Wenn Tinten-Tropfen wie Würfel aussehen

17.02.2006 | Persönlich | 0 Kommentare | Print

Wenn Tinten-Tropfen wie Würfel aussehen

Ich muss eine Botschaft haben, wenn ich Schreiben will. Dennoch schreibe ich auch weiter, wenn die Tinte dicker wird. Nur wenn sie aussieht wie ein Würfel, lege ich den Stift aus der Hand und pausiere. Warum das so ist, lest selbst.

Woher meine Liebe zum Schreiben stammt, habe ich noch nicht vollends ergründet. Rechtschreibung und Grammatik waren nie meine wirklichen Lieblingsfächer. Wie ich seit Jahren weiß, kann ich zwar sehr kritisch sein, finde ich Fehler in anderen Texten. Es kosten mich sehr viel Energie und Kraft, Distanz zu meinen Texten aufzubauen.

Denn recht bald habe ich erkannt, dass ich am besten mit dem Herz schreiben kann. Wenn ich in der rechten Stimmung bin, dann fließen die Worte nur so in die Tastatur.

Ich muss nicht schreiben um mich gut zu fühlen,
aber ich muss mich gut fühlen, um zu schreiben.
Jörg Petermann

Meine Beiträge sind hier selten kurz. Deswegen hat kürzlich auch ein Leser geschrieben, dass meine Texte nichts für Zwischendurch sind. Für mich ein Lob, ein Markenzeichen und eine Hinweis zugleich.

  • Ein Lob
    Es ist für mich ein Kennzeichen, dass man meinen Text nicht für Fast-Food hält. Der Leser hat erkannt, dass wohl zwischen den Zeilen und hinter den meisten Buchstaben noch ein tieferer, ganz anderer Sinn steckt. Man muss schon sehr genau hinsehen, wenn man diesen erkennen will. Denn auf den ersten Blick kann man diesen nicht erkennen. Vielleicht muss man einiges auch wirklich erst zweimal lesen, um es einmal zu verstehen. Es soll zum Nachdenken anregen und langfristig aufbauend und verdaulich sein. Aber richtig lesen und essen muss jeder selbst.
  • Ein Markenzeichen
    Vielleicht ist es auch ein wenig zu meinem Markenzeichen geworden. Ich selbst kann mir darüber kein neutrales Urteil mehr bilden. Das müssen Leser entscheiden. Das Feedback zeigt mir aber offenbar, dass es in Richtung dieses Trends gehen mag. Sollte ich das wirklich erreicht haben, dann macht Ihr mir mit dieser Rückmeldung die schönste Freude. Es können nämlich viele Leute schreiben. Nur die Massen zu bewegen schaffen sehr wenige. Ich bin frohen Mutes, weiter an diesem Talent zu feilen.
  • Ein Hinweis
    Fasse Dich kurz. Bring es auf den Punkt. Ein Talent, das schwierig umzusetzen ist. Noch dazu, wenn man so viel im Kopf hat wie ich. Jeder Beitrag sollte nur einen Gedanken fassen. Kurze Sätze sollen den Kern ausdrücken und ebenso leicht lesbar sein. Was aber, wenn es viel mehr zu sagen gäbe? Was, wenn der Schreiber so viel mehr auf der Zunge hat, was in diesem Moment sich wie ein Bach in die Tastatur ergießen will?

Wer meine Schreibe mit denen vor Jahren vergleichen würde, wäre erschrocken. Lange Schachtelsätze prägten meine Aussagen. Komplizierte Satzbauten waren Schwerkost für den Leser-Magen.

Dennoch habe ich die Liebe zu Büchern in einem für mich denkwürdigen Jahr 1999 wieder entdeckt. Und ich fröne ihr seitdem mit ganzer Leidenschaft. Wer viel liest, erweitert seinen Wortschatz. Indirekt taucht er in die Schreibe der Autoren ein. Und vielleicht ist auch ein klein wenig deren Fertigkeit bei mir hängen geblieben. Ich habe sie weniger bestaunt, viel mehr bewundert. Und in letzter Zeit interessiere ich mich immer mehr dafür, mit welchen Art und Weise zu schreiben, wie sie die Gunst der Leser führen und erringen können.

Wer viel schreiben will, muss viel schreiben

Wer noch nie über Wochen fünf bis sechs Beiträge jeden Tag geschrieben hat, wird die Effektivität des Schreibens noch nicht selbst am eigenen Leib erfahren haben können. Wer kein Buch geschrieben hat, kann wenig ermessen, wieviel Energie, Kraft und Herzblut es kosten, es sich nicht nur zum Ziel zu nehmen, sondern dann auch zu vollenden. Und wenn dann das Buch noch die Verkaufsränge stürmt und Leserrekorde aufstellt, spielt es keine so große Rolle mehr, ob die Schreibe die Beste ist. Alles können wir verbessern. Nur tun müssen wir es einfach, nicht nur drüber reden. Wer nur Letzteres tut mag sich einen Moment überlegen, warum er es zu ersterem nie gebracht hat (und vor allem warum!).

Ich kann mich bis heute mit der neuen Deutschen Rechtsschreibung nicht wirklich anfreunden. Die penible Akkuratesse gehört einfach nicht zu meinen hervorragenden Stärken. Zu gern habe ich das Menschen delegiert, die dies mit Liebe und Leidenschaft den ganzen Tag erledigt haben. Und wir waren dabei ein gutes Gespann.

Aber ich arbeite daran.

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