Webdesign 2006 - persönliche Trends, Erwartungen und Wünsche (2) Jeena Paradies

09.01.2006 | Webdesign | 5 Kommentare | Print

Welche Trends und Erwartungen haben wir an das Webdesign im Jahr 2006? Während international darüber diskutiert wird, sind deutsche Webdesigner zurückhaltend. Da ich das Thema dennoch für sehr interessant halte, bin ich diesem Thema im Rahmen einer Artikel-Serie Webdesign 2006 nachgegangen.

Viele Junge Designer nehmen es zum Beispiel als Gottgegeben hin, dass man eine Tabelle zum Layouten nicht benutzen darf.

Hallo Jeena, herzlich willkommen zum kleinen Webdesign-Talk auf einfach-persoenlich. Ich freue mich, dass Du etwas Zeit für ein Gespräch gefunden hast. Lass uns gemeinsam mal ein wenig weiter ins Webdesign-Jahr 2006 schauen.

Bevor wir thematisch einsteigen, wolltest Du aber noch einige Grundgedanken & Vorbemerkungen voraus schicken. Was genau geht Dir da speziell durch den Kopf? Welche persönlichen Trends, Erwartungen und Wünsche hast Du im Bereich Webdesign?

Jeena Paradies: Eine interessante Idee die Du da hast, auch ich überlegte lange ob ich es den englischen Blogs gleichtun soll, habe mich dann irgendwie dagegen entschieden, wahrscheinlich lese ich zu viele englische Blogs und es fiel mir gar nicht so auf dass so etwas auf deutsch fehlt.

Wenden wir uns nun einmal einigen konkreten Themengebieten zu. Beginnen wir mit den Farben. Momentan werden hellere Farben wie auch Pastell-Töne öfter genannt. Welche Erwartung hast Du bezüglich der Webdesign-Farben 2006?

Jeena Paradies: Ich persönlich glaube es wird Grün in seinen hellen Tönen sein, warum? Hm, das weiß ich nicht so genau es ist ein Gefühl.

Ajax & Tags haben 2005 enorm an Zuspruch gewonnen und liegen stark in der Nachfrage. Wie schätzt Du die Entwicklung ein? Wo siehst Du die weitere Entwicklung aus Deiner Sicht?

Jeena Paradies: Wird weiterhin ein großes Thema, was ich mir aber wünschen würde, dass man vermehrt auf das Unobtrusive JavaScript Prinzip setzt. JavaScript an sich ist auf jeden Fall eine supertolle Sache, man kann damit wirklich die Benutzbarkeit und Zugänglichkeit einer Seite um ein vielfaches erhöhen, außerdem kann man beeindruckende Effekte programmieren, die man schon aus technischen Gründen nicht auf dem Server laufen lassen kann.

Was aber beim JS Einsatz im "Web 2.0" auffällt ist, dass vor allem sehr viele frühere Flash Anwendungen nach JavaScript portiert werden. Sachen wie "The Yellow Fadeout" Technik, XMLHttpRequest, Drag & Drop, Verschiebung und Animation von Layern usw. beeindrucken heutzutage sehr viele Nutzer. Aber all die Techniken nutzten die "Flasher" eigentlich schon Jahre und können sich jetzt wirklich nur über den großen Hype wundern. Interessant ist auch die Tatsache, dass das Flash Plugin nicht wirlich so viel weniger verbreitet ist als "Web 2.0" fähige Browser und die Inhalte auch nicht weniger zugänglich sind.

Tags. Ich wünschte sie würden verschwinden, denn sie verwirren zumindest mich nur die ganze Zeit und ich sehe nicht wirklich den großen Nutzen dabei hunderte von Kategorien zu haben.

Web Design & Web-Layouts, ob Fluid Layout oder deren Größe sind immer wieder ein Thema für Spekulationen. Was denkst Du darüber?

Jeena Paradies: Auf jeden Fall wird alles größer und es werden - was aber meiner Meinung nach falsch ist, da immer weniger mit Full-Screen surfen - noch mehr Seiten zur starren 1024er Breite wechseln. Flüssige Webdesigns werden es weiterhin schwer haben, da sie technisch aufwendiger sind und nicht jeder den Nerv hat sich damit auseinanderzusetzen - was ja durchaus verständlich ist. Ach und ich glaube linksbündige Layouts werden wohl fast ganz verschwinden, bis auf weniger Ausnahmen.

Viel Abwechslung gibt es bei den Web-Schriften nicht. Dennoch zeichnen sich immer wieder einige Trends ab. Welche fallen Dir besonders auf?

Jeena Paradies: Wann kommt noch mal Windows Longhorn? Ich glaube erst da werden wir neue gute Schriften nutzen können. Bis dahin wird es wohl beim Verdana, Helvetica, Georgia und Trebuchet MS bleiben.

Webstandards sind Dir ein besonderes Anliegen. Was meinst Du, welche Fortschritte werden wir 2006 bei den Webstandards erleben können?

Jeena Paradies: Es werden mehr und mehr Agenturen Webstandards für sich entdecken, das ist auf jeden Fall sehr gut. Was weniger gut ist, ist die Dogmatisierung derer. Viele Junge Designer nehmen es zum Beispiel als Gottgegeben hin, dass man eine Tabelle zum Layouten nicht benutzen darf, wissen aber um die Vorteile gar nicht mehr, denn sie waren damals in den "Kriegen" ;-) nicht dabei und haben nur die Ergebnisse, aber nicht die Schlachtverläufe überliefert bekommen.

Dadurch aber, dass mehr Leute sich damit befassen, wird es immer mehr ausgeklügelte Lösungen wie zum Beispiel letztens das "Markupfreie Clearen" geben.

Was wäre das Internet ohne Browser? Im letzten Jahr hat der Firefox-Browser die Landschaft maßgeblich mit geprägt. Für das neue Jahr steht die Version 7 des Internet Explorers ins Haus. Welche Erwartungen hast Du bezüglich der Browser-Entwicklung?

Jeena Paradies: Es wird ein sehr gutes Jahr für den IE werden. Firefox wird dadurch an Boden verlieren, und Opera wird sich da halten wo er ist. Na doch nicht ganz, Opera wird einen großen Aufschwung im Mobile Browsing erleben. Die Vorkehrungen sind getroffen, es ist der Beste mobile Browser, jetzt kommt es vor allem auf gutes Marketing an, damit sie gute Verträge mit den Handyanbietern abschließen können. Wenn das gut läuft, könnte Opera ein Jahr später vielleicht auch einen kleinen Aufschwung im Desktop-Bereich haben.

Weblogs folgen aus Erfahrung einem eher klassischen Design. Welche Erwartungen verbindest Du mit der Weiterentwicklung des Weblog Design?

Jeena Paradies: Hier wird sich das bewährte "nasses Handtuch" Design wohl halten, die Gründe hat vor einiger Zeit mal das Agenturblog aufgelistet und sie gelten immer noch.

Big Fonts, wird es am Anfang etwas mehr geben, aber das gibt sich wieder. Letter Spacing, ich glaube das kennen zu wenige, deshalb wird das nur sehr selten genutzt und so bleibt es dieses Jahr auch.

Große Seitenfüße, ja die werden öfter auftauchen, großer Fuß aber kein Banner oben im Kopf, nur ein Sprunglink zum Fuß, wo das Menü und alle anderen Informationen der Sidebar sitzen, denn die kann dann auch verschwinden. Das schöne dabei ist, dass man den Inhalt in den Vordergrund stellt, so wie es sein sollte.

Header mit Border, Farbverläufe (in Boxen), Links, Runde Ecken, Grids: hier wird sich wahrscheinlich nicht so viel ändern, wenn überhaupt etwas.

Komplexe Plugin-Entwicklungen, ich habe das Gefühl es werden mehr Plugins entwickelt, die mehrere Sachen gleichzeitig können, das sieht man gut an den Anti-Spam Plugins, die jetzt schon mehrere Methoden in sich vereinen.

Interessant wird auch die Entwicklung der Weblogsoftware werden, vor allem auch für mich, der ich selbst eine namens Jlog entwickle. Was ich ein wenig störend finde ist die Entwicklung der Weblogsoftware zum vollwertigen CMS, das ganze wird dann mit der Zeit unübersichtlich und viel zu Fett. Ich denke die Hauptschuld daran tragen aber die User, die diese Software dazu missbrauchen und immer mehr solcher Funktionen fordern, anstatt sich mit reinrassigen CMS mal auseinanderzusetzen.

Vielen herzlichen Dank Jeena. Es war interessant, mit Dir über Webdesign, Trends und Deine persönliche Erwartungen für 2006 zu sprechen. Ich wünsche Dir persönlich und beruflich viel Erfolg. Herzliche Grüße nach Schweden.

Jeena Paradies: Ich wünsche Dir ebenso ein erfolgreiches Jahr 2006.

Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Webdesign 2006 - Trend, Erwartungen und Wünsche [Serie]

Weiterlesen:
Webdesign 2006 - Trend, Erwartungen und Wünsche (3) von Manuela Hoffmann pixelgraphix.

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