Weblog Impuls #2: Paretos 80/20-Prinzip
23.01.2005 | Blogging Tipps | 10 Kommentare | Print
Bevorzugt freitags lest Ihr »einfach persönlich« Tipps oder Denkanstöße zum persönlichen Selbstmanagement für Blogger. Wer Erfolg haben will, muss die Anzahl seiner Fehler verdoppeln. Kleine Änderungen an entscheidender Stelle bewirken mehr, als wir manchmal zu glauben wagen! Gern lese ich Eure Ideen, Anmerkungen und Feedback dazu als Kommentar oder E-Mail.
»Jeder Blogger ist auch nur ein Mensch!«
JP
Paretos 80/20-Prinzip

Bereits 1897 entdeckte der italienische Ökonom Vilfredo Pareto (1843 – 1923) eine grundlegende Gesetzmäßigkeit, die wir wie folgt beschreiben können:
Das 80/20-Prinzip besagt, dass eine Minderheit der Ursachen, unseres Aufwandes oder unserer Anstrengungen zu einer Mehrheit der Wirkungen, unserer Ertrages oder unserer Ergebnisse führt.
Später benannte man diesen Zusammenhang als:
- Pareto-Prinzip,
- Pareto-Gesetz,
- 80/20-Prinzip,
- 80/20-Regel,
- Prinzip der geringsten Anstrengung oder
- Prinzip der Unausgewogenheit.
Vilfredo Pareto beschäftigte sich mit der Verteilung von Reichtum und Einkommen im England des 19. Jahrhunderts. Er fand dabei zum einen ein wiederkehrendes mathematisches Verhältnis zwischen dem Anteil von Personen und der Höhe des Einkommens der Gruppe. Paretos weitere Untersuchungen bestätigten außerdem, dass dieses Muster der Unausgewogenheit sich bei Betrachtung anderer Zeiträume und Länder immer wiederholte.
Vereinfacht beschrieben, sah der entdeckte Zusammenhang wie folgt aus: 20 Prozent der Bevölkerung besaßen ca. 80 Prozent des Reichtums. Relativ zuverlässig meinte er voraussagen zu können, dass 10 Prozent 65 Prozent des Reichtums und 5 Prozent 50 Prozent des Reichtums auf sich vereinigten. Dabei kam es nicht auf die exakt genaue Prozentverteilung an. Vielmehr war interessant, dass die Reichtumsverteilung in der Bevölkerung berechenbar unausgewogen war.
Die Entdeckung Paretos erregte damals durch den Vergleich und Bezug zweier aufeinander bezogener Daten große Aufmerksamkeit. Heute ist diese Methode weit verbreitet. Manch bahnbrechende Entwicklung hat sich daraus abgeleitet. Gleichwohl beachten wir in der täglichen Praxis ähnliche gesetzmäßige Zusammenhänge vielfach zu wenig.
Überraschende Potenziale schlummern
Wir erwarten in der Tendenz intuitiv, dass alle Ursachen ungefähr in gleicher Relevanz besitzen. Wir denken, dass jedes Projekt, jeder Kunde, jede Aktivität gleich wichtig ist. Das 80/20-Prinzip weist uns aber darauf hin, dass mit höchster Wahrscheinlichkeit zwei aufeinander bezogene Aktivitäten in unausgewogener Verteilung zueinander stehen. So kann das Verhältnis 65/35, 70/30, 80/20, 95/5 oder jedes andere Zahlenpaar dazwischen annehmen. Auch müssen die Zahlen zusammen nicht unbedingt 100 ergeben.
Paretos 80/20-Prinzip wird uns wahrscheinlich aufgrund der Unausgewogenheit der Ergebnisse überraschen. Machen wir uns diese Unausgewogenheit ab und an bewusst, ergeben sich daraus die unterschiedlichsten Denkansätze, Konsequenzen und Erkenntnisse. Überrascht und zugleich verblüfft erlauben uns diese Betrachtung neue Sichtweisen auf bisher scheinbar logische Zusammenhänge. Stellen wir gewohnte Zusammenhänge in Frage, erlaubt uns die die Entdeckung und Freisetzung von erheblichen Energiereserven, Potenzialen und schafft neue Handlungsmöglichkeiten.
20 Prozent Aufwand für 80 Prozent Ergebnisse
Im folgenden habe ich einmal einige Zusammenhänge ausgelistet, hinterfragt und in eine Relation zueinander gestellt. Ich halte es für sehr interessant, diese Zusammenhänge einmal kritisch zu betrachten. Es kostet ja nichts, sich auf die ungewohnte Sichtweise auf Probe einzulassen, oder?
- 20% der Entwurfs-Zeit brauchen wir für 80% eines Webdesigns
- 20% der Arbeitszeit setzen wir für 80% der Webtemplates ein
- 20% eines Webtemplates bestimmen 80% der Web-Funktionalität
- 20% eines Redesign produzieren 80% der Veränderungen
- 20% des Platzes (Navi) enthalten 80% der Navigation
- 20% der Navigation enthalten 80% der Funktionalität
- 20% der Bedienelemente verursachen 80% des Benutzer-Nutzens
- 20% der Datenmenge enthalten 80% der Information einer Website
- 20% der Links enthalten 80% der Information eines Artikels
- 20% der RSS-Feeds enthalten 80% der Information für uns
- 20% des Spam produzieren 80% des Ärgers
- 20% der Internet-Links führen zu 80% der Webseiten
- 20% unserer Artikel enthalten 80% der Informationen
- 20% unserer Beiträge lesen 80% der Besucher
- 20% unserer Schreib-Zeit erstellt 80% der Artikel
- 20% unserer Entscheidungen führen zu 80% der Ergebnisse
80 Prozent Aufwand für nur 20 Prozent Ergebnisse?
Alles fiktiv, alles an den Haaren herbeigezogen, alles Behauptungen?
Gewiss, manches mag zutreffen. Andere Fakten mögen sicher nicht bei jedem richtig sein. Besonders interessant werden diese Behauptungen allerdings, wenn wir die Aussagen nun einmal umgedreht betrachten.
- 80% der Entscheidungen führen uns nur zu 20% der Ergebnisse
- 80% der Projekte führen uns nur zu 20% der Ergebnisse
- 80% des Navigationselemente erzeugen nur 20% Nutzen
- etc.
Fazit
Wenn es uns gelingt, ein Bruchteil des Potenzials an Zeit, Energie und Engagement zielführender einzusetzen, dann vervielfachen wir unsere Ergebnisse, unseren Nutzeffekt und unsere Zufriedenheit um ein Mehrfaches.
- Nun, welche Gedanken gehen Euch jetzt durch den Kopf?
- Welche nachdenkenswerten Analogien fallen Euch dazu noch ein?
- Lohnt es sich, darüber einmal richtig nachzudenken?
Herzlichst und gespannt grüßend
Euer
Jörg Petermann - »Der Mensch macht´s!« Potenziale entdecken - Talente entfalten Der Mensch mit dem Gespür für Potenziale & Talente