Webdesign 2006 - persönliche Trend, Erwartungen und Wünsche (9) von Oliver Wagner

16.01.2006 | Blogging Tipps, Webdesign | 0 Kommentare | Print

Welche Trends und Erwartungen haben wir an das Webdesign im Jahr 2006? Während international darüber diskutiert wird, sind deutsche Webdesigner zurückhaltend. Da ich das Thema dennoch für sehr interessant halte, bin ich diesem Thema im Rahmen einer Artikel-Serie Webdesign 2006 nachgegangen.

In vielleicht zwei Jahren kann man dann vielleicht wirklich eine etwas homogenere Browserwelt erwarten.

Hallo Oliver, herzlich willkommen zum kleinen Webdesign-Talk auf einfach-persoenlich. Ich freue mich, dass Du auch etwas Zeit gefunden hast.

Bevor wir thematisch einsteigen, wolltest Du aber noch einige Grundgedanken & Vorbemerkungen voraus schicken. Was genau geht Dir da speziell durch den Kopf? Welche persönlichen Trends, Erwartungen und Wünsche hast Du im Bereich Webdesign?

Oliver Wagner: Grundsätzlich denke ich, dass "Webdesign" mittlerweile soviel Fragmente hat, das man es fast nicht mehr als einzelne Disziplin sehen kann. Die Spannweite von visuell sehr starken, flashbasierten Seiten über standardkonforme Informationsportale, Unternehmenspräsentationen, Communities oder auch Blogs ist so groß, dass es in jedem Mikrokosmos schon wieder ganz eigene Gesetze und Strömungen gibt.

Wenden wir uns nun einmal einigen konkreten Themengebieten zu. Beginnen wir mit den Farben. Momentan werden hellere Farben wie auch Pastell-Töne öfter genannt. Welche Erwartung hast Du bezüglich der Webdesign-Farben 2006?

Oliver Wagner: Ich finde Farbschemata sollten sich nicht an Trends orientieren. Natürlich gibt es diese Trends, meist sind diese jedoch geprägt durch grafische Arbeiten, durch Illustrationen oder einige stark frequentierte Seiten. Idealerweise sollte die Frage nach den richtigen Farben in engen Kontext zur Betrachtung der Zielgruppe, des Corporate Designs des Auftraggebers und den Zielen der Seite stehen.

Da Webseiten durchaus eine längere Halbwertzeit haben können und nicht zwingend saisonal angepasst werden sollten, kann man von dem folgen solcher Trends eigentlich nur warnen. Insbesondere, wenn man sie etwas später erkennt.

Ajax & Tags haben 2005 enorm an Zuspruch gewonnen und liegen stark in der Nachfrage. Wie schätzt Du die Entwicklung ein? Wo siehst Du die weitere Entwicklung aus Deiner Sicht?

Oliver Wagner: Tagging ist mittlerweile im Mainstream angekommen. Nicht nur Web 2.0 Applikationen aus dem Umfeld des Silicon Valley nutzen diesen Ansatz, zunehmend gibt es auch europäische Lösungen, die davon gebrauch machen. So basiert das neue Lycos iQ, an dessen Entwicklung ich mitwirken durfte, vollständig auf Tags als Navigations- und Ordnungssystem.

Ajax wird sich zunehmend in das Applikationsdesign integrieren.

Nicht zuletzt aus diesem Grunde habe ich mich sehr intensiv mit diesem Thema befasst, in dem Zusammenhang ist auch mein Tagging Monat entstanden (der letztlich über weit mehr als vier Wochen ging). Gestalterisch stellt uns Tagging vor ganz neue Aufgaben, Tagclouds sind dabei nicht immer der richtige Ansatz. Aus diesen Aspekten halte ich das Thema für sehr spannend und wichtig in 2006.

Ajax wird sich zunehmend in das Applikationsdesign integrieren und in bestimmten Interaktionsfällen zum defakto Standard - einfach weil es für den User so viel komfortabler ist.

Web Design & Web-Layouts, ob Fluid Layout oder deren Größe sind immer wieder ein Thema für Spekulationen. Was denkst Du darüber?

Oliver Wagner: Manuela hat das in Teil drei Deiner Reihe sehr schön zusammengefasst. Größer werdende Screens bedeuten nicht zwingend die Notwendigkeit höherer Auflösungen. Selbst wenn 30 Zoll TFTs eine hohe Verbreitung hätten, würde es keinen Sinn machen, dafür zu optimieren.

Webseiten wollen gedruckt werden, auf Devices mit kleineren Bildschirmen betrachtet werden etc. Die Frage ob 800×600, 1024×768 oder Floating sollte bei jedem Projekt neu diskutiert und geklärt werden. Wichtig jedoch für jeden Kreativen, alle Facetten im Werkzeugkasten zu haben und anwenden zu können.

Viel Abwechslung gibt es bei den Web-Schriften nicht. Dennoch zeichnen sich immer wieder einige Trends ab. Welche fallen Dir besonders auf?

Spätestens wenn ein Trend besonders auffällt ist er eigentlich schon vorbei.

Oliver Wagner: Spätestens wenn ein Trend besonders auffällt ist er eigentlich schon vorbei. Immer reduzierteres Design fokussiert zunehmend auf die verwendeten Fonts. Da das Portfolio an verwendbaren Schriften für das Web aber eher gering ist, werden sich clever Ideen wie SifR weiter durchsetzen und uns Kreativen entsprechende Ausweichmöglichkeiten bieten.

Was wäre das Internet ohne Browser? Im letzten Jahr hat der Firefox-Browser die Landschaft maßgeblich mit geprägt. Für das neue Jahr steht die Version 7 des Internet Explorers ins Haus. Welche Erwartungen hast Du bezüglich der Browser-Entwicklung?

Oliver Wagner: Wenn wir davon ausgehen, dass der IE 7 eine bessere CSS Unterstützung mitbringt, kann das Leben eigentlich nur leichter werden. In vielleicht zwei Jahren kann man dann vielleicht wirklich eine etwas homogenere Browserwelt erwarten. Das würde uns allen sicher helfen. Vielleicht dauert es auch noch etwas länger, die Zeit der properitären Systeme ist aber glücklicherweise beendet.

Weblogs folgen aus Erfahrung einem eher klassischen Design. Welche Erwartungen verbindest Du mit der Weiterentwicklung des Weblog Design?

Oliver Wagner: Dazu hatte ich vor über einem Jahr schon mal etwas geschrieben. Hat mich sehr gefreut, dass Jeena diesen Artikel in seinem Interview angesprochen hat. Mittlerweile hat sich schon viel verändert. Der starke Wille zur Individualität ist da, die Blogging Tools bieten bessere Import-Möglichkeiten für neue Design-Templates. Es wird bald bestimmt viele Anbieter á la Monstertemplates.com für Blogs geben. Design auswählen, 20$ bezahlen, in die eigene Software importieren - fertig.

Für die Blogger die selber Hand an ihren Design und ihren Code legen können wird es ganz unterschiedliche Abzweigungen geben, denen man folgen kann. Das zeichnet sich jetzt schon deutlich ab. Auf der einen Seite die mehrspaltigen Blogs mit vielen, vielen Informationen, mit Adds, mit Buchtipps (oha:-), auf der anderen Seite die minimalistischen Blogs, die selbst auf die Kernelemente des "klassischen Blogdesigns" verzichten. Und unendlich viel dazwischen. Alles ist gut, solange es zum Stil und zu der Kommunikationsstrategie oder -methodik des Bloggers passt.

Vielen herzlichen Dank Oliver. Es war interessant, mit Dir über Webdesign, Trends und Deine persönliche Erwartungen für 2006 zu sprechen. Ich wünsche Dir persönlich und beruflich Erfolg, insbesondere auch mit dem Projekt Lycos iQ.

Oliver Wagner: Viele Grüße!

Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Webdesign 2006 - Trend, Erwartungen und Wünsche [Serie]

Weiterlesen:
Webdesign 2006 - Trend, Erwartungen und Wünsche (10) von David Maciejewski

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