5 einfache Tipps für gutes Weblog-Feedback

15.02.2006 | Blogging Tipps, Persönlich, Site intern | 16 Kommentare | Print

5 einfache Tipps für gutes Weblog-Feedback

Was verstehen wir unter konstruktivem Feedback? Wertschätzendes Feedback ist wohl schwer zu realisieren als gedacht. Einige wenige Tipps bieten Hilfe und Orientierung zur Verbesserung.

Jeder Mensch macht Fehler. Wir lernen alle aus Fehler, kommen weiter und werden besser. Wir alle sind auf dem Weg, nur die Kilometer-Markierung ist unterschiedlich. Konstruktive Kritik als Feedback wünschen wir uns.
Doch was zeichnet diese aus?

Jeder Mensch braucht Rückmeldungen von seiner Umwelt. Manchmal sind wir einfach betriebsblind geworden. Feedback soll sich an das Verhalten des Menschen richten, ohne diesen jedoch persönlich anzugreifen. Es soll seine Aufmerksamkeit auf Verbesserungspotenzial lenken und ihn fördern.

Richtig formuliert ist Feedback sehr wirksam, fällt leicht auf fruchtbaren Boden. Mit folgenden Tipps kann der Feedback-Geber mehr erreichen:

Info
Die hier vorgestellten 5 Tipps sind inhaltlich durch die Feedback-Regeln der NLP-Kommunikation inspiriert. Sie helfen beim Kommunizieren der Botschaften persönliche Angriffe zu minimieren. Sie orientieren nur auf das zu kritisierende Verhalten, nicht auf die Person des Feedback-Empfängers.

  1. Schreibe Deine Kommentar-Feedback in der »Ich«-Form.
    Wenn Du eine Aussage in die »Ich«-Form kleidest, dann gewinnt die Botschaft. Du sprichst nur von Dir. Ob andere Menschen das auch so sehen, weißt Du selten. Rede von Dir, schildere Deine Beobachtungen aus Deiner eigenen Sicht.
    Beispiel: Ich habe beobachtet, dass in letzter Zeit immer mehr Menschen in meinem Weblog Kommentare schreiben. Auch ist mir aufgefallen, dass die Länge der Kommentare zunimmt.
  2. Adressiere Dein Feedback an direkt an den Empfänger.
    Sprich oder schreibe den Empfänger persönlich an. Überlege Dir gut, ob es öffentlich sein muss. Du kannst dem Anlass und die Stärke Deines Feedbacks selbst steuern. Formuliere Dein Feedback so, dass der Empfänger bei allem gut gemeinten Feedback sein Gesicht wahren kann.
  3. Beschreibe eine Verhalten, ohne zu werten.
    Beschreibe das konkrete Verhalten ohne jede Wertung so, wie Du es beobachtet hast und so wie es auf Dich wirkt. Vermeide jede Wertung.
    Beispiel: Einige Besucher schreiben Ihre Kommentare zudem ohne Angabe einer Website und verwenden eine anonyme E-Mail-Adresse. Ich erhalte einen Kommentar und habe meist keine Vorstellung davon, wer mir da eigentlich schreibt.
  4. Beschreibe Deine Beobachtungen als persönlichen Gefühle oder Empfindungen.
    Beschreibe Deine ganz persönlichen Empfindungen und Wirkungen. Du nimmst dem Feedback die Härte der Aussage, andere Menschen sehen dies womöglich ganz anders. In Verbindung mit der »Ich«-Form relativierst Du Deine Aussage und lässt dem Empfänger Raum, seinen eigenen Standpunkt überdenken zu können.
    Beispiel: Das finde ich persönlich sehr schade. Ich fühle mich selbst bei interessantem Feedback selten veranlasst, eine direkte E-Mail an den Absender zu schreiben. Ich habe oft den Eindruck, als ist dem Schreiber nicht wirklich an einem echten Feedback gelegen. Manches Mal beschleicht mich dabei auch das Gefühl, als nutzt ein Schreiber bewusst den anonymen Raum, um seine Identität zu verschleiern. Daraus schliesse ich, dass es ihm nicht um echtes konstruktives Feedback geht.
  5. Gib konstruktive Ideen und Anregungen zur Verbesserung.
    Formuliere Deine Anregungen und Ideen in Form von Wünschen. Liefere konkrete Verbesserungsvorschläge und Lösungsansätze. Wie kann der Empfänger eine Verbesserung erreichen (deshalb hast Du ja Feedback gegeben)?
    - Was fand ich bereits (sehr) gut?
    - Was wünsche ich mir mehr?
    - Was wünsche ich mir weniger?
    - Was wünsche ich mir anders?
    Beispiel: Ich würde mir wünschen, dass mehr Besucher die Chance der Kommentare nutzen und dabei auch mit realem Namen kommentieren. Ich finde, dass die Kommunikation durch die Ergänzung der Gravatare an Ausdruckskraft gewinnt. Wenn immer mehr Besucher ihre Website angeben würden, gibt mir das auch die Möglichkeit ihre Internetseiten zu besuchen. Ich könnte so mehr zu meinen Besuchern erfahren. Zudem wünsche ich mir mehr Kommentare von Lesern, die die Beiträge auf interessante Weise ergänzen und für andere Besucher mindestens ebenso wertvoll gestalten wie der ursprüngliche Beitrag. Viele nette Kontakte am Rande des Weblogs sind auf dies Vertrauen aufbauende Art und Weise der Kommunikation entstanden.

Außer diesen fünf Punkten mag es andere weiter nützliche Tipps geben. Ich bin gespannt auf Eure ergänzenden Kommentare und Vorschläge.

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Kommentare und verweisende Trackbacks

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Kommentare

1 | Michael schreibt am 15.02.2006, 17:57:

6. Ich bin auf Besuch
Wenn ich einen (meist privaten) Blog besuche, bin ich in einem fremden Haus und sollte mich dem entsprechend benehmen.
(Anstand und Würde schadet nie ;-)

2 | Denny schreibt am 15.02.2006, 18:07:

Ich weiß nicht recht. Wenn Du mir vorschreibst, wie ich meine Kommentare hier abzufassen habe - nichts anderes soll Deine Liste nach den Ereignissen der letzten Tage leisten - vergeht mir die Lust daran. Kommentieren bedeutet schriftliches Fühlen, Denken und Bewerten - da fällt es mir schwer, eine Liste an Feedback-Anforderungen durchzugehen. Ich finde diesen Artikel als Abschluss der jüngsten Diskussionen hier etwas unglücklich. Fast schon trotzig und oberlehrerhaft. Nimm's mir nicht übel!

Abgesehen davon finde ich, dass die Kommentare, die Du erhälst, auch ohne Durchführungsvorschrift überdurchschnittliche Qualität haben - von einzelnen Ausreißern natürlich abgesehen. Ich kenne da ganz andere Sachen... :-)

3 | Julia schreibt am 15.02.2006, 19:11:

@Denny: Ich denke, dass es von Jörg bestimmt nicht oberlehrerhaft gemeint war, sondern es vielmehr eine allgemeine Anregung sein soll, sich zu überlegen, wie man seinen Kommentar verfasst. Denn auch konstruktive Kritik kann - falsch verpackt - den anderen vielleicht unbeabsichtigt persönlich angreifen.
Allerdings kann ich nur zustimmen, dass die Besucher hier in der Regel nachdenken, bevor sie den Sende-Button drücken.

5 | SilentWarrior schreibt am 15.02.2006, 20:10:

Denny, wenn ich deinen Beitrag lese, vergeht mir echt die Lust. Jörg schreibt (Gott sei Dank!) jetzt wieder so, wie wir es von ihm gewohnt sind (nämlich ausführlich, interessant und vor allem menschenbezogen), und das erste, was du machst, ist rummeckern. Für mich ganz und gar unproduktiv.

Jörg: Vielen Dank für den Beitrag! Die meisten Punkte sind für mich neu, bis auf den mit der Ich-Formulierung – diesbezüglich hat ein Kollege von mir allerdings mal gesagt, es sei ja selbstverständlich, dass das, was ich sage, meine eigene Meinung (und bspw. nicht die der anderen) darstellt. Insofern kann man sich unter gewissen Umständen diese Formulierung auch schenken – wenngleich darauf verzichten natürlich nie verkehrt ist.

7 | Denny schreibt am 15.02.2006, 20:52:

@Julia, Jörg: OK, oberlehrerhaft und Vorschrift nehme ich zurück. Wäre der Beitrag vor oder in 4 Wochen veröffentlicht worden und damit der Kontext ein anderer, hätte ich diese Eindrücke wahrscheinlich gar nicht erst gehabt. Anscheinend scheinen ja Deine Tipps auch auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein - siehe SilentWarrior. Trotzdem denke ich, dass ein Kommentar im Gegensatz zu XHTML nicht standardkonform gebildet werden kann und so vermute ich, dass sich an der Kommentarkutlur nichts ändern wird.

@Jörg: Schön, dass Angebote in Deinem Supermarkt nichts kosten ;-)

@SilentWarrior: Jede Meinung, die zu Deiner konträr ist, kann trotzdem produktiv sein.

8 | Horst Scheuer schreibt am 15.02.2006, 21:03:

Eigentlich beschreibst du hier Dinge, die ganz selbstverständlich sind. Jeden falls für mich. Trotzdem finde ich deinen Artikel gut und auch wichtig. Denn jeder sollte sich bevor er einen Kommentar schreibt Gedanken über den Inhalt und die Wirkung auf den Leser machen!

9 | Boris schreibt am 15.02.2006, 21:05:

Ich selbst erwarte von Kommentaren tatsächlich weniger. Je konstruktiver sie sind, desto besser. Wenn sie meine im Artikel geäußerte Ansicht stützen, erweitern, kritisieren, ist das sehr schön. Das sind einfach weitere Facetten, die einen geschriebenen Artikel bereichern und so auch anderen Lesern nutzen können. Oft sind es nur kurze Zustimmungen oder vergleichbare Beispiele zu einem meiner geschilderten Beispiele. Ich freue mich über so etwas.

Im Übrigen stelle ich den Kommentatoren Anonymität frei, bei mir gibt es schon lange keine obligatorischen Kommentarfelder mehr. (Nein, das hat absolut keinen negativen Einfluss hinsichtlich Spam...), freue mich aber über jede Blog-URL, wenn jemand einen interessanten Kommentar geschrieben hat. Denn dann besuche ich sein Blog - so habe ich schon einige interessante Blogs gefunden, die ich heute regelmäßig lese.

Und noch:
Deinen ersten Punkt oben finde ich nicht nur in Bezug auf Kommentare sehr wichtig: Die Ich-Form!
Einfach aus dem Grund, dass wir alle (hups, ich übertreibe...) unbemerkt dazu neigen, in diese halb-passive "man"-Form zu fallen, was mindestens zwei Gefahren birgt:

1. Es droht Verallgemeinerung - was tatsächlich ja gerne rhetorisch genutzt wird, um Objektivität und Allgemeingültigkeit vorzutäuschen.

2. Es nimmt einer eigentlich persönlichen Äußerung das persönliche Gewicht und entwertet sie dadurch womöglich zugunsten einer gewissen Beliebigkeit.

11 | M. Kniebes schreibt am 15.02.2006, 22:23:

Warum schlägst du vor Kommentare in der Ich Form zu verfassen, aber selbst sprichst du in deinem Eintrag in einer anderen Form. Wäre ein "Ich schreibe meine Kommentare in der Ich Form" nicht konsistenter.

12 | Gabi schreibt am 16.02.2006, 00:03:

Hm, also ich persönlich passe mich den Gepflogenheiten des "Hauses" an. Ich sehe die Schreibe des Blogmasters, der Kommentatoren, und wenn ich was dazu schreiben will, versuche ich den Ton zu "treffen" - wie im "richtigen" Leben auch.

In der "Ich"-Form zu schreiben ist nicht immer angebracht und gefordert, ein bißchen Fingerspitzengefühl, Flexibilität und Intuition sorgen dafür, dass der Kommentar "gelingt".
Mein Credo lautet immer wieder "zuhören" bzw. "zulesen", um ein Äquivalent fürs Bloggen zu benutzen...

Viele Grüße,
Gabi

14 | Jan schreibt am 16.02.2006, 16:32:

@Jörg: Was dieser Artikel und die Kommentare hier leisten ist Meta-Kommunikation. Ein sehr wichtiges Hilfmittel in der Gruppenkommunikation und im Konfliktmanagement.

Ich habe die große Hoffnung, das dieser Thread dazu führt, dass wir in Zukunft alle noch bewusster dabei sind, wenn es darum geht, hier einfach friedlich und persönlich miteinander zu bloggen. Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht hinbekommen, oder?

16 | Julian Schrader schreibt am 16.02.2006, 19:48:

Danke für diesen Eintrag - nach dem Gemetzel was in den vergangenen Einträgen und Kommentaren hier vollzogen wurde wieder etwas, das mir zeigt, warum ich hier lese. Das ist genau die Art von Artikel, die ich hier schätze: offen, persönlich und unterstützend, ohne dabei in den weiter oben angemerkten “Oberlehrer-Stil” zu verfallen. Den kann ich hier nicht entdecken.

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