nofollow - 6 Monate danach

20.07.2005 | Blogging, Movabletype, Suchmaschinen | 10 Kommentare | Print

nofollow, 6 Monate danach

Im Januar 2005 sollte ein neues HTML-Attribut das Internet revolutionieren und Spam-frei machen. Google verkündete seine strategische Allianz mit Blog-Herstellern und Suchmachinen-Konkurrenten gegen Spamer. Was hat nun »nofollow« nach 6 Monaten wirklich gebracht?

Eine Nachricht ging um die Welt. Google introduced nofollow sollte der Welt Glauben machen wollte, das Ende des Blog-Spam sein gekommen. PR-Gag oder strategische Offensive? Viele Fragen wurden aufgeworfen. Heftige Diskussionen über Sinn und Unsinn dieser Massnahme entbrannten in der Folge der Veröffentlichungen.

Die Initiativen no nofollow!, No nofollow - just follow me!, NO NOFOLLOW - FIGHT SPAM, NOT BLOGS! gegen nofollow haben sich spontan gebildet. Kontrovers wurde das Thema diskutiert. In meinem Beitrag vom Januar nofollow - noLinks, noComments, noTrackbacks, noPageRank? habe ich versucht, einige Aspekte und Irrtümer von »nofollow« zu beleuchten und zu betrachten.

Sechs Monate danach ist von der Aufregung nichts mehr zu spüren. Erfahrungen im Umgang mit »nofollow« wurden gemacht. Selten kann man nur noch über »nofollow« etwas lesen. Nofollow revisited, Google´s Insidious 'Nofollow' und Nofollow considered harmless sind die beiden wichtigsten persönlichen Statements zu diesem Thema.

Google verzeichnet 1.320.000 Treffer bei der weitweiten Suchanfrage nach nofollow. Ganze 54.200 Suchergebnisse sind es dagegen im deutschsprachigen Raum.

nofollow - Was hat das Attribut nun wirklich gebracht?

nofollow reduziert keine Spam-Kommentare

»nofollow« hat zu keiner nennenswerten Reduktion von Kommentar-Spam geführt. Diese Erkenntnis machen viele Blogger täglich am eigenen Leib immer wieder. Die wichtigste Kritik an der Inititative ist damit bittere Realität geworden.

Erst kürzlich musste ich in meinem Blog die Spam-Schraube wieder etwas fester anziehen und nun doch ein Spam-Plugin installieren. Überfallartig bekam ich Besuch von einer Schwemme von Einträgen, die kein Ende mehr nehmen wollte. Für mich ein überaus deutliches Zeichen, dass »nofollow« kein Mittel zur Bekämpfung von Spam ist.

Blog-Software-Anbieter integrieren nofollow

Die Anbieter von Blog-Software haben nofollow fast alle als Funktionalität in Ihre Blog-Systeme integriert, sei es standardmäßig oder als optionales Plugin. Wer nur ein Plugin entfernen oder deaktivieren muss, hat es einfach. Bei anderen Blog-Tools steckt nofollow tief im Code und bedarf zu seiner Entfernung wieder extra Plugins.

Blog-Dienste nutzen nofollow

Blog-Dienste wie z.B. Typepad oder LiveJournal setzen »nofollow« standardseitig ein. Statt einer aktiven Spam-Bekämpfung ist diese Maßnahme lediglich eine passive Schutzmaßnahme. Neben einigen negativen Effekten kann ich zumindest auch einen positiven Aspekt erkennen. Bei den ggf. vielen tausend verweisten und nicht aktuell gepflegten Blogs macht es durchaus Sinn, die PR-Link-Wirkung der Kommentare und Trackbacks abzuschwächen.

Die Link-Spamer-Kommentare in den Blogs allerdings werden durch »nofollow« weder verschwinden noch funktionell unwirksam werden.

Spam-Kommentare bringen gute Suchmaschinen-Positionen

Verdutzt habe ich in den letzten Wochen Beispiele beobachtet, bei den Spamer ihre Suchmaschinen-Positionen (SERPS) dank Spam-Kommentaren verbessern.
Wie ist dies möglich?

Spamer hinterlassen irgendwann einmal einen Kommentar. Dieser besteht solange, bis der Blog-Autor ihn löscht. Hat Google in der Zwischenzeit die Seite gespidert, steht der Spam-Kommentar auch in der Suchmaschine. Sucht nun ein Kunde nach dem Begriff, werden dank des Spamer-Textes auch Seiten gelistet, die diesen Text enthalten, aber mit dem Thema sonst nichts weiter zu tun haben.

So geschehen an mehreren Beispielen mit meiner Domain. In meinen Log-Files fand ich plötzlich Suchmaschinen-Aufrufe von zweifelhaften Keywords. Als ich der Situation nachging, tauchten meine Seiten plötzlich und unerwartet in den SERPS auf. Zwar waren die Seiten lange von diesen Kommentaren bereinigt. Doch Google hatte die Seiten einfach nicht wieder aktuell besucht und so stand im Index eine Spam-verseuchte Datei.

Mag dieser Effekt auch von sehr vielen Zufällen abhängen. Die Summe, sprich die Masse aller solcher Einträge, macht es im Internet wieder. So schwer wiegen die Folgen. Spamer bekommen so eine Trefferfläche, die ihren eigentlichen Zielen sehr entgegen kommt.

nofollow macht Blogger einsam

Wie immer, wenn etwas Neues erfunden wird, kann man dies zum Vorteil, aber auch zum Nachteil einsetzen. Entscheidend ist nur, welches Ziel man verfolgt. Geschaffen zur Spam-Abwehr setzen es die meisten Blogger ein. Einige Freude der Suchmaschinen-Optimierung haben allerdings auch den Einsatz von »nofollow« zur Steigerung ihres PageRanks zum Ziel.

Linktausch mit einem NoFollower ist solch ein aktuelles Beispiel, was die Runde gemacht hat. Blogger setzen »nofollow« ein, schreiben Kommentare und setzen Trackbacks auf ihre Blogs, bewerten die Kommentare und Trackbacks ihrer Besucher aber mit nofollow.

Es freut mich zu lesen, dass der obige Versuch an dem klaren Engagement des pfiffigen Mex-Bloggers gescheitert ist. Die Rechnung wurde wieder einmal ohne die Blogger-Community gemacht. Wer in der Blogger-Szene das Nehmen größer schreibt als das Geben, kann sich mittelfristig wohl auf ein recht einsames Blog einrichten.

Das Beispiel sollte noch viel intensiver Schule machen. Blogger machen mobil. Missbrauch von »nofollow« wird aufs Korn genommen. Jeder Blogger hat es selbst in der Hand, für ein Gleichgewicht von Geben und Nehmen zu sorgen.

nofollow ist tot - es lebe nofollow

In der Zwischenzeit ist es um »nofollow« nicht nur still, sondern ganz still geworden. Über viele Dinge wird immer wieder einmal debatiert. Über das Attribut »nofollow« hört und liest man kaum etwas. Man könnte fast auf die Idee kommen, dass »nofollow« ob seiner durchschlagenden Wirkung in der Tat tot geschwiegen werden soll. Aber das war eben nur so ein Gedanke.

Auf der anderen Seite sind die Reaktionen auch verständlich. Es ist halt für jeden Menschen schwer, sich selbst einen Fehler einzugestehen. Noch schwerer ist, diesen dann auch öffentlich zuzugeben. Jedoch weit aus fataler ist für mich, dann so zu tun, als gäbe es diesen nicht und weiter wissentlich das Gegenteil zu behaupten. Das tut schon richtig weh.

Fazit: nofollow - ein schaler Nachgeschmack

Nach sechs Monaten nofollow hat sich meine persönliche Auffassung zu »nofollow« nicht geändert. Alle Kommentare, Berichte und Begründungen fehlt es für mich an echter Substanz und stichhaltigen Argumenten. Zwar kann ich einige Abminderungen von Spam-WIRKUNGEN erkennen. Die Bekämpfung der Spam-URSACHEN allerdings vermisse ich schmerzlich.

Die Kommentar- und Diskussionskultur nebst der Verlinkung der Weblogs im Internet hat durch »nofollow« mehr Schaden genommen als gewonnen. Wenn dem gegenüber wenigstens ein Effekt der Spam-Eindemmung stehen würde, könnte ich das verstehen. Da dies fehlt, bleibt bei mir ein schaler Nachgeschmack.

Es wird, wie von mir damals vermutet, von der Fachkenntnis jedes Einzelnen, seinem Engagement und Mut der klaren Positionierung abhängen, wie groß die negativen Effekte von »nofollow« letztlich sein werden. Einige Blogger haben sich nach Wochen ja auch wieder von nofollow verabschiedet. Zu dieser Entscheidung kann ich ihnen nur herzlich gratulieren.

Mein Bekenntnis

Mein einfach persönlich Blog bleibt auch weiterhin nofollow-freie Zone.
Ich freue mich über gehaltvolle Anregungen und Denkanstösse sowie konstruktive Kommentare und Trackbacks in meinem Blog.
Dazu stehe ich mit meinem Namen!

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Kommentare und verweisende Trackbacks

zum Beitrag: nofollow - 6 Monate danach

Kommentare

2 | André Fiebig schreibt am 21.07.2005, 11:13:

Ich trage auch hier gern zur Aufklärung bei. Das Posting von Robert im MEX-Blog ist nach einem Telefonat von uns entstanden.

Es geht nicht darum, dass nofollow in Kommentaren oder Trackbacks eingesetzt wird. Das ist jedem selbst überlassen und die Freiheit sollte auch bestehen.

Es geht darum, dass Herr G., um den es hier geht, nofollow direkt in den Beiträgen, also den Texten die er selbst geschrieben hat, einsetzte.

Siehe auch meine Erläuterung dazu: Nofollow direkt in Blogbeiträgen

Lerne: Schreibe alles selbst und rede erst danach mit dritten darüber.

3 | Hannes schreibt am 30.04.2007, 14:04:

Ich bin zufällig auf den Blog gestoßen und finde ihn wirklich interessant. Da der Eintrag schon einige Zeit zurückliegt, möchte ich fragen, wann der "2 Jahre nofollow" Beitrag erscheint?

5 | Matthias schreibt am 12.09.2007, 17:26:

Meiner Meinung nach begründet sich die Exitsenz des nofollow Attributs einzig und allein darauf, dass Google befürchtete der PR Algorythmus würde mittels den Blogs zusammenbrechen und eine Listung nach diesem System dann nicht mehr, unter Beachtung des qualitativen Aspekts der Suchergebnisse, möglich sein! Als Millionen für die Entwicklung eines neuen Sytems auszugeben, führte man lieber ein kleines, unscheinbares Attribut mit großer Wirkung ein.

6 | Markus schreibt am 29.06.2008, 00:14:

In meinen Blogs wundere ich mich immer wieder wie hartnäckig die Spammer einen Kommentar nach dem anderen schreiben, obwohl diese einerseits mit nofollow versehen sind und andererseits laufend gelöscht werden. Offenbar hilft es bei den Suchmaschinen schon, wenn man irgend etwas mit einer gewissen Keyword-Dichte schreibt, um davon zu profitieren. Sonst würden die Spammer das ja wohl nicht tun ...

7 | Daniel schreibt am 28.04.2009, 16:18:

Interesannt einen Artikel zu lesen, der aus der Zeit des Anfanges von "nofollow" stammt, nur ich finde es bringt nichts und vorallem Blogger sollten darauf verzichten, denn für den Content den ihnen Besucher durch Kommentare liefern, sollten sie ja auch belohnt werden - mit Hilfe eines vollwertigen Backlinkes :)

8 | Tom schreibt am 18.06.2009, 15:26:

Deinem Artikel kann ich nur zustimmen.
Bin mal gespannt was als nächstes Kommt.

9 | Niagara fall tours. schreibt am 10.08.2011, 02:35:

This blog is really good and informative. keep it up.

10 | BMo schreibt am 24.09.2011, 19:51:

Seit ihr wirklich sicher, dass Google die nofollow ernst nimmt. Angeblich ignoriert Google seit dem neuen Update die Nofollows.
Grüße und vielen Dank

Folgende Weblogs verweisen auf diesen Beitrag:

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» | Excessive Sound am 16.04.06 21:40

rel=nofollow - fight spam - not blogs
rel=nofollow wurde nach aussage von google als allheilmittel gegen spammer eingeführt.dazu einige hintergrund-infos:... Weiterlesen »

» | hartzcore I am 28.05.06 02:37

wordpress 2.02 update
nach 10 monaten schönheitsschlaf läuft hartzcore I seit dem 19.05.06 mit der 2.02 version von wordpress. das upgrade von wordpress ist gut dokumentiert und lauft völlig reibungslos. bemerkenswerte neuerung gegenüber 1.5 sind die kom... Weiterlesen »

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