Warum Google Analytics nicht wirklich kostenlos ist
16.11.2005 | Google, Suchmaschinen | 28 Kommentare | Print

Seit der Veröffentlichung des neuen Service Google Analytics kann sich Google vor Zuspruch nicht mehr retten. Jeder muss ihn sehen, jeder will ihn testen.
Dafür nehmen Anwender sogar Wartezeiten in Kauf, die sonst peinlich genau auf Effizienz achten. Warum nur, fragt sich der besorgte Beobachter. Nur, weil dieser neue Service kostenlos ist?
Ist Google Analytics denn wirklich kostenlos?
Jede Dienstleistung hat ihren Preis.
Um die Antwort vorweg zu nehmen - alles, jede Dienstleistung hat ihren Preis. Google ist von einer Garagenfirma Branchenriesen aufgestiegen. Über die Monopolstellung brauchen wir denke ich wenig reden. Zu äbhängig sind viele Webseiten vom Besucherlieferant Google. Da nehme ich mich keinesfalls aus.
Dennoch oder gerade deshalb halte ich es für gegeben, zumindest einen Blick auf die andere Seite der Medaille zu werfen. Insbesondere wenn mir derartige Zustimmung und Euphorie entgegenschlägt, werde ich unwahrscheinlich misstrauisch. Ich der Grund dafür liegt klar auf der Hand.
Der gläserne Internet-Nutzer
Google muss sich gegen alte und neue Mitbewerber durchsetzen, wenn die Monopolstellung erhalten bleiben soll. Und so hat Google seit langer Zeit durch den Aufkauf diverser Firmen strategisches Know-how angesammelt und in seine Dienste gestellt. Ziel vieler dieser Dienste ist es, weitere ergänzende Daten zu sammeln, die in die Verfeinerung der Suchergebnis-Algorithmen Einzug halten.
So positiv die Verbesserung der SERPS auch sein mögen, sie machen mehr und mehr den Benutzer und den Webseitenbetreiber zum gläsernen Menschen. Neue Service-Angebote werden auf eine fast unglaublich raffiniert eingefädelte Art und Weise mit der Sammlung weiterer Daten verknüpft. Konnte man anfangs beim Google-Toolbar noch schmunzeln, so ist dies heute lange nicht mehr der Fall.
Auch wenn Google seinen neuen Service-Angebote mit dem Schutzschild "Beta" versieht. Keine neuer Service geht in Aktion, der nicht wenigstens praxistauglich ist. Nur mit der Zeit hat sich die Hemmschwelle erheblich gesenkt, werden Anwender mit immer neuen Diensten konfrontiert, die zweifellos alle Nutzen bieten. Statt seine Gegner zu bekämpfen, lockt Google sie mit Honig ins Haus. Nur hängt diesmal nicht das Schild "Beta" an der Tür, sondern "Kostenlos".
Der Erfolg scheint Google einmal mehr Recht zu geben.
Die Massen strömen zu Hauf.
Was hat Google wirklich vor?
Schon lange hatte ich vor, einmal explizit auf die Vorhaben von Google aufmerksam zu machen. Das im Frühjahr veröffentlichte Google-Patent mit 63 Thesen ( Information retrieval based on historical data ) machte bereits recht gut deutlich, wohin die Reise bei Google gehen soll. Wer sich die Zeit für ein intensives Studium der englischen Quelle nimmt, wird zu manch interessanter Erkenntnis kommen.
Heute nun liegen bei den ersten Anwendern die frischen Google Analytics-Auswertungen vor. Zeitgleich wird (per Zufall??) bei Heise:http://www.heise.de/ von einem neuen Google-Patent Personalization of placed content ordering in search results berichtet:
Bereits im Juni 2004 von Google als Patent eingereicht wurde das Dokument nun im Oktober 2005 veröffentlicht. Darin wird ein Patent aus dem September 2003 fortgeführt, heißt es.
Google lässt keinen Service und keine Aktion unversucht, Stück für Stück Nutzerprofile von Internet-Benutzern zu sammeln, diese auf dem Client oder dem Server, anonymisiert oder personengebunden zu erheben. Gewiss mag die heutige Rechenpower auch im Hause Google noch nicht in der Lage sein, all diese Daten zu verarbeiten. Aber die konzeptionellen und die patentrechtliche Situation schaffen bereits heute viele Voraussetzungen für später.
Aus meiner Sicht besteht kein Zweifel darin, dass eines Tages Google diese vorliegenden Daten genauso zügig (und still) zu seinen Gunsten einsetzen wird.
Wer etwas anderes erwartet, wird da wohl herb enttäuscht werden.
Zu denken gibt mir weiterhin, dass ein bis dato kostenpflichtiger Service von einem Tag auf den anderen kostenfrei verfügbar sein. Wer in aller Welt hat heute etwas zu verschenken. Wenn mir jemand heute etwas schenken will, dass ich nicht kenne, dann müssen sich doch mindestens einige Zweifel erlaubt sein, oder?
Was bringt die Statistik für Daten (außer der Verlnüpfung mit AdWords, was andere Statistiken nicht auch liefern können und das diesen Preis rechtfertigt?
Und nun zurück zur eingangs gestellten Frage.
Glaubt Ihr wirklich, dass Google Analystic kostenlos ist?
Weitere ergänzende Lektüre
- Google Patent Using Concepts for Ad Targeting
Update I: Statistik und Vergleich - Screenshots zu Google Analytics und Measure Map
- bietet das Agenturblog: Im Statistik-Rausch