Was will mein Kunde wirklich?

17.02.2006 | Persönlich, Webdesign, Webstandards | 5 Kommentare | Print

Kunden machen den Erfolg von Projekten nicht unbedingt an Webstandards fest. Auch wenn nicht nur mir dies ein Anliegen ist.

Als wir neulich hier auf dieser Seite mit Webdesignern und Bloggern über Webdesign Erwartungen und Wünsche gesprochen haben, war der Fokus sehr stark auf die Entwickler gelegt. Einige meiner Interview-Partner aber ließen auch durchblicken, dass für sie die Wünsche der Kunden oberste Priorität genießen.

  • Doch was will der Kunde wirklich?
  • Sind unsere (so technischen) Erwartungen realistisch?

Sind wir ehrlich. Webstandards interessieren viele Kunden offen gestanden am wenigsten. Alle Argumente diesbezüglich gehen ins Leere. Den wirklichen Nutzen von Webstandards liegt in ganz anderen Fakten. Es ist beileibe nicht Neues. Aber Kunden fragen in erster Linie nach dem Nutzen. Das sollten wir uns immer mal wieder vor Augen führen.

  • Warum sollten sie sich auf ein Redesign einlassen?
  • Was bringt Ihnen diese Investition und Arbeit ein?

Als ich mit einem meiner Kunden seine individuelle Website überarbeitet und neu gestaltet habe, war ihm ein Fakt ganz wichtig:

Wann habe ich diese Website amortisiert (ROI - Return of Investment)?

  • Er hat mich nicht nach Webstandards gefragt.
  • Geschwindigkeit setzte er schlicht und einfach voraus.
  • Natürlich wollte er in den Suchmaschinen ganz oben stehen. Keine Frage.
  • Und der wollte mit der Website PR machen und Aufträge akquirieren.

Dabei kannte er natürlich meine Arbeitsweise bereits im Vorfeld sehr genau. Nicht immer ist das ja der Fall. Dann werden noch ganz andere Argumente gefragt, ein Denken aus der Perspektive des Kunden ist sehr hilfreich.

Handfeste Argumente auf den Tisch

Wollen wir Entscheider vom Thema Webstandards überzeugen, dann müssen wir wohl oder übel noch gewaltig umdenken. Denn Webstandards sind zunächst (auf den ersten Blick) nicht nur mit Vorteilen gesegnet. Und man kann sie nicht bedingungslos und überall einsetzen. Das macht wirtschaftlich gesehen keinen Sinn.

  • Schrittweiser Einstieg/Umstieg
    Nicht jedes Projekt kann in einem Schritt und komplett fehlerfrei auf Webstandards umgestellt werden. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen. Weder technisch noch wirtschaftlich sind manche Ziele realistisch umsetzbar. Kleine Schritte und maßvolle Erfolge sind vielfach besser als gleich alles mit einem Mal erreichen zu wollen. Gut Ding will oft auch Weile haben. Das Gesamtziel ist entscheidend.
  • Geschwindigkeit, Bandbreite & Zugänglichkeit
    Ein ins Auge gefasster Umstieg auf Webstandards bringt oft mehr an Geschwindigkeit mit sich. Weniger Bandbreite wird benötigt, was bei großen Seiten auch gewichtig werden kann. Die Seiten sind einfach schlanker und durch den Umstieg meist auch wesentlich zugänglicher. Nicht zu vergessen natürlich die Suchmaschinenfreundlichkeit.
  • Visibility & Usability
    Eine gute Bedienbarkeit der Seiten rückt immer mehr in den Fokus. Denn wenn Leser mit der Website nicht zurechtkommen, gehen die Projekte baden. Kein Umsatz, wenige Aufträge sind die Folge. In vielen Fällen wurde darüber aber die Suchmaschinenfreundlichkeit vernachlässigt. Wer mit seinen Seiten eine gute Visibility in den Suchmaschinen hat, bekommt mehr Besucher. Mehr Besucher, mehr potentielle Kunden, mehr Käufer, die logische Folge.
  • Folgekosten & Unabhängigkeit
    Die Frage der Folgekosten scheint mir derzeit am wenigsten betrachtet zu werden. Das noch so preiswerte Angebot wird mit teuren Folgekosten bezahlt. Komischerweise werden die meist kaum bedacht. Einweisung, Training, Bedienung, Wartung, Pflege werden sträflich vernachlässigt. Die aber bestimmen den Wert und die Folgekosten der Projekte langfristig entscheidend. Kunden meiden immer mehr Abhängigkeiten von Webschaffenden. Manchem wird das schwer gefallen. Unabhängigkeit und dynamische Anpassungen werden stärker gefragt.
  • Pflegbarkeit, Flexibilität & Sorgenfreiheit
    Webseiten müssen heute mehr denn je durch den Kunden selbst zu pflegen sein. Wie, dafür interessiert der Kunde sich meist nicht im Detail. Kostengünstig, einfach zu bedienen und fehlerfrei und leicht soll es gehen. Flexibel wollen Kunden auch nachts um 23.45 Uhr reagieren können, wenn Ihnen danach ist. Sorgenfrei wollen sie in die Zukunft schauen. Sie wollen sich an keine Technik und keinen Menschen zu sehr binden. Unabhängigkeit ist Trumpf.

Dennoch heißt das aber auch nicht, dass Webstandards unrelevant sind. Vielmehr muss noch einiges an argumentativer Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Mit dem Auge des Kunden betrachtet

Sehen wir das Thema einmal mehr aus der Sicht der Kunden. Und ich bin sicher, dass Euch dazu auch noch eine ganze Menge anderer Gründe einfallen.

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