Wann lohnt ein Buch-Kauf wirklich?
29.03.2005 | Bücher | 6 Kommentare | Print

Kaum ist »The Zen of CSS-Design« auf dem Markt, gibt es die ersten Berichte und auch Kritiken. Nachdem ich einige Meinungen gelesen habe, stellt sich für mich aber noch eine ganz andere Frage: Wann lohnt sich ein Buch-Kauf eigentlich wirklich?
Jens Grochtdreis schreibt gestern über das neue Buch von Dave Shea und Molly Holzschlag und verweist dabei unter anderem auf die sehr emotional und kritisch geschriebene Buch-Rezension von Tommy Olsson.
Mögen die Emotionen wieder etwas abflachen. Sie sind eh keine guten Ratgeber. Das Buch in seiner jetzigen Ausgabe jedenfalls wird es nicht korrigieren oder gar vom Markt nehmen. Und sie werden für mich die Leistung von Dave Shea und Molly Holzschlag nicht schmälern.
Wann ist der rechte Zeitpunkt für den Buch-Kauf?
Viel interessanter fand ich die Aussage von Jens. Er wartet derweil auf die nächste Ausgabe, um ein komplettes und überarbeitetes Buch zu erhalten. Er hat damit gute Erfahrungen gesammelt. Jedenfalls hat er die Bibel der Webdesigner »designing with Webstandards« von Jeffrey Zeldman wohl auch in der zweiten Ausgabe überarbeitet erworben.
Fluchs habe ich in meiner Ausgabe nachgesehen und festgestellt, dass ich wohl bereits eine 1. Ausgabe erworben habe. Meiner Begeisterung für das Thema Webstandards hat es jedenfalls keinen Abbruch getan. Ganz im Gegenteil. Das Buch ist und bleibt bis zum heutigen Tage für ich eine Offenbarung. Und ich möchte keine Tag hergeben, den ich nach meinen Lesen mit anderem Blick aufs Webdesign verbracht habe.
Irgendwie bin ich viel positiver an den Wert eines Buches herangegangen. Nun kann das natürlich damit zusammenhängen, dass ich eh ein Buch-Fan und Autodidakt bin. Aber auch ich bekomme ja nicht jedes Buch geschenkt.
Ich bin gedanklich noch einen Schritt weiter gegangen. Und fragte:
- Was wäre mir persönlich entgangen,
wenn ich bei jedem Buch auf die überarbeitete Version gewartet hätte? - Welche Lern-Gewinne hätte ich viel später erfahren?
- Wenn es ein Buch nur in Englisch gibt,
warte ich dann bis es in Deutsch erscheint?
Welchen Wert hat ein Buch?
Jeder Mensch beurteilt ein Buch anders. Der eine trifft die Entscheidung intuitiv. Ein anderer Mensch eher rational. Ein Bücherfreund und Strategiekollege kauft sich z.B. ein Buch und schlägt es immer auf 3 verschiedenen Seiten wahllos auf. Kann er aus diesen 3 Seiten Wissen schöpfen, was ihn weiter bringt, dann kauft er das Buch, andernfalls nicht. Zugegeben kann ich persönlich mit dieser Methode nicht umgehen. Sie ist für mich einfach nicht die rechte.
Für mich hat sich ein Buch bereits dann gelohnt, wenn ich eine für mich recht fundamentale Erkenntnis gewonnen habe, die ich in meinem Leben gewinnbringend einsetzen kann. Und wenn das bedeutet, dass ich nur eine Stunde Beratungsarbeit einspare, dann hat sich für mich der Erwerb eines Buches bereits bezahlt gemacht.
Mag sein, dass Ihr meinen Überlegungen nicht so ohne weiteres folgen könnt. Aber ich sehe die Dinge einfach viel pragmatischer. Ich habe das Interesse voran zu kommen. Dazu lese ich unter anderem Bücher, Artikel und lerne, lerne, lerne. Wenn ich die Entscheidung für einen Buchkauf treffe, dann ist für mich der Fokus immer der Lerngewinn.
- Ich habe viele Bücher mit weniger sinnvollem Inhalt gesehen.
- An viele schlecht designte und grausam zu lesende Bücher komme ich nicht heran.
- Es gibt genügend Bücher, die nur schlechte Sekundär-Literatur darstellen.
Jährlich werden in Deutschland weit über 60.000 neu veröffentlicht.
Nur ca. 1 Prozent der Deutschen liest mehr als 1 Buch pro Jahr.
So gesehen gehören viele von uns zweifellos zu einer Minderheit. Neue Erkenntnisse werden immer von Menschen gemacht, die mit dem bisherigen Stand der Dinge nicht einverstanden und unzufrieden sind. Fortschritt hat sich im Leben der Menschheit immer nur gegen den Widerstand der Menschen durchgesetzt.
Fortschritt ist nur möglich,
wenn man intelligent gegen die Regeln verstößt.
Boleslaw Barlog
Und dafür gilt sicher eine ganz wichtige Regel:
FIRST BREAK ALL THE RULES!
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Kommentare und verweisende Trackbacks
zum Beitrag: Wann lohnt ein Buch-Kauf wirklich?
Kommentare
1 | Minz Meyer schreibt am 30.03.2005, 02:27:
Hmmm....sehr gute Frage. Ich kaufe meine (Fach)Bücher eigentlich immer mehr intuitiv. Wenn es ein Thema gibt welches mich interessiert sehe ich nach was es zu diesem Thema gibt.
Entscheiden tue ich meistens nach Verlag oder Autor (möglicherweise entgeht mir dadurch einiges), daher finden sich in meinem Bücherregal hauptsächlich Titel von New Riders, Wrox oder O'Reilly.
Und....ich bevorzuge die Bücher in englisch, aber das ist wohl eher eine persönliche Präferenz, da ich in meinen Online Kursen die Inhalte eh in englisch übermitteln muss. Sonst müsste ich mir ja auch noch Gedanken über korrekte Rückübersetzung machen.
Was Zen Of CSS Design anbelangt, nunja... da bin ich voreingenommen ;) (Seite 104 irgendjemand?)
2 | Jörg schreibt am 31.03.2005, 08:10:
Freue mich über Deinen Kommentar, Minz. Die Präferenz zur englischen Sprache kann ich bei Dir gut nachvollziehen. Freue mich aber auch immer wieder, wenn Du einiges in Deutsch veröffentlichst.
BTW, gute Literatur, die womöglich noch bahnbrechende oder zumindest interessante Aspekte darstellt gibt es aus meiner Sicht eigentlich fast nur in Englisch. Wenn man da auf eine deutsche Übersetzung warten wollte...
3 | Jens Grochtdreis schreibt am 31.03.2005, 08:44:
Auch ich bin ein leidenschaftlicher Bücherleser und -käufer. Und beinah hätte ich mir das Zen-Buch auch sofort zugelegt. Aber bei den Preisen möchte ich auch ein möglichst gutes Buch haben. Die inhaltliche Kritik finde ich berechtigt und stört mich, wenn ich dafür über 30 Euro hinblättern soll.
Bei Zeldman fand ich die erste Hälfte des Buches eine teilweise unangenehme Schwafelei, die mir den Rest verleidet hat. Ich habe es nie zu Ende gelesen. Sicherlich habe ich daurch das Beste verpaßt.
Geprägt habe mich aber zwei Erlebnisse:
1. Als das Buch "CSS-Praxis" in der ersten Auflage auf den Markt kam, habe ich es mit Begeisterung gekauft und gelesen. Danach habe ich eine seeeeehr lange Mail an den Autor geschrieben, in der ich Fehler und schlechte Formulierungen auflistete. Die erste Auflage war wirklich schlecht - aber teuer.
2. Ich habe Ende letzten Jahres die Übersetzung zum "CSS-Cookbook" bei O'Reilly - meinem bevorzugten Verlag-inhaltlich betreut. D.h. ich war der Ansprechpartner für technische, inhaltliche Fragen. Der Verlag ist renommiert, der Autor ebenso. Das Buch ist schlecht. Aber es kostet richtig Asche und ist dünn. Die gleiche Erkenntnis wird jeden treffen, der demnächst die Übersetzung von Rachel Andrews CSS-Buch mit 101 Tips lesen will. Es ist lachhaft, wenn Farbzuweisung an Texte oder Hintergründe als Tip verkauft wird, die Funktionsfähigkeit von Rezepten im IE5 oder IE5.5 aber nicht getestet wird.
Mittlerweile drängen einige CSS-Bücher auf den Markt und weil im englischsprachigen Raum eindeutig die kreativsten Köpfe zum Thema CSS sitzen, werden wir uns wohl mit englischsprachigen Büchern begügen müssen. Ehrlich gesagt finde ich das auch nicht schlimm, denn so lese ich den Stoff früher.
Am Ende bleibt für mich aber die Erkenntnis, die ich jedem mit auf den Weg gebe, der mich nach einer Empfehlung für ein Computerbuch fragt: nur das Computerbuch ist gut, das man selber versteht und das die eigenen Bedürfnisse abdeckt. Inhaltliche Schwächen und Fehler sind allerdings in jeglicher Art von EDV-Buch schlecht.
4 | andreas schreibt am 01.04.2005, 08:51:
Ich liebe Bücher, und solche über Webdesign sowieso. Da ich aber nur "zum Spaß" webdesigne, habe ich bei guten Neuerscheinungen wie den Zen Buch oder auch dem sehr interessant klingenden Professional CSS meist eine "Vernunftphase", während der ich mir sage, dass das viel zu teuer ist für ein Spaßbuch, um dann bei mindestens jedem zweiten Buch doch zuzuschlagen.
Bisher habe ich das nicht bereut, außer bei CSS Praxis, das fand ich auch in der zweiten Auflage nicht berauschend.
Auf deutsch gibt es wenig gutes, wenn überhaupt, dass als Übersetzung. Ich war positiv überrascht, dass die zweite Auflage von Eric Meyers "CSS - The definitive Guide" so schnell auf deutsch erschienen ist. Bei den meisten anderen Büchern habe ich die englische Ausgabe gelesen.
Nun muss ich mich nur noch entscheiden, ob ich in nächster Zeit eher bei Zen oder bei Professional CSS schwach werde. Ich hab schon lange kein gutes CSS Buch mehr gelesen und freue mich schon auf den "schachen Moment".
5 | Björn schreibt am 02.04.2005, 08:16:
Schwer zu sagen. Ob es sich gelohnt hat, weiß man erst nachdem man einen Teil davon gelesen hat. Ich orientiere mich meistens an den Meinungen der Leser (wenn vorhanden) bei Amazon und versuche daraus meine Schlüsse zu ziehen. Bei Fachbüchern ist es am wichtigsten, dass man ein Buch erwischt, dass dem Kenntnisstand entspricht und diesen ausbaut. Am besten ist es natürlich, wenn man Leseproben hat.
Vielleicht sollte man sich auch überlegen, ob man das Buch unbedingt braucht. Oder ob man online in verschiedenen Quellen nachliest (bei Fachbüchern).
Das letzte Buch, dass ich mir gekauft habe ist "XML" von Helmut Erlenkötter, da ich mich verstärkt für dieses Thema interessiere. Allerdings habe ich recht schnell festgestellt, dass es doch zu einfach ist. Es hat sich - obwohl es gut aufgemacht und geschrieben ist - für mich persönlich nicht gelohnt.
Letztes Jahr habe ich Zeldman gelesen. Für mich war es eine Bereicherung und hat neue Perspektiven eröffnet.
Bei Romanen und sonstiger Prosa muss ich gestehen, mir schon lange nichts mehr gekauft zu haben, da die vier bis fünf Bücher zu Weihnachten für das ganze Jahr ausreichen.
6 | Maik schreibt am 05.11.2009, 15:00:
Also ich denke dann darüber nach wie oft ich es noch brauchen werde, bei einigen schau ich sogar nach Jahren noch mal rein. Bei anderen wirds weg gelegt und dann später verkauft.
Folgende Weblogs verweisen auf diesen Beitrag:
» | C-blog - Das Weblog von Christoph Hörl am 30.03.05 11:59
Boleslaw Barlog
Und noch ein Zitat heute. Diesmal von Boleslaw Barlog, das ich bei einfach-persoenlich gefunden habe:
Fortschritt ist nur möglich, wenn man intelligent gegen die Regeln verstößt. Weiterlesen »
» | CSS-Technik-News am 26.05.05 10:19
Was muss in einem CSS-Buch stehen?
Gestern machte ich eine [url=http://news.css-technik.de/comments?id=690_0_1_0_C]kleine Randnotiz[/url] zu vorgemerkten CSS-Büchern. Durch einen Kommentar von Jörg Petermann wurde ich auf eine interessante Diskussion zu [url=http://www.einfach-persoenli... Weiterlesen »
» | einfach persoenlich Weblog am 17.09.05 07:31
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Kurze, schnelle und effektiv - die Anregung zum 10 Sekunden Usability Test von »Bulletprof Web Design« gehört in den Werkzeug-Koffer jedes Webschaffenden. Grundsätzlich ist diese Anregung natürlich nicht neu. Aber mit wenige... Weiterlesen »
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