Miteinander statt Gegeneinander - Spiel, Satz & Sieg?
24.01.2006 | Persönlich | 5 Kommentare | Print
Wenn ich mir nach dem Sonntag einige Weblogs ansehe, dann scheint ein völlig neuer Virus kurz vor dem Durchbruch zu stehen: Der Dankeschön - Virus. Aber lest selbst, warum ich an dessen Verbreitung nicht ganz unschuldig bin.
In den letzten Monaten hatte sich in vielen Gesprächen, gerade auch unter Bloggern, immer wieder eine Erkenntnis heraus gebildet:
- Konstruktives Feedback und Lob gibt es viel zu wenig.
Wir alle können uns täglich entscheiden, ob unser Weblog halb leer oder bereits halb voll ist. Während mancher seinen Frust freien Lauf lässt, habe ich dagegen beschlossen, in diesem Jahr mich mehr der angenehmen, inspirierenden Themen uns Sichtweise anzunehmen.
Gar zu viel wir in unseren Landen gemeckert. Landesbedenkensträger gibt es schon zu Hauf. Mein Dankeschön der Woche sollte ein erstes Zeichen sein, dass es auch anders geht. Doch was als kleines Licht begonnen hat, zeigt bereits nach einige wenigen Tagen, dass es auf sehr, sehr fruchtbaren Boden gefallen ist.
Ein wenig Ermunterung nur, hat etwas bewirkt, auch die netten Dinge des Lebens einfach persönlich auszusprechen. Und dabei geht es wirklich (und ausdrücklich) NICHT um Lobhudelei.
- Meinen Dankeschön nahm der Empfänger desselben sofort zum Anlass, seinen Lesern in Immer wieder: neue Kontakte ebenso ein offenes und ehrliches Geständnis zu machen.
- Robort Basic hatte kurz vorher eine eigene Kategorie in seinem Blog aufgemacht und empfiehlt gleich sieben Blogs a la cart pro Woche seinen Lesern weiter. Zudem greift er in Danke den Gedanken aus seiner Sicht noch einmal auf und schreibt es auf seine Weise.
- Was ich übers Bloggen gelernt habe schrieb sich schließlich Knut prompt darauf vom Herzen.
Schlechte Neuigkeiten sprechen sich 10 Mal schneller herum als gute Nachrichten. Das liegt leider in der Natur der Sache. Wesentlich mehr Menschen sind seit ewig darauf konditioniert, Gefahr zu meiden. Weit weniger Mensche sehnen sich nach etwas Gutem. Meist ist der Druck von Außen eine Triebkraft der Entwicklung statt der unbändigen Ungeduld nach etwas Neuem.
Was macht konstruktives Feedback aber so besonders?
Das Einmalige an einer Freundschaft ist weder die Hand, die sich einem entgegenstreckt, noch das freundliche Lächeln oder die angenehme Gesellschaft. Das Einmalige an ihr ist die geistige Inspiration, die man erhält, wenn man merkt, dass jemand an einen glaubt.
Ralph Waldo Emerson
Kreative Inspiration vergleiche ich gern mit gutem Tennis. Den Aufschlag bekommen die meisten Leute noch recht gut hin. Doch weitaus schwerer scheint es, abgestimmt und im Gleichklang mit anderen Menschen ohne Ballverlust zu spielen.
Wie sind darauf getrimmt, immer gegeneinander statt miteinander zu spielen. Ändern wir einmal unsere Denkweise stellen wir plötzlich fest, dass völlig mühelos noch viel mehr Dinge möglich werden. Fast ohne Energie und wie im Fluss kommen Ideen und Projekte zusammen, für die ein angestrengt grübelnder Mensch sonst Wochen und Monate brauch.
Ob es in jedem Falle Freundschaft ist, mag ich schwer beurteilen wollen. Wohlwollende Kontakte und gute Kommunikation ist es alle Mal. Und das sind unter anderem neben E-Mail, Anrufen und Kontakten Ballwechsel, die das Betreiben eines Weblogs noch interessanter und spannender machen. Da steckt noch so viel Potenzial drin. Wir müssen es nur entdecken.
Doch halt. Eines will ich nicht vergessen.
Erst kommt das Geben, dann das Nehmen. Auch in dieser Hinsicht heißt es heute Umdenken. Wenn wir das einmal begriffen haben, dann sollten wir gutes Schuhwerk tragen und eine gute Kondition haben. Das Spiel kann spannend werden.
Mein Fazit
Zurück zur eingangs gestellt Frage:
Ich hoffe sehr, dass der Dankeschön-Virus ansteckend ist. Dann wäre ich ausnahmsweise einmal stolz, einen Virus in die Welt gesetzt zu haben.
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Kommentare und verweisende Trackbacks
zum Beitrag: Miteinander statt Gegeneinander - Spiel, Satz & Sieg?
Kommentare
1 | Boris schreibt am 24.01.2006, 20:34:
Ich habe manches Mal den Eindruck gehabt, zu sehr über miese Dinge des Alltags, über negative Entwicklungen, unangenehme Zeitgenossen zu schreiben. Über Dinge, die mir schlechte Laune bereiten.
Immer wieder einmal saß ich dann vor dem Blogeditor und dachte, dass das ja nicht alles sein kann. Wer will schon in einem Blog lesen, dessen Autor sich im Grunde nur aufregt, nur meckert.
Und meist war es gar nicht so leicht, angenehmen Schreibstoff zu finden. Positive Erlebnisse, das gute Buch, dass ich gerade las, die feine Platte, die ich hörte, den guten Film, den ich sah. Die interessante Begebenheit im Alltag, bei Arbeit, Sport (ähh.. eher nicht) und Spiel.
Dabei fällt sicher nicht nur mir auf, dass wir diese angenehmen, positiven Dinge gerne geschehen lassen, ohne ihnen größere, bleibende Aufmerksamkeit zu schenken - das Negative bleibt offenbar länger hängen, betrifft länger.
Vielleicht schaffe ich es ja, in diesem neuen Jahr verstärkt den positiven Ereignissen Text abzugewinnen, vielleicht mehr über (nicht nur alte) LPs/CDs, Filme und Bücher zu bloggen, wieder mehr Fotos zu machen und diese zu posten.
Und vielleicht noch mehr zu kommentieren in den Blogs, die ich täglich gerne lese...
(Aber über die Spammerplage werde ich mich garantiert weiterhin blog-öffentlich aufregen...)
2 | Knut Karnapp schreibt am 24.01.2006, 22:08:
Jörg, ich unterschreibe jeden Satz von dem, was du sagst bis auf das Wort Virus. Da muss es ein besseres für geben, da der Effekt durchweg positiv ist. Ich glaub mit der Synergie sind wir ganz gut im Rennen.
cheers Knut
3 | Jörg schreibt am 24.01.2006, 22:12:
@Knut: Nun, streng genommen wird auch dieser Begriff immer viel zu streng gesehen, warum? Doch nur aus unserer negativen Erfahrung, die uns prägt.
Was aber, wenn solche Begriffe positiv belegt werden?
Was hälst Du denn vom viralen Marketing?
4 | Knut Karnapp schreibt am 24.01.2006, 23:10:
Ich denke Virus ist bei den meisten einfach persönlich ;) nunmal von Kindheit an assoziiert mit einer negativen Erfahrung - das wird man schlecht rausbekommen, aber als Antithese vielleicht noch zu akzeptieren von den Germanisten unter deinen Lesern :)
Virales Marketing, hui schwere Geschütze. Wir wärs schlicht mit Trend und dabei natürlich in der positivst möglichen Auslegung. Aber gut ich glaub wir kriegen das Haar nicht mehr gespalten.
Ich wünsch ne gute Nacht.
5 | Jörg schreibt am 25.01.2006, 09:01:
@Boris: Eine sehr schöner, und wie ich finde, nachdenkenswerter Kommentar von Dir. Herzlichen Dank!
Zu schnelle Antworten von mir in Kommentaren wirken oft wie ein Schlußwort der Meinungen. Deswegen habe ich erst heute auf Deinen Beitrag geantwortet.
Er zeigt sehr gut, wie wir alle durch unser Tun auch sehr wohl Impulse an anderen Menschen weiter geben können. Und wir erhalten neue Sichtweisen wenn wir uns bemühen, die Welt einemal für einige Momente aus anderem Blickwinkel zu sehen.
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