Webdesign 2006 - persönliche Trends, Erwartungen und Wünsche (1) Björn Seibert markup

08.01.2006 | Webdesign | 1 Kommentare | Print

Welche Trends und Erwartungen haben wir an das Webdesign im Jahr 2006? Während international darüber diskutiert wird, sind deutsche Webdesigner zurückhaltend. Da ich das Thema dennoch für sehr interessant halte, bin ich diesem Thema im Rahmen einer Artikel-Serie Webdesign 2006 nachgegangen.

Websites sollen so schlank und zugänglich wie möglich umgesetzt werden.

Hallo Björn, herzlich willkommen zum kleinen Webdesign-Talk auf einfach-persoenlich. Ich freue mich, dass Du trotz Deiner Prüfungs-Vorbereitungen etwas Zeit für ein Gespräch gefunden hast.

Als frisch gebackener Buch-Autor hast Du Dich im letzten Jahr sehr intensiv mit Professionellem Webdesign mit XHTML und CSS beschäftigt. Zu Beginn des Jahres schreibst Du in Deinem Jounal auf bs-markup.de ironisch den Beitrag Du bist rund zum Trend 2006. Lass uns gemeinsam mal ein wenig weiter ins Webdesign-Jahr 2006 schauen.

Bevor wir thematisch einsteigen, wolltest Du aber noch einige Grundgedanken & Vorbemerkungen voraus schicken. Was genau geht Dir da speziell durch den Kopf? Welche persönlichen Trends, Erwartungen und Wünsche hast Du im Bereich Webdesign?

Björn Seibert: Zunächst vor allen anderen Überlegungen, Grundgedanken, die immer gelten sollten: Websites sollen so schlank und zugänglich wie möglich umgesetzt werden.

Oberstes Gebot: Trennung von Inhalt und Layout unter Verwendung der sinnvollen Elemente in (X)HTML und zielgerichtetem CSS. Alles ist möglich, Vorurteile dürfen nicht (mehr) gelten. Schlank & zugänglich ist schöner als einfach nur schön, weil für Alle ein Erlebnis.

Um die Fragen kurz zu beantworten. Die Website der @media 2006. Für mich persönlich fasst diese Seite nahezu all das zusammen, was ich mir unter ansprechendem und effektivem Webdesign für die Zukunft vorstelle. Kurz:

  • bunt (nicht zu bunt),
  • große Überschriften,
  • etwas größere Schriften (90-100%),
  • liquides Layout,
  • rund,
  • nahezu schwerelos,
  • sinnvoll strukturiert (auch ohne Linien) und
  • der Mut Blau-, Orange-, Grün- und Pink-Töne auf massig Weiß zu kombinieren.

Wenden wir uns nun einmal einigen konkreten Themengebieten zu. Beginnen wir mit den Farben. Momentan werden hellere Farben wie auch Pastell-Töne öfter genannt. Welche Erwartung hast Du bezüglich der Webdesign-Farben 2006?

Björn Seibert: Die hellen Farben werden ganz sicher den Ton angeben. Das war so und wird weiter so bleiben. Insgesamt hellere Seiten wirken freundlicher und sind länger interessant. Allerdings favorisiere ich nicht unbedingt alle Pastelltöne. Es gibt auch viele, die sehr blass wirken. Die Farben sollten auf irgendeine Weise frisch und auch mal kräftiger ausfallen.

Dazwischen sollte es mehr Weiß geben und man sollte mehr und mehr die Trennung von den Linien wagen. Auch ohne Linien, durch eine gute Struktur und geschickte Aufteilung der Inhalte, lässt sich eine Seite wunderbar gliedern. Imaginäre Linien können die Konstruktion genauso tragen und geben dem Ganzen eine gewisse Leichtigkeit. Hier ist experimentieren angesagt.

Ajax & Tags haben 2005 enorm an Zuspruch gewonnen und liegen stark in der Nachfrage. Wie schätzt Du die Entwicklung ein? Wo siehst Du die weitere Entwicklung aus Deiner Sicht?

Björn Seibert: Werden an Gewicht zunehmen, definitiv. Andere auch. Konkretere Gedanken habe ich mir hierzu noch nicht gemacht. Aber eins steht fest: Es sind Themen, mit denen ich mich ab 2006 intensiver beschäftigen werde. Verbessertes Content-Management und -design und effizientere Syndikation werden die Ziele dabei sein.

Ganz wichtig: Egal ob man es Web 2.0 oder wie auch immer nennt. Man sollte etwas auf die Bremse treten, den "Hype" rausnehmen und die wirklich wichtigen und sinnvollen Entwicklungen tragen.

Web Design & Web-Layouts, ob Fluid Layout oder deren Größe sind immer wieder ein Thema für Spekulationen. Was denkst Du darüber?

Björn Seibert: Die Layouts werden mehr und mehr in die Breite gehen und dabei auf flexible Breitenangaben setzen. Dabei gilt es gute Lösungen für minimale und maximale Seitenbreiten zu finden. Zu schmal lässt wenig Raum, gerade bei vielen Inhalten. Zu Breite Bereiche führen ab einem gewissen Punkt zu übermäßig langen Zeilen, was auch bei erhöhten Schriftgraden die Lesbarkeit vermindert.

Grob stelle ich mir einen Bereich von 760-1200px vor. Was das Design im engeren Sinn betrifft, so würde ich die Ausführungen zur @media 2006 Seite und den Farben und Linien so stehen lassen. Das trifft meinen persönlichen Geschmack und ist immer öfters zu beobachten. Meine Schlagworte - die nicht neu sind:

  • groß,
  • bedingt bunt,
  • hell und
  • minimaler Einsatz von Linien.

Viel Abwechslung gibt es bei den Web-Schriften nicht. Dennoch zeichnen sich immer wieder einige Trends ab. Welche fallen Dir besonders auf?

Björn Seibert: Der Trend geht in Richtung größerer Schriften. Ganz klar, vor allem dann, wenn mehr Raum zur Verfügung steht. Mikroskopisch kleine Schriften, wie z.B. aktuell bei Shaun Inman sind nicht mehr tragbar und haben auch ihren Charme verloren, auch wenn sie skalierbar eingesetzt werden.

Die in der Vergangenheit verschmähten Arial und Verdana werden nach meinen Beobachtungen wieder vermehrt eingesetzt. Mein Favorit bleibt Trebuchet MS, in deren Genuss die Mac-User leider nicht kommen. Überschriften werden teilweise überdimensional groß. Gerne 2-3 Mal Größer als die Texte der Websites. Das hat was.

Image-Replacement-Techniken stehe ich etwas kritisch gegenüber. Mir persönlich ist das zu viel Aufwand, auch wenn Überschriften entscheidenden Einfluss auf das Erscheinungsbild einer Website haben. Trotzdem wird mehr mit IR gearbeitet werden, da die Techniken mittlerweile ganz gut ausgereift sind und eine zugängliche Gestaltung zulassen. Auf stark designlastigen Websites rate ich sogar dazu, diese Techniken zu nutzen. Mir ist es wichtig, dass sie groß sind und in einer angenehmen Farbe, die sich von den Texten abhebt.

Webstandards sind Dir ein besonderes Anliegen. Was meinst Du, welche Fortschritte werden wir 2006 bei den Webstandards erleben können?

Björn Seibert: Ich hoffe, die Einhaltung der Webstandards für (X)HTML und CSS wird auch bei uns weiter an Bedeutung gewinnen. In der Praxis ist es zu beobachten. Und erfreulicher Weise, machen sich vermehrt "ganz normale" Unternehmen dahingehend Überlegungen. Ich denke, wir sind soweit, dass die Einhaltung der Webstandards nicht mehr nur reine PR-Sache oder "geeky stuff" sind.

Trotzdem gilt es für uns Webdesigner und Informationsarchitekten immer wieder daran zu erinnern, wie immens wichtig standardkonformes Webdesign geworden ist und das es vor allem noch weiter an Gewicht gewinnen wird.

Was wäre das Internet ohne Browser? Im letzten Jahr hat der Firefox-Browser die Landschaft maßgeblich mit geprägt. Für das neue Jahr steht die Version 7 des Internet Explorers ins Haus. Welche Erwartungen hast Du bezüglich der Browser-Entwicklung?

Björn Seibert: Wir werden sehen, was IE 7 wirklich bringt. Die allermeisten Signale sind positiv zu werten. Was in ihm steckt werden wir demnächst erfahren. Firefox wird sich weiter etablieren. Ablösen wird er den "blauen Riesen" so schnell nicht.

Warum?

IE wird noch standardmäßig mit Windowssystemen ausgeliefert. Die meisten Internetnutzer sind keine Webdesigner und wissen nach wie vor oft gar nicht, dass es überhaupt Alternativen gibt. Sollte IE seine Geschichte der Sicherheitsmängel und sonstigen Unzulänglichkeiten fortschreiben, gilt es weitere "Aufklärungsarbeit" zu leisten. Bisher war diese international sehr erfolgreich vor allem in D mit einem Marktanteil von bis zu 20%.

Weblogs folgen aus Erfahrung einem eher klassischen Design. Welche Erwartungen verbindest Du mit der Weiterentwicklung des Weblog Design?

Björn Seibert: Beim Blog-Design unterscheide ich nicht sehr vom allgemeinen Webdesign. Klar weisen Blogs typische Seitenstrukturen auf. Diese wurden zwar oft genug kritisiert ( z.B. Warum sehen alle Blogs gleich aus? ), man darf aber nicht vergessen, dass dahinter sehr wohl System steckt. Das klassische Blog-Design folgt der Funktion und ist sinnvoll. Änderungen wird es - und sollte es - weiter geben.

So z.B. die Inhalte der meist sog. Sidebars. Diese kann man, wie ich es selbst auch getan habe, ans Seitenende setzen und durch einen Link am Seitenanfang darauf aufmerksam machen. Zumindest sekundäre Dinge wie Archive, Blogrolls u.ä. Links zu den Feeds z.B. gehören gut sichtbar an den Seitenanfang bzw. in eine Sidebar. Allzu oft oft sucht man länger nach den Feed-Icons.

Vielen herzlichen Dank Björn. Es war interessant, mit Dir über Webdesign, Trends und Deine persönliche Erwartungen für 2006 zu plauschen. Ich wünsche Dir persönlich und beruflich viel Erfolg und Deinem Buch natürlich viele interessierte und begeisterte Leser.

Björn Seibert: Ich hoffe ich konnte Dir interessante Antworten liefern und freue mich sehr auf das Endergebnis dieser Artikelserie. Ich denke, mit den Antworten der richtigen Leute kann sie was bewirken.

Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Webdesign 2006- Trend, Erwartungen und Wünsche [Serie]

Weiterlesen:
Webdesign 2006 - Trend, Erwartungen und Wünsche von Jeena Paradies

War der Artikel für Euch wertvoll? Wollt Ihr Euch den Beitrag als Bookmark merken?
Einfach RSS-Feed abonnieren oder das Lesezeichen mit anderen Menschen teilen:

Kommentare und verweisende Trackbacks

zum Beitrag: Webdesign 2006 - persönliche Trends, Erwartungen und Wünsche (1) Björn Seibert markup

Kommentare

1 | Michael Kasten schreibt am 14.01.2006, 18:03:

Meine volle Zustimmung hoffen wir das sich dieses Denken durchsetzt, oft scheitert es ja noch immer an festgefahrenen Denkstrukturen

Folgende Weblogs verweisen auf diesen Beitrag:

» | einfach persoenlich Weblog am 08.01.06 20:27

Webdesign 2006 - Trends, Erwartungen und Wünsche (Serie)
Welche Trends und Erwartungen haben wir an das Webdesign im Jahr 2006? Während international darüber diskutiert wird, sind deutsche Webdesigner zurückhaltend. Da ich das Thema dennoch für sehr interessant halte, bin ich diesem Them... Weiterlesen »

Trackback-URL: http://www.einfach-persoenlich.de/m33/etb.cgi/845

Einfach persönlich kommentieren:




Info speichern?


Bei der Formatierung hilft Textile2. - (Du kannst auch HTML verwenden)

(Achtung! Sende-Button im Vorschau-Fenster!)

Kommentare des Beitrages per RSS-Feed verfolgen?

Mit dem RSS-Kommentar-Feed kannst Du die Kommentare dieses Beitrages einfach persönlich verfolgen und im Blick behalten, einfach: