Webdesign 2006 - persönliche Trends, Erwartungen und Wünsche (10) von David Maciejewski
17.01.2006 | Blogging Tipps, Webdesign | 0 Kommentare | Print
Welche Trends und Erwartungen haben wir an das Webdesign im Jahr 2006? Während international darüber diskutiert wird, sind deutsche Webdesigner zurückhaltend. Da ich das Thema dennoch für sehr interessant halte, bin ich diesem Thema im Rahmen einer Artikel-Serie Webdesign 2006 nachgegangen.
Wichtig ist, dass wir alle Entscheider und Entwickler sensibilisieren.
Hallo David, herzlich willkommen zum kleinen Webdesign-Talk auf einfach-persoenlich. Ich freue mich, dass Du etwas Zeit für ein Gespräch gefunden hast.
Bevor wir thematisch einsteigen, wolltest Du aber noch einige Grundgedanken & Vorbemerkungen voraus schicken. Was genau geht Dir da speziell durch den Kopf? Welche persönlichen Trends, Erwartungen und Wünsche hast Du im Bereich Webdesign?
David Maciejewski: All zu gern rufen viele Leute Trends aus, die gar keine sind. Hier fällt mir besonders "Web 2.0" ein. Ich finde es löblich, dass inzwischen immer mehr Menschen sich auf das ursprüngliche Markup besinnen und valide Webseiten herstellen. Doch deswegen von Web 2.0 zu sprechen - auch wenn mehr die Interaktivität gemeint ist - halte ich für sehr bedenklich.
Ich finde es löblich, dass inzwischen immer mehr Menschen sich auf das ursprüngliche Markup besinnen und valide Webseiten herstellen.
Gerade durch die Blogs nimmt der Anteil von validen Webseiten zu, auch wenn nur wenige Webentwickler wirklich barrierefreie Webseiten entwickeln. Der Anteil wird aber auch hier zunehmen.
Wichtig ist, dass wir alle Entscheider und Entwickler sensibilisieren. Hier haben wir noch eine Menge Arbeit vor uns. Genau aus diesem Grund habe ich vor kurzem auch mein Podcast Technikwürze ins Leben gerufen und die Beispielseiten des Essays Barrierefreiheit überarbeitet. Dort sieht man im direkten Vergleich eine herkömmliche Webseite aus Photoshop / Dreamweaver und eine barrierefreie Version.
Wenden wir uns nun einmal einigen konkreten Themengebieten zu. Beginnen wir mit den Farben. Momentan werden hellere Farben wie auch Pastell-Töne öfter genannt. Welche Erwartung hast Du bezüglich der Webdesign-Farben 2006?
David Maciejewski: Ich mag das Gerede über Trendfarben im Web überhaupt nicht. Es gibt schlicht keine Trends. Unternehmens-Webseiten werden weiterhin auch die Corporate Design Farben des Unternehmens selbst tragen, die Webseiten privater Menschen werden die Lieblingsfarben des Betreibers tragen. Ich sehe praktisch keine Anwendung für diese ausgerufenen "Trendfarben". Ich designe Webseiten nicht nach Trends, sondern nach der Sache, die es darzustellen gilt.
Ajax & Tags haben 2005 enorm an Zuspruch gewonnen und liegen stark in der Nachfrage. Wie schätzt Du die Entwicklung ein? Wo siehst Du die weitere Entwicklung aus Deiner Sicht?
Ich sehe durchaus Potenzial bei der Usability, fürchte aber wiederum verspielte Lösungen
David Maciejewski: Ich sehe durchaus Potenzial bei der Usability, fürchte aber wiederum verspielte Lösungen, die einfach keinen praktischen Sinn haben. Hier fürchte ich Überflutungen der Sinne, bis sich die Entwickler wieder zu den Wurzeln zurückkehren.
Galt es bisher, Javascript aus Webseiten komplett zu verbannen, kehrt dies nun wieder zurück. Sinn macht AJAX nur, wenn man die Webseite auch mit ausgeschaltetem Javascript vollständig nutzen kann. Hier werden sich viele verzetteln. Ich warte schon gespannt auf den "Trend", AJAX den Rücken zu kehren.
Tags bzw. Tagging spielen immer wieder eine unterschiedliche Rolle. Welche Bedeutung misst Du ihnen bei? Wo siehst Du die weitere Entwicklung?
David Maciejewski: Ich habe endlich auch damit angefangen, meine Bookmarks über soziale Netzwerke zu verwalten und auch mit Tags zu versehen. Tags machen aber nur dann Sinn, wenn man nicht über diese navigieren muss.Auch hier sollte es immer heißen: Weniger ist mehr.
Web Design & Web-Layouts, ob Fluid Layout oder deren Größe sind immer wieder ein Thema für Spekulationen. Was denkst Du darüber?
David Maciejewski: Ich mochte Fluid-Layouts noch nie und werde sie auch nie mögen. Ich möchte, dass meine Webseiten auf einer 1024er-Standardauflösung genauso aussiehen, wie auf einer 1600er-Auflösung. Zudem sind kurze Artikel bei einer großen Auflösung durch die massige Laufweite extrem schlecht lesbar. Mit Fluid-Layouts mögen sich nur Designer schmücken, einen praktischen Nutzen sehe ich in den meisten Fällen nicht.
Viel Abwechslung gibt es bei den Web-Schriften nicht. Dennoch zeichnen sich immer wieder einige Trends ab. Welche fallen Dir besonders auf?
David Maciejewski: Ich als Designer habe mich an Arial, Verdana und Times einfach satt gesehen. Wir alle schreien doch nach anständiger Typographie. Doch dies bleibt wohl ein Wunschtraum. Die alternativen Image-Replacement-Techniken, ob mit CSS oder Flash, sind für mich einfach zu viel des Guten, sofern sie übergreifend verwendet werden. Wichtig bleibt stets die Barrierefreiheit.
Webstandards sind Dir ein besonderes Anliegen. Was meinst Du, welche Fortschritte werden wir 2006 bei den Webstandards erleben können?
David Maciejewski: Es wird keine Fortschritte geben. Entweder ein Standard wird eingehalten, oder nicht. Auch bei der Umsetzung von barrierefreien Webseiten gilt das gleiche: Entweder eine Seite ist barrierefrei, oder sie ist es nicht. Hier sehe ich bei sehr vielen Entwicklern noch Nachholbedarf.
Was wäre das Internet ohne Browser? Im letzten Jahr hat der Firefox-Browser die Landschaft maßgeblich mit geprägt. Für das neue Jahr steht die Version 7 des Internet Explorers ins Haus. Welche Erwartungen hast Du bezüglich der Browser-Entwicklung?
Ich freue mich auf den Internet Explorer... weil ich dann endlich nicht mehr Stunden in die Browser - Optimierung von Webseiten verschwenden muss.
David Maciejewski: Erst mit CSS 3.0 werden wir endlich Webseiten entwickeln können, die der Gestaltung von Print-Produkten entsprechen. Ich bin ja schon froh, dass Microsoft endlich die Standards nutzen möchte, bedauere aber, dass sie eher CSS 2, als CSS 3 im Fokus haben.
Ich freue mich auf den Internet Explorer. Nicht, weil ich nutzen werde, sondern weil ich dann endlich nicht mehr Stunden in die Browseroptimierung von Webseiten verschwenden muss. Sobald der IE7 auf dem Markt ist, wird sich dieser durch die automatischen Updates von Windows schnell verbreiten. Wer diese abgeschaltet hat, darf sich über Viren, Trojaner und andere Fehler auf den Windowskisten nicht wundern. Diesen Leute ist eh nicht mehr zu helfen.
Weblogs folgen aus Erfahrung einem eher klassischen Design. Welche Erwartungen verbindest Du mit der Weiterentwicklung des Weblog Design?
David Maciejewski: Auch im Jahre 2006 werden wir viele Blogs sehen, die alle gleich aussehen, weil sie die gleichen Templates nutzen. Insgesamt ist mir das aber lieber, als gescheiterte Versuche in HTML.
Profilieren werden sich diejenigen, die es schaffen, ein Weblog nicht wie ein Weblog aussehen zu lassen.
Vielen herzlichen Dank David. Es war interessant, mit Dir über Webdesign, Trends und Deine persönliche Erwartungen für 2006 zu sprechen. Ich wünsche Dir persönlich und beruflich Erfolg und Deiner Technikwürze viele interessiert Zuhörer.
David Maciejewski: Vielen Lieben Dank für deine Artikel-Serie. Freundliche Grüße aus Hannover.
Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Webdesign 2006 - Trend, Erwartungen und Wünsche [Serie]
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