das ist allgemein bekannt. Und genau das hat Weblogs ja überhaupt so interessant für Suchmaschinen wie Google und Yahoo gemacht. Suchmaschinen lieben viel neuen frischen Content. Entsprechend regelmäßig besuchen Sie Link für Link die Webseiten. Ob das auch zukünftig so bleiben wird? Man darf gespannt sein.
- Was aber, wenn Suchmaschinen diese Links plötzlich nicht mehr verfolgen?
- Was, wenn niemand mehr PR bekommt, weil alle nofollow-Links setzen?
- Schmoren dann die Seiten im eigenen Saft?
Wie werdet Ihr als Weblog-Betreiber darauf reagieren?
Eines steht jedenfalls fest. Jeder hat die Chance, seine persönliche Wahl zu treffen. Ab und an mag es auch notwendig sein, sich einen Gedanken mehr zu machen. Es kann aus meiner Sicht nur gut sein.
Wie auch immer die Reaktionen ausfallen mögen, die nächsten Wochen werden es zeigen. Konstruktive Schritte nach vorn darf man allerdings dabei nicht unbedingt erwarten. Der Wettkampf geht in die nächste Runde. So viel ist gewiss.
BTW.: Wer kümmert sich eigentlich um die Belange des Internet-Besuchers?
nofollow – noLinks, noComments, noTrackbacks, noPageRank?
Aber vielleicht schaffen Google & Co. ja auch bald den PageRank ganz ab?
Update: NO NOFOLLOW Initiative
- WWWorker - Sascha Carlin :
nofollow-Button und Verlinkung
NO NOFOLLOW Initiative - Initiative
NO NOFOLLOW - FIGHT SPAM, NOT BLOGS
Update2: Weitere Information
- BloggingPro
Pivot Adds Nofollow: Support - IT-Frontal
Googles fragwürdige Initiative gegen Kommentarspam - Google Blogoscoped
On Nofollow - Eric Meyer
More Spam To Follow
- Wordpress Start
Nofollow: Standard bei Wordpress - Matthias Webblogg
Verhindern von Nofollow mit neuester Nigthly - projektguerilla
Nofollow als Option in Wordpress
Links zum Thema:
- SeoBook:
More on the Rel=NoFollow Tag... - SearchEngineWatch:
Google, Yahoo, MSN Unite On Support For Nofollow Attribute For Links - MT-Blacklist/Comment Spam Clearinghouse:
Massive weblog anti-spam initiative: rel='nofollow' - Haiko Hebig:
rel=nofollow a good idea? - Das E-Business Weblog:
Verwunderung über Google und Weblogsoftwarehersteller ob rel=nofollow - Phil Ringnalda:
Is rel = nofollow really as !important as that? - John Battelle's Searchblog:
Follow On No Follow: Will 'Fully web-expressed writing' Suffer? - Ben Hammersley:
Let no fellow nofollow, lest we all lie fallow - Dylan Greene:
My prediction: rel = 'nofollow' will not prevent comment spam - Dirk Olbertz:
Google finally identifying Blogs - Webpropaganda:
Hallo Google, ich bin ein Weblog - Alp Uçkan:
Das neue Link-Attribut der Suchmaschinenbetreiber - Helge Fahrnberger:
rel=nofollow und die eitelkeit - Klaus Schallhorn´s Suchmaschinen Blog
Suchmaschinen Spam-Stop