Webdesign 2006 - persönliche Trend, Erwartungen und Wünsche (8) von Jens Grochtdreis
15.01.2006 | Blogging Tipps, Webdesign | 0 Kommentare | Print
Welche Trends und Erwartungen haben wir an das Webdesign im Jahr 2006? Während international darüber diskutiert wird, sind deutsche Webdesigner zurückhaltend. Da ich das Thema dennoch für sehr interessant halte, bin ich diesem Thema im Rahmen einer Artikel-Serie Webdesign 2006 nachgegangen.
Ich wünsche mir vor allem, dass immer mehr Grafiker begreifen, dass eine Internetseite mehr als die Oberfläche ist und allen Elementen auf der Seite die Luft zum Atmen geben.
Hallo Jens, herzlich willkommen zum kleinen Webdesign-Talk auf einfach-persoenlich. Ich freue mich ganz besonders, dass Du als Initiator der Webkrauts auch etwas Zeit gefunden hast.
Bevor wir thematisch einsteigen, wolltest Du aber noch einige Grundgedanken & Vorbemerkungen voraus schicken. Was genau geht Dir da speziell durch den Kopf? Welche persönlichen Trends, Erwartungen und Wünsche hast Du im Bereich Webdesign?
Jens Grochtdreis: Ich hoffe, dass der Trend weiter zum standardkonformen Webdesign geht. Ich wünsche mir vor allem, dass immer mehr Grafiker begreifen, dass eine Internetseite mehr als die Oberfläche ist und allen Elementen auf der Seite die Luft zum Atmen geben. Ich wünsche mir auch, dass deutsche Grafiker und Entwickler kreativer und innovativer werden. Derzeit laufen wir nur den Amerikanern, Engländern und Australiern hinterher. Ach ja, ich hoffe übrigens, dass man endlich etwas Wirksames gegen Spam und Kommentar-Spam finden wird. Es darf den Übeltätern gerne auch wehtun.
Wenden wir uns nun einmal einigen konkreten Themengebieten zu. Beginnen wir mit den Farben. Momentan werden hellere Farben wie auch Pastell-Töne öfter genannt. Welche Erwartung hast Du bezüglich der Webdesign-Farben 2006?
Jens Grochtdreis: Das ist ja mal genau überhaupt nicht mein Spezialgebiet. Dazu habe ich keine fundierte Meinung. Die Erfahrung sagt mir aber, dass Trends im Internet keine definierte Lebensdauer haben. Es spricht meines Erachtens einiges dafür, dass in den USA und England der grafische Trend wieder weg von den Pastelltönen, hin zu kräftigen Farben gehen wird und wir diesen Schwenk etwa ein Jahr später nachvollziehen werden.
Aber ehrlich gesagt interessiert mich das gar nicht so sehr. Es gibt mit jeder Farbart hässliche und schöne Seiten.
Ajax & Tags haben 2005 enorm an Zuspruch gewonnen und liegen stark in der Nachfrage. Wie schätzt Du die Entwicklung ein? Wo siehst Du die weitere Entwicklung aus Deiner Sicht?
Ajax läutet meines Erachtens einen wichtigen Entwicklungsschritt ein.
Jens Grochtdreis: Ajax läutet meines Erachtens einen wichtigen Entwicklungsschritt ein. Internetseiten werden Desktop-Applikationen ähnlicher werden können. Das bedeutet nicht nur neue Nutzererfahrungen, sondern auch verbesserte Akzeptanz.
Und es bedeutet eine starke Attacke auf Flash. Gerade die Ajax-Frameworks werden in Zukunft sicherlich häufiger genutzt werden und dadurch zwei Effekte haben:
- Erstens wird es relativ einfach werden, Ajax-Effekte oder richtige Applikationen zu erstellen. Die Lernkurve wird gesenkt.
- Zweitens werden aber auch die Applikationen gleichförmiger.
Das hört sich auf den ersten Blick negativ an, ist es aber nicht. Erst wenn der User ein bestimmtes Nutzungsverhalten immer wieder erfährt, lernt er damit umzugehen. Jedes Mal die Bedienung einer Webseite neu zu erlernen ist unpraktisch.
Tags - Ich nutze in meinem Blog und in meinem Arbeitsleben keine Tags. Nur beim Bookmarken via Spurl tagge ich, aber ich würde dies auch tun, wenn die Tags ganz einfach nur "Suchbegriffe" oder "Stichworte" heißen. Im seltensten Falle versteckt sich hinter "Tagging" etwas Spannendes. Der Begriff ist für manche hübscher als "Suchbegriff", das ist aber auch schon alles.
Web Design & Web-Layouts, ob Fluid Layout oder deren Größe sind immer wieder ein Thema für Spekulationen. Was denkst Du darüber?
Jens Grochtdreis: Ob fluides oder fixes Layout, ob noch an 800×600 denken oder nicht, das sind alles Überlegungen, die ich ständig wieder von neuem mache. Ich habe keine feste Ansicht dazu. Ich würde gerne mal eine Webseite machen, die sich komplett skalieren lässt. Ich weiß aber auch um die Nachteile und Fußangeln.
Layoutansätze sind ein schönes Feld für Experimente. Ich erwarte mit dem Erscheinen des IE7 da einige nette Studien und Versuche. Vielleicht beteilige ich mich ja daran.
Viel Abwechslung gibt es bei den Web-Schriften nicht. Dennoch zeichnen sich immer wieder einige Trends ab. Welche fallen Dir besonders auf?
Jens Grochtdreis: Ich bin mit Verdana glücklich. Mehr brauche ich nicht und will ich auch nicht.
Webstandards sind Dir ein besonderes Anliegen. Was meinst Du, welche Fortschritte werden wir 2006 bei den Webstandards erleben können?
Jens Grochtdreis: Wir werden sehr große Fortschritte erleben. Die Propaganda für Webstandards wird bestimmt noch stärker werden, ich werde mit den Webkrauts einen Beitrag dazu leisten. Aber vor allem wird der neue IE7 erscheinen.
Ich hoffe, dass der Trend weiter zum standardkonformen Webdesign geht.
Nach allem, was wir bisher wissen, wird dieser Browser richtig gut werden und die wichtigsten Bugs werden beseitigt sein. Wir können dann endlich die letzten Schranken überwinden.
Da dieser Browser aber erst eine große Verbreitung finden muss, wird die Diskussion über gute und weniger gute Browser eine größere Öffentlichkeit finden. Das hört sich sehr optimistisch an, aber ich glaube wirklich, dass auch die letzten Redakteure der Computerzeitschriften die Argumente pro Firefox, Opera und IE7 und kontra der alten IE-Garde transportieren werden.
Aber das wird sicherlich erst Ende des Jahres richtig anziehen.
Was wäre das Internet ohne Browser? Im letzten Jahr hat der Firefox-Browser die Landschaft maßgeblich mit geprägt. Für das neue Jahr steht die Version 7 des Internet Explorers ins Haus. Welche Erwartungen hast Du bezüglich der Browser-Entwicklung?
Wir werden sehr große Fortschritte erleben. … Wir können dann endlich die letzten Schranken überwinden.
Jens Grochtdreis: Alle bisherigen Veröffentlichungen von Microsoft deuten darauf hin, dass dieser Browser richtig klasse werden wird. Angesichts des sowieso schon großen Marktanteils des IE werden die alternativen Browser unter Windows stark unter Druck kommen. Gerade wittern sie Morgenluft, doch dieses Jahr müssen Killerfeatures in Firefox und Opera eingebaut werden, damit diese Browser auch in Zukunft überleben.
Als Webentwickler wird man es wahrscheinlich schwer haben, jedem Kunden und Freund den neuen IE madig zu machen. Google unterstützt intensiv die Weiterentwicklung von Firefox und hat schon Andeutungen fallen lassen, dass sie auch auf dem Feld der Applikationen Microsoft die Stirn bieten wollen.
Das führt mich zu der Annahme, dass Google - und vielleicht auch ein paar wenige weitere Firmen - versuchen werden, den Browser als integrierte Schaltzentrale auszubauen. Man halte sich nur die hunderte Mozilla-Erweiterungen vor Augen, kombiniert diese mit AJAX und Widgets (für Windows-User: Konfabulator) und schon entstehen interessante Möglichkeiten. Nur durch die Integration browseruntypischer Features in Firefox wird dieser Browser seine Nutzerbasis verbreitern können.
Weblogs folgen aus Erfahrung einem eher klassischen Design. Welche Erwartungen verbindest Du mit der Weiterentwicklung des Weblog Design?
Jens Grochtdreis: Ich denke, Blogs werden auch weiterhin auf den schnellen Nutzen optimiert sein. Deshalb werden wie bisher die Zwei-Spalter dominieren. Allerdings gibt es mittlerweile so viele schicke Social Software Dienste wie Flickr und del.icio.us, das zwei Spalten bei einigen Blogs nicht mehr ausreichen.
Zudem ist die heutige Blog-Software so mächtig geworden, dass sich mit ihr schon kleine Portale bauen lassen. Dafür sind Drei-Spalter besser geeignet. Und da es mittlerweile ein paar wenige pfiffige Layout-Frameworks wie YAML gibt, ist auch die Erstellung eines solchen Drei-Spalters kein Hexenwerk mehr. Wir werden davon sicherlich in diesem Jahr mehr sehen.
Vielen herzlichen Dank Jens. Es war interessant, mit Dir über Webdesign, Trends und Deine persönliche Erwartungen für 2006 zu sprechen. Ich wünsche Dir persönlich und beruflich Erfolg, insbesondere auch mit dem Projekt Webkrauts.
Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Webdesign 2006 - Trend, Erwartungen und Wünsche [Serie]
Weiterlesen:
Webdesign 2006 - Trend, Erwartungen und Wünsche (9) von Oliver Wagner
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» | einfach persoenlich Weblog am 15.01.06 12:16
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