Webdesign 2006 - persönliche Trends, Erwartungen und Wünsche (3) Manuela Hoffmann pixelgraphix
10.01.2006 | Webdesign | 1 Kommentare | Print
Welche Trends und Erwartungen haben wir an das Webdesign im Jahr 2006? Während international darüber diskutiert wird, sind deutsche Webdesigner zurückhaltend. Da ich das Thema dennoch für sehr interessant halte, bin ich diesem Thema im Rahmen einer Artikel-Serie Webdesign 2006 nachgegangen.
Ich hoffe, der Trend geht weg vom Standard-Layout und hin zum individuellen Design mit Mut zu Grafik und Farbe.
Hallo Manuela, herzlich willkommen zum kleinen Webdesign-Talk auf einfach-persoenlich. Ich freue mich, dass Du etwas Zeit für ein Gespräch gefunden hast.
Als frisch gebackener Buch-Autorin hast Du Dich im letzten Jahr sehr intensiv mit Professionellem Webdesign mit XHTML und CSS beschäftigt. Ich bin gespannt, welche Trends und Erwartungen Du für das Webdesign-Jahr 2006 hast.
Bevor wir thematisch einsteigen, wolltest Du aber noch einige Grundgedanken & Vorbemerkungen voraus schicken. Was genau geht Dir da speziell durch den Kopf? Welche persönlichen Trends, Erwartungen und Wünsche hast Du im Bereich Webdesign?
Manuela Hoffmann: Ich hoffe, 2006 werden sich weitere Webdesigner auf den Pfad der Webstandards begeben um das Netz mit zugänglichen, schnellen und schönen Seiten zu bereichern. Ich hoffe, der Trend geht weg vom Standard-Layout und hin zum individuellen Design mit Mut zu Grafik und Farbe. Ich wünsche mir mehr Innovation und Engagement diesbezüglich vor allem in Deutschland.
Wenden wir uns nun einmal einigen konkreten Themengebieten zu. Beginnen wir mit den Farben. Momentan werden hellere Farben wie auch Pastell-Töne öfter genannt. Welche Erwartung hast Du bezüglich der Webdesign-Farben 2006?
Manuela Hoffmann: Ich erwarte auch ein paar Designs mit dunkleren Harmonien, wie aktuell z.B. Ordered List von Steve Smith oder das Portfolio von Chris Garrett. Außerdem denke ich, der Wicked Worn Look wird noch häufiger zu sehen sein, zusammen mit Retro-Elementen. Auf der anderen Seite steht der saubere Glossy-Look mit Spiegelungen aller Art. Auch diese sind wie die Schlagschatten scheinbar nicht tot zu bekommen und werden uns auch 2006 weiter begleiten.
Ajax & Tags haben 2005 enorm an Zuspruch gewonnen und liegen stark in der Nachfrage. Wie schätzt Du die Entwicklung ein? Wo siehst Du die weitere Entwicklung aus Deiner Sicht?
Manuela Hoffmann: Beide Bereiche werden sich weiter entwickeln und verstärkt Einzug auch in kleinere Webprojekte erhalten. Wer Ajax sinnvoll einsetzt, kann clevere Effekte erzielen und damit den Besuch einer Webseite für den Besucher angenehmer und harmonischer machen.
Tags eignen sich nicht nur für den Aufbau von sozialen Netzwerken, sondern v.a. zur Unterstützung der Durchschaubarkeit einer Website. Ihre Verwendung in diesem Bereich hängt momentan noch stark von der einer Website zugrunde liegenden Software ab. In diesem Bereich wird sich sicher noch eine Menge tun. Andererseits sollte man es mit dem Stichworten auch nicht übertreiben. "Viel hilft nicht immer viel" ;-).
Web Design & Web-Layouts, ob Fluid Layout oder deren Größe sind immer wieder ein Thema für Spekulationen. Was denkst Du darüber?
Manuela Hoffmann: Es ist eigentlich klar, dass die Monitor-Auflösung der meisten User höher ist als 800×600 Pixel. Andererseits surft auch nicht jeder im Vollbildmodus, so dass man mit Statistiken allein hier nicht weiter kommt. Bei jedem Projekt macht man sich vor Beginn Gedanken um die Zielgruppe.
Wenn z.B. 90% der Zielgruppe immer mit dem aktuellsten Browser unterwegs sind und sich für technische Raffinessen oder grafische Fragen interessieren, gibt es keinen Grund, beim Layout künstliche Grenzen, wie z.B. schmale Bildschirmseiten, zu kreieren. Eine nach Webstandards programmierte Webseite lässt sich durch die klare Trennung von Inhalt und Gestaltung mit den verschiedensten Programmen gut erschließen.
Verallgemeinern lässt sich eine Antwort auf die Frage meiner Meinung nach nicht, denn das Design soll ja Ziel und Zweck der Website unterstützen und so muss z.B. ein Portfolio-Design ganz anderen Ansprüchen an das Layout genügen als ein Webshop-Layout. In dem einen Fall kann eine klare Begrenzung auf eine feste Breite durchaus sinnvoll sein, in einem anderen, absoluter Quatsch.
Viel Abwechslung gibt es bei den Web-Schriften nicht. Dennoch zeichnen sich immer wieder einige Trends ab. Welche fallen Dir besonders auf?
Manuela Hoffmann: Große Schriftgrößen werden wir auch 2006 sehen. Ich hoffe allerdings, dass sich das im Rahmen hält, denn nur über die Schriftgröße allein kann man auf einer Website keine Ordnung erzielen. Dem Besucher darf zugetraut werden, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, ohne ihn dabei mit einer riesigen Überschrift zu "erschlagen".
Die Wahl der Schriftart ist Geschmackssache und wie immer abhängig vom Zweck der jeweiligen Webseite. Bei Projekten, wo man etwas wagemutiger sein darf, sollte man es auch sein. Wo es um strikte Informationsvermittlung geht, sollte man auf gute Lesbarkeit auf allen Systemen achten.
Webstandards sind Dir ein besonderes Anliegen. Was meinst Du, welche Fortschritte werden wir 2006 bei den Webstandards erleben können?
Manuela Hoffmann: Wie anfangs schon erwähnt sollte die Zahl der nach Webstandards gestalteten Seiten weiter zunehmen. Dabei meine ich nicht unbedingt die Weblogs, die Dank ihrer Systeme zumindest nach der Grundinstallation validieren. Ich meine größere Sites und Portale, die sich momentan immer noch von alten Tabellenlayouts geisseln lassen.
Es muss klar werden, dass es sich bei den Webstandards nicht etwa um hochgestochene Ideale oder ganz neue Herangehensweisen an die Arbeit handelt.
Ich persönlich würde gern grafisch ansprechendere Seiten sehen. All zu oft trifft das Vorurteil zu, konforme Seiten sehen aus, wie Design auf Rezept. Das muss nicht so sein und es ist auch keine gute Werbung für die Webstandards an sich. Jeder, der sich mit dem Thema befasst und nach Außen etwas beitragen kann, sollte dies tun.
Es muss klar werden, dass es sich bei den Webstandards nicht etwa um hochgestochene Ideale oder ganz neue Herangehensweisen an die Arbeit handelt. Es geht einfach darum, das Web so zu verwandeln, dass jeder, egal welche Möglichkeiten er hat, das maximale Ergebnis herausholen kann. Webdesigner, die mit (X)HTML und CSS arbeiten, verspüren schnell einen enormen Effizienzzuwachs, der natürlich später auch dem Kunden zugute kommt.
Ich hoffe, dass sich die Webkrauts in Deutschland etablieren können um über den sinnvollen Einsatz von Webstandards aufklären zu können. Ich hoffe, dass dies gemäß dem Namen auch mal weniger bierernst und bürokratisch passiert. Ich finde, Webdesign darf Spaß und Freude machen - dem Designer und dem Besucher.
Was wäre das Internet ohne Browser? Im letzten Jahr hat der Firefox-Browser die Landschaft maßgeblich mit geprägt. Für das neue Jahr steht die Version 7 des Internet Explorers ins Haus. Welche Erwartungen hast Du bezüglich der Browser-Entwicklung?
Manuela Hoffmann: Ich denke, der Internet Explorer 7 wird uns wieder einige neue Aufgaben aufgeben, die wir zu lösen haben. Dafür müssen wir uns um ältere Browser wie den Internet Explorer für Macintosh nicht mehr in gleichem Maße kümmern.
So gern ich auch Safari oder Firefox verwende, so gewiss muss ich mir beim Webdesign immer wieder sein, dass sich nicht alle Besucher einen Browserpark leisten wollen. Sie möchten die Informationen finden, die sie suchen und sich dabei nicht um den verwendeten Browser kümmern. Das muss man als Webdesigner wissen und unterstützen. Da heisst es auf dem neuesten Stand zu bleiben, zu testen, Besucherkommentare ernst zu nehmen und Designs - wo das möglich ist - immer wieder anzupassen.
Firefox wird 2006 sicher noch eine Menge netter Erweiterungen bekommen, die uns das Leben als Surfer oder Designer versüßen. Ich bin da gespannt.
Weblogs folgen aus Erfahrung einem eher klassischen Design. Welche Erwartungen verbindest Du mit der Weiterentwicklung des Weblog Design?
Manuela Hoffmann: Hier wäre zu definieren, was "klassisches Design" ist. Ich finde, es gibt ebenso viele Weblogs im langweiligen Standard-Look, wie es auch "normale" Webseiten aus der langweiligen Vorlage gibt. Ich denke, die Verbreitung von Weblogsystemen wird weiter zunehmen und für kleinere Sites das früher notwendige CMS ersetzen.
Die Grenzen werden immer mehr verwischen. So werden wir auch immer mehr neue Ansätze für Startseiten sehen, die den typischen Weblogcharakter mit der einfachen Auflistung von Beiträgen abgelegt haben. Es wird spannend sein zu sehen, wie die Gradwanderung zwischen vielen Informationen und der Übersichtlichkeit gelöst werden wird.
Ich denke, wir werden mehr dreispaltige Layouts sehen, die die in zunehmendem Maße entstehenden Social Networking Services integrieren.
Vielen herzlichen Dank Manuela. Es war interessant, mit Dir über Webdesign, Trends und Deine persönliche Erwartungen für 2006 zu sprechen. Ich wünsche Dir persönlich und beruflich viele nette Inspirationen und natürlich Erfolg sowie Deinem Buch viele interessierte und begeisterte Leser.
PS: Und ich freue mich einfach persönlich auf so viele schöne Layouts wie Deinen Surfgarden!
p(interview). Manuela Hoffmann: Viele Grüße und vielen Dank für Deine Mühe. Danke, dass Du mich gefragt hast.
Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Webdesign 2006- Trend, Erwartungen und Wünsche [Serie]
Weiterlesen:
Webdesign 2006 - Trend, Erwartungen und Wünsche (4) von Alp Uçkan
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Kommentare und verweisende Trackbacks
zum Beitrag: Webdesign 2006 - persönliche Trends, Erwartungen und Wünsche (3) Manuela Hoffmann pixelgraphix
Kommentare
1 | Marco Di Bella schreibt am 22.01.2006, 00:45:
Das mit den Farben kann ich meinerseits nur bestätigen. Auch ich habe meiner Website erst kürzlich eine dunkelgraue Farbpalette (vormals eher schwarz) spendiert.
Folgende Weblogs verweisen auf diesen Beitrag:
» | einfach persoenlich Weblog am 12.01.06 07:07
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» | einfach persoenlich Weblog am 15.01.06 11:05
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