Meine Gedanken, Erwartungen & Wünsche für ein Webdesign Jahr 2006

28.01.2006 | Blogging Tipps, Webdesign | 4 Kommentare | Print

Meine Gedanken und Erwartungen zum Webdesign 2006 habe ich bewusst hinten angestellt. In vielen Dingen mag ich anderen Erwartungen zustimmen. Dennoch möchte ich gern einige Akzente aus meiner Sicht betonen.

Ob wir Trends mögen oder nicht. Andere Menschen beeinflussen unsere Arbeit mehr oder minder stark. Auch wenn wir uns manchmal nur unterschwellig dieser Tatsache bewusst sind. Mit zeitlicher und inhaltlicher Distanz oder durch Feedback anderer Menschen erkennen wir dies immer öfter.

Wir lernen seit Kindes Beinen an durch Nachahmung. Wir alle benötigen als kreativ tätige Menschen Impulse, Anregungen und nehmen gute Ideen anderer Mensch bereitwillig auf.

Wir alle bestimmen Trends

Als Menschen können wir aber eigenständig arbeiten und denken. Es obliegt uns immer auch zu entscheiden, in welchem Maß wir Trends und Tendenzen folgen. Auch wenn wir dies vielleicht nicht wollen, beeinflussen wir damit Entwicklungstrends und Tendenzen.

Hierin liegt letztlich auch eine Verantwortung jedes Einzelnen.

»Ob eine Substanz als Gift oder Medizin wirkt,
bestimmt ganz allein die Dosis.«
Nossrat Peseschkian

Verantwortung wahrzunehmen heißt für mich auch, durch meine Arbeit die Maßhaltigkeit der Anwendung mancher Web-Technologie zum Wohle des Kunden nicht aus dem Auge zu verlieren. Bisweilen gehört es auch dazu, experimentell die Grenzen einiger Technologien zu erproben und diese dann bewusst einzusetzen.

Farben

Farben wechseln ähnlich rasch wie in der Mode. Abwechslung ist schön, manche Bereiche / Kunden aber werden immer die gleichen Farben bevorzugen. Die Wirkung der Farben allein bleibt konstant und sollte in jedem Fall den Charakter und das CI der Website unterstreichen und betonen. Auch dies zwingt in vielen Fällen zu einer ganz bestimmten Farbwahl. Insofern habe ich Trendvoraussagen zwar verfolgt, aber immer nur bedingt zur Kenntnis genommen.

Wichtig für mich ist ein stimmiger Farbeinsatz. Kontrastreichere Farben werden die Lesbarkeit deutlich fördern. Persönlich verbinde ich mit einer schwarzen Website andere für mich, negative Assoziationen. Auch wenn dieser Trend manchem gut gefällt, mag ich dunkle Schrift auf ruhigem, hellem Grund einfach lieber zum Lesen. Harmonieren Farben nicht oder werden Texte durch semitransparente Bilder / Grafiken unterlegt, sinkt meine persönliche Verweildauer auf diesen Seiten drastisch.

Ajax

Mit Interesse habe ich den Entwicklungstrend von Ajax verfolgt. Bisher galt für mich immer der Grundsatz, JavaScript soweit wie irgend möglich von Webseiten fern zu halten. Auch wenn es immer nette aussah, habe ich im mich meist mit Bordmitteln begnügt. Vielmehr habe ich solche Techniken immer als funktionale Ergänzung gesehen.

Statt aufpopender Kommentarfenster habe ich zum Beispiel von Beginn an in Weblogs auf solcherlei Verlinkung und Templates verzichtet. Wie ich heute noch finde, ganz zum Nutzen der Besucher und einer besseren Bedienerfreundlichkeit. Mittlerweile hat sich dieser Trend auch in den Weblog-Standard-Templates durchgesetzt.

JavaScript wird heute jedoch in vielen Browsern eingesetzt. Durch interaktive Seitenelemente werden nette Effekte möglich, vielfach wird ein erneutes Laden der Seite erspart. Bei interaktiven Umfragen beispielsweise rufen die Anwender heute bereits fast zwingend nach Ajax-Lösungen. Solch Entwicklungen kann man sich sicher nicht ganz verschließen.

Wenn man als Handwerkzeug nur einen Hammer hat, sieht bald jedes Problem aus wie ein Nagel.

Vorsicht ist bei der Anwendung geboten. Sparsamer und besonders wirkungsvoller Einsatz von Ajax steht im Vordergrund. Und bereits in diesen Tagen beobachte ich manch Lösung, bei denen nach der Methode »Viel hilft viel!« vorn eingerissen wird, was man hinten aufgebaut hat.

Besonders zwingend wird der Ruf an Stellen, wo es um Applikationen geht und eine effektive Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit erreicht werden kann.

Tagging

Wir haben im Internet immer mehr Informationen verfügbar. Auch jede einzelne Website, ebenso wie Weblogs bekommt früher oder später das Problem, die Vielfalt der Information an den Besucher zu bekommen. Denn längst nicht jeder Besucher liest aktuell mit. Tagging ist eine recht interessante Möglichkeit, entweder ganze Projekt zu strukturien und besser zu gliedern, oder aber ergänzend und in Abstimmung mit herkömmlichen Kategorien für Struktur, Ordnung und schnellen Zugriff auf Information zu sorgen.

Auch wenn heute vielfach die Meinung vertreten wird, Kategorien seien überflüssig, RSS dominiert den Informations-Zugriff, so sprechen aktuelle Artikel, Beobachtungen und Leser-Feedbacks immer wieder auch eine andere Sprache.

Was mir in dem Zusammenhang fehlt, ist die klare und sinnvolle Integration des Tagging. Geeignete Konzepte können aus meiner Sicht weit über das heute angewandte Maß hinausgehen. Auch hier wünsche ich mir sinnvolle und ausgewogene Alternativen, die das wirkliche Leistungsvermögen erst richtig zur Geltung bringen. Kreativität ist bei neuen Tagging-Lösungen gefragt.

Webdesign-Layouts

Während international bereits ein Vielzahl von mobilen Anwendungen den Trend von morgen deutlich machen, spüre ich bei uns wenige Ambitionen in diese Richtung. Unser Blick ist mir da noch zu sehr nach hinten in den Rückspiegel gerichtet.

Aber die begrenzenden Faktoren wie Verfügbarkeit und Kosten werden eines Tages fallen. Spätestens dann werden Layouts gefragt sein, die nicht nur browserübergreifend einzusetzen sind. Auch der plattformübergreifende Einsatz steht dann mehr im Fokus.

Jeder der Weblayouts erstellt hat weiß aber auch, dass eine plattformübergreifende Lösung immer auch eine Frage der Kosten ist und wirtschaftliche Grenzen hat. Jeder Anwender hat eine spezifische Zielgruppe, für die ein notwendiger Kompromiss im Sinne des technischen Fortschritts gefunden werden muss.

Eine optimale Lesbarkeit einer Website steht bei mir heute mehr denn je im Vordergrund. Fluide Layout-Lösungen stellen an eine gute Lesefreundlichkeit hohe Anforderungen. Das gewünschte Layout kann nur in gewissen Grenzen garantiert werden. Denken wir bei fuiden Layout nicht nur an den PC. Insbesondere Mac-Bildschirme und Wide-Screens strapazieren solche Layouts im Extremfall bis zur Unkenntlichkeit. Hier wünsche ich mir neue Denkansätze und Alternativen, die je nach Anwendungsfall und Kunde eine individuelle Lösung möglich machen. Denken wir einmal mehr über den Tellerrand hinaus.

Webstandards

Eine Grundvoraussetzung für mich bei allem voraus gesagten ist die konsequente Trennung von Design und Layout. Webstandards werden ihren Weg gehen, auch gegen den Trend aller Gegner.

Fortschritt im Leben der Menschheit hat sich immer gegen Widerstand durchgesetzt. Maschinen, Eisenbahnen, Autos, Flugzeuge, Raketen, Computer und Internet haben alle Bedenkensträger überlebt. Webstandards werden sich langfristig durchsetzen, da bin ich mir sicher.

Insofern begrüße ich auch jeden noch so kleinen Schritt in Richtung der Verbesserung der Qualität der Ergebnisse. Wenn es jedem Einzelnen gelänge, nur einige wenige Menschen von den Vorteilen der Webstandards zu überzeugen, wäre der Sache bereits ein großer Nutzen entstanden. 80 Prozent aller Webseiten in »XHTML Transitional« sind mir lieber als 20 Prozent »XHTML Strict«.

In diesem Sinne leiste ich mit dieser Artikel-Serie meinen ganz eigenen Beitrag. Längst nicht alle Leser meines Weblogs sind Fachleute und der Webstandards kundig. Einige Leser haben mir gerade bestätigt dennoch mitzulesen und sich mit der Materie zu beschäftigen.

Denken wir auch an die vielen jungen Menschen, die sich nur für aktuelle Trends interessieren. Sie wollen einfach nur HEUTE LERNEN, wie man es MORGEN RICHTIG machen sollte. Mehr interessiert sie meist auch gar nicht.

Perspektive: 1 - 10 - 100 - 1.000 - 10.000 - 100.000 - …

Wenn also diese Artikel-Serie nur 10 Menschen ins Handeln brächte und überzeugt, dann werden diese 10 Menschen durch ihr Tun wiederum mindestens 10 weitere Menschen erreichen. Diese 100 Menschen erreichen dann 1.000 und so fort. Dabei habe ich bewusst tief gestapelt, denn ich weiß, dass mein Weblog längst mehr als 10 interessierte neue Leser täglich hat.

Es nützt wenig, in den Rückspiegel zu schauen, wenn man nicht mit dem Auto an die Wand fahren will. Der Blick durch die Frontscheibe auf die Straße ist im Vorwärtsgang alle Mal die bessere Alternative.

Schriften

So manches Mal habe ich mir Alternativen zu der allzu eng begrenzten Vielfalt der Schriften im Internet gewünscht. Auch habe ich mich an einigen Schriften satt gesehen. Allein die Ausstattung und Verbreitung der System-Plattformen bestimmt aber hier die im Wesentlichen die Vielfalt der Möglichkeiten. Während es mühsam ist, permanent den Zustand zu bemängeln, sollten alle Webschaffenden auf die Hersteller der Systeme Einfluss nehmen. Denn dort liegen die Potenziale für zumindest etwas mehr Varianz und Abwechslung im Internet, nicht beim Internet-Nutzer.

Dennoch muss ich denjenigen Recht geben, die zu mehr Kreativität mahnen. Wir haben jede Menge Möglichkeiten in der Hand. Noch lang haben wir nicht alle Möglichkeiten der CSS ausgereizt. Manch in den Browsern implementierte Option haben wir nur selten oder gar nicht ausgenutzt.

Die Lesbarkeit der Text steht für mich bei allen Lösungen ganz weit oben. Die Abkehr von zu kleinen Texten zugunsten einer besseren Lesbarkeit kann ich nur unterstützen. Experimentierfreude sollte groß geschrieben werden, auch wenn von den Experimenten dann einige ohne großen Erfolg eingestellt werden müssen.

Zur besseren Lesbarkeit der Webseiten wünsche ich mir insbesondere eine deutlichere Auszeichnung von Links auf den Webseiten. Mag dies auch für manchen altmodisch klingen. Aber die Standard-Erwartungshaltung sind nach wie vor unterstrichene sowie farbig aus dem Text hervorstehende Links. Haben diese dann noch eine andere Farbgebung als die Überschriften erhöht das die schnelle Lesbarkeit der Website ungemein.

Browser

Bei den Browsern sehe ich es mit großer Freude, dass Konkurrenz die fast aussichtslose Browserlandschaft gewaltig durcheinander gewirbelt hat. Ich sehe dem neuen Internet-Explorer mit verhaltener Freude entgegen. Im Interesse einer langfristig leichteren Webentwicklung wünsche ich allen Browsern vor allem Geschwindigkeit und Unterstützung der Webstandards. Auf das die Vielzahl von CSS bald der Vergangenheit angehört und Microsoft mit der Version 8 nicht wieder solange auf sich warten lässt. Mag der Firefox weiter viele Freund gewinnen, sich an seinen einstigen Tugenden orientieren und ein gutes Gegengewicht neben anderen Browser leisten.

Weblog-Design

Zur Entwicklung des Weblog-Design habe ich eine ganz eigene Ansicht, die sich von vielen herrschenden Auffassungen zum Teil erheblich unterscheidet. In diesem Bereich gibt es quasi so gut wie keinen Fortschritt zu verzeichnen. Das finde ich sehr schade, da gerade Weblogs bei deren massenhaften Verbreitung jede Menge an eingebauten ungenutzten Potenzialen multiplizieren. Was meine ich damit?

Ausgedehnt habe ich mich mit den Potenzialen und der Optimierung von Weblogs beschäftigt. Die Uniformität im Weblog-Design ist erschreckend gewachsen. So sehr ich für den Start Standard-Templates verstehen kann, genauso hässlich und austauschbar wird das hunderste oder tausendste Weblog desselben Designs.

Abgesehen vom Design haben Weblogs jedoch noch andere Engpässe, die den langfristigen guten Zugang an qualitativ hochwertigen Content behindern. Kreative Ansätze zur Abhilfe muss man mit der Lupe suchen. Scheinbar ist in diesem Bereich die Kreativität fast eingetrocknet. Nachdenken ist nicht mehr angesagt. Es wird meist nur noch nachgemacht, was andere vormachen. Wenige Trends werden massiv übernommen, meist auch mit fatalen Fehlern.

Da meine Gedanken hierzu den Beitrag sprengen würden, werde ich in einem späteren Beitrag einzelne Gedanken hierzu vorstellen und näher beschreiben.

Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Webdesign 2006 - Trend, Erwartungen und Wünsche [Serie]

Abschließend lesen: »10 Tipps für das Webdesign 2006«

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Kommentare und verweisende Trackbacks

zum Beitrag: Meine Gedanken, Erwartungen & Wünsche für ein Webdesign Jahr 2006

Kommentare

1 | Jeena Paradies schreibt am 28.01.2006, 18:21:

Schöner Abschlussartikel, nur schade dass du JavaScript auf Popups und ein paar verzichtbare visuelle Effekte reduzierst. Mir scheint eigentlich dass du das Potenzial von JavaScript als ausgewachsene Programmiersprache - und dazu noch die einzige, die Clientseitig arbeitet - noch nicht erfahren hast und noch in alten "JavaScript ist böse" Gleisen denkst.

Ich habe zum beispiel einen Kunden, für den ich ein System erstellt habe zu 75% nur auf Basis von JavaScript funktioniert. Dieses System ernährt jetzt schon drei Mitarbeiter, Tendenz steigend.

3 | Jeena Paradies schreibt am 29.01.2006, 15:13:

Hm, ich verstehe nicht so ganz was du mit Zahlen meinst?

Ich finde, wenn man nach dem Unobtruive JavaScript Prinzip arbeitet, kann man JavaScript massiv einsetzen und dem User eine ganz neue Surferfahrung bieten, ohne User mit abgeschaltetem JS auszuschließen.

Es gibt da auch ein schönes Zitat, nur leider habe ich vergessen von wem:

Damals war es eine gute Idee, deshalb riet ich vom Einsatz ab, doch JavaScript funktioniert jetzt.

4 | Jeena Paradies schreibt am 29.01.2006, 16:41:

Hach ich habe es doch wiedergefunden (ganz unten):

In the original version of this essay, I advised avoiding Javascript. That was a good plan in 2001, but Javascript now works.

Folgende Weblogs verweisen auf diesen Beitrag:

» | einfach persoenlich Weblog am 29.01.06 09:24

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