Webdesign 2006 - persönliche Trends, Erwartungen und Wünsche (17) von Ralph Segert
24.01.2006 | Blogging Tipps, Webdesign | 0 Kommentare | Print
Welche Trends und Erwartungen haben wir an das Webdesign im Jahr 2006? Während international darüber diskutiert wird, sind deutsche Webdesigner zurückhaltend. Da ich das Thema dennoch für sehr interessant halte, bin ich diesem Thema im Rahmen einer Artikel-Serie Webdesign 2006 nachgegangen.
Der wichtigste Wunsch ist dabei, dass sich im Markt die Spreu vom Weizen trennt.
Hallo Ralph, herzlich willkommen zum kleinen Webdesign-Talk auf einfach-persoenlich. Ich freue mich, dass Du Dir auch etwas Zeit für ein Gespräch genommen hast. Lass uns ein wenig über Deine persönlichen Erwartungen sprechen.
Bevor wir thematisch einsteigen, wolltest Du aber noch einige Grundgedanken & Vorbemerkungen voraus schicken. Was genau geht Dir da speziell durch den Kopf? Welche persönlichen Trends, Erwartungen und Wünsche hast Du im Bereich Webdesign?
Ralph Segert: Mir ist wichtig, dass ich als Dienstleister offen bleibe für sinnvolle Technik, die dem Kunden etwas bringt. Ansonsten lerne ich durch Lesen von Weblogs und durch hartnäckiges Ausprobieren und das fließt insgesamt in meine Praxis ein.
Mir ist wichtig, dass ich als Dienstleister offen bleibe für sinnvolle Technik, die dem Kunden etwas bringt.
Der wichtigste Wunsch ist dabei, dass sich im Markt die Spreu vom Weizen trennt. Durch recht viele Erfahrungen mit Kunden, deren Website wir neu erstellt haben, weiß ich, was alles dreister weise als Webdesign verkauft wird, für ein Geld, dass dir die Nackenhaare zu Berge stehen lässt. Dass sich hier auch das Qualitätsbewusstsein des Kunden weiter erhöht, das wünsche ich mir.
Wenden wir uns nun einmal einigen konkreten Themengebieten zu. Beginnen wir mit den Farben. Momentan werden hellere Farben wie auch Pastell-Töne öfter genannt. Welche Erwartung hast Du bezüglich der Webdesign-Farben 2006?
Ralph Segert: Keine. Wie sollte ich auch, da ich bei jedem neuen Kunden die Vorlieben in Erfahrung bringen will, um ihn zufrieden stellen zu können. Da sind Trends und Erwartungen nur störend.
Ajax & Tags haben 2005 enorm an Zuspruch gewonnen und liegen stark in der Nachfrage. Wie schätzt Du die Entwicklung ein? Wo siehst Du die weitere Entwicklung aus Deiner Sicht?
Ralph Segert: Also, ich habe von dieser Nachfrage noch nichts bemerkt, vielleicht stimmt etwas mit der Nachfrage nicht? ;-) Sicher, Ajax macht hier und dort Sinn, aber ich wäre ehrlich gesagt schon froh, wenn Kunden mich nach Einhaltung der Webstandards fragen würden. ;-)
Tags bzw. Tagging spielen immer wieder eine unterschiedliche Rolle. Welche Bedeutung misst Du ihnen bei? Wo siehst Du die weitere Entwicklung?
Die Erfindung von HTML und CSS wird als Höhepunkt der Webtechniken so schnell nicht zu toppen sein.
Ralph Segert: Hm, ganz ehrlich, war bisher kein Thema für mich. Ich hinke Trends und den vermeintlichen Musts meistens hinterher. Die Erfindung von HTML und CSS wird als Höhepunkt der Webtechniken so schnell nicht zu toppen sein.
Web Design & Web-Layouts, ob Fluid Layout oder deren Größe sind immer wieder ein Thema für Spekulationen. Was denkst Du darüber?
Ralph Segert: Ich spekuliere nicht mit. ;-) Zudem stört mich in der Diskussion um Webstandards und Barrierefreiheit eine verbissene Technikfixiertheit, die sich an Kleinigkeiten aufreibt in einer Weise, als gebe es in der Tat nichts Wichtigeres als richtig geordnete Codezeilen und Ergebnisse von Validatoren. Wer es fluide haben möchte, bitte! Wer lieber auf feste Zeilenbreite des Fliesstextes steht, um die Lesbarkeit nicht dem Zufall zu überlassen (ich übertreibe ;-), auch das machen wir!
Mich stört in der Diskussion um Webstandards und Barrierefreiheit eine verbissene Technikfixiertheit.
Ein anderes Stichwort in dem Zusammenhang ist die Tabelle als Fluch des standardtreuen Webdesigners, traurig das. Dabei sind Tabellen in komplexen Websites unverzichtbar und sie lassen sich wunderbar mit CSS in Form bringen, um gleichzeitig bis zu 70 Prozent an Code einzusparen. Diese Erfahrung habe ich erst letztens gemacht, als es darum ging, Tabellen-Ungetüme für ein sehr umfangreiches Community-Projekt in ein CSS-Design umzusetzen. Wenn ich mir da vorher erst noch ein schlechtes Gewissen gemacht hätte...
Insgesamt kommen Themen rund um Gestaltung wie Illustration, Kundenerwartungen, Ideenfindung nach meinem Eindruck zu kurz. Schaut man sich dann die gestalterischen Fähigkeiten einiger selbsternannter Priester an, weiß man auch warum. Wie ich aber einem Kunden die Website erstelle, mit der er sich identifizieren kann, hängt von vielen Faktoren ab.
Kundenbesuchen und -gesprächen, Berücksichtigung seines Geschmacks, der sinnvolle Einsatz von Fotografie, Icons und sonstigen Illustrationen, die Frage, ob ein Weblog sinnvoll wäre und die weitere Frage, wie man es am besten integriert, Flash-Austreibung für die Startseite und so weiter.
Das alles gehört auch zur Dienstleistung Webdesign. Den Kunden interessiert es in den meisten Fällen wenig bis gar nicht, wie seine Website erstellt wurde und wie hoch der Grad der Zugänglichkeit ist. Ich muss darüber auch nicht lange reden, ich tue einfach das, was selbstverständlich sein sollte: Valide, relativ gut zugängliche Websites bauen, die Google versteht und Besucher zum Bleiben bewegt.
Viel Abwechslung gibt es bei den Web-Schriften nicht. Dennoch zeichnen sich immer wieder einige Trends ab. Welche fallen Dir besonders auf?
Ralph Segert: Auch ein Thema, was mich nur am Rande interessiert. Ich arbeite in der Regel mit den bewährten und sicheren Schriften wie Verdana und Arial, manchmal auch Georgia und ähnliche. Und obwohl ich die Arial nicht mag, ist sie in manchen Zusammenhängen mit wenig Platz immer noch die beste Wahl.
Es sind immer mehr Websites zu sehen, die eine vernünftige Schriftgröße mit mind. 12px aufweisen.
Was ich zudem sehe, ist, dass man von der Kleinschrift langsam wegkommt, oder anders: Es sind immer mehr Websites zu sehen, die eine vernünftige Schriftgröße mit mind. 12px aufweisen. Wahrscheinlich geht das einher mit der Einsicht, dass die wenigsten Besucher die Befehle der Schriftvergrößerung im Browser benutzen.
Webstandards sind Dir ein besonderes Anliegen. Was meinst Du, welche Fortschritte werden wir 2006 bei den Webstandards erleben können?
Aber der vorhandene Fortschritt ist reich genug, nur leider wird er noch zu selten genutzt.
Ralph Segert: Der Fortschritt ist ja da und er ist auch ausreichend, wenn man von gewissen Finessen des CSS 3.0 absieht, das wohl einiges effizienter und leichter machen wird, in den nächsten 2 Jahren aber wohl nicht relevant werden wird, eben weil die Browseranpassung ihre Zeit braucht.
Aber der vorhandene Fortschritt ist reich genug, nur leider wird er noch zu selten genutzt. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass es allemal einfacher ist, eine Tabelle zu bauen, als sich über die Trennung von Layout und Inhalt, Floating und sinnvolles Markup Gedanken zu machen.
Was wäre das Internet ohne Browser? Im letzten Jahr hat der Firefox-Browser die Landschaft maßgeblich mit geprägt. Für das neue Jahr steht die Version 7 des Internet Explorers ins Haus. Welche Erwartungen hast Du bezüglich der Browser-Entwicklung?
Ralph Segert: Du machst mich ganz kirre mit solcherart Fragen ;-)) Ich erwarte auch hier nicht viel, außer das Firefox und Safari an Akzeptanz wohl zunehmen werden. Und was den IE angeht: Ich habe keine Angst vor bösen Überraschungen. Zudem habe ich keine großen Erwartungen auf einen geläuterten Microsoft-Browser.
Ich vermute, dass es ein paar schlechte Überraschungen geben wird. Auch sollte man bitte bei der ganzen Diskussion um den neuen IE nicht vergessen, dass er niemals ein sicherer Browser sein wird, eben weil das Betriebssystem (wenn man es so nennen will) schlicht nicht sicher ist. Vielmehr gilt es immer noch offensiv darauf hinzuarbeiten, dass die Mac-Switcher zunehmen. ;-)
Weblogs folgen aus Erfahrung einem eher klassischen Design. Welche Erwartungen verbindest Du mit der Weiterentwicklung des Weblog Design?
Ralph Segert: Das ist kein Wunder, denn Weblogs haben eine gewisse Struktur der Navigation, da macht es durchaus Sinn, auf bewährte Layouts und Spaltenmuster zurückzugreifen.
Weblogs sind ein Experimentierfeld, man kann dort … Erfahrungen … machen und Feedback erwarten.
Aber ich nehme das nicht als Einschränkung wahr, da es noch viele Möglichkeiten gibt, ein Weblog-Layout interessant, individuell und praktisch für den Besucher zu machen. Das ist das spannende an Weblogs und Webdesign. Weblogs sind ein Experimentierfeld, man kann dort ungezwungen Erfahrungen mit der Layouterstellung machen und Feedback erwarten, dass einem weiterhilft oder zum Nachdenken anregt.
Ich habe einige Weblogs durch regelmäßiges Lesen beobachtet, die im Laufe der Zeit gestalterisch immer besser wurden, indem sie den Grundsatz "Weniger ist mehr" beherzigten und sich die Mühe des Feilens gemacht haben. So paradox es klingt, die vielen überladenen Sites begünstigen einen gewissen Trend zum Minimalistischen. Somit hast Du mich doch noch zu einer Trendvermutung verleitet. ;-)
Vielen herzlichen Dank Ralph. Es war interessant, mit Dir über Webdesign, Trends und Deine persönliche Erwartungen für 2006 zu sprechen. Ich wünsche Dir persönlich und beruflich Erfolg.
Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Webdesign 2006 - Trend, Erwartungen und Wünsche [Serie]
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Webdesign 2006 - Trends, Erwartungen & Wünsche im Telegramm-Stil