Selbst-Experiment: Bloggen ohne RSS-Feeds

27.02.2006 | Persönlich, RSS, Site intern | 5 Kommentare | Print

Es klingt wie persönliches Harakiri. Keineswegs. Per Zufall habe ich eine Erfahrung machen können, zu der ich sonst wahrscheinlich nicht gekommen wäre. Ver-rücktes Ergebnis?

Über die Lese-Gewohnheiten meiner Leser haben wir hier ja ausgiebig diskutiert. Erst kürzlich aber war die Umfrage von Wolfgang Anlass, über RSS Lesegewohnheiten & Vorlieben nachzudenken und dabei erstaunliche Erkenntnisse zum Umfang von RSS-Feeds zu machen.

Kurze Zeit später las ich dann bei Gerald über seinen Information Overflow. Und mir fiel spontan wieder mein Artikel zum Pareto-Gesetz ein. Auch wenn diese vielleicht nicht ganz vollendet sein mag, die Erkenntnisse davon habe ich in den letzten 3 Wochen einmal im Eigen-Versuch erprobt.

Ein Leben ohne RSS-Feeds – geht das?

Nun, eines will ich voraus schicken. Es ging vor der Erfindung der RSS-Feeds. Es geht auch ohne. Man kann ohne großen Fernseh-Konsum leben und sich jeden Tag nur so zudröhnen. Keine Frage des Mediums, vielmehr eine Frage des wohltemperierten Umganges damit.

Ähnlich wie Gerald habe ich bei mir festgestellt, dass die Zahl der mich interessierenden Weblogs drastisch wuchs. Jede Woche wurden es mehr. Bei näherer Beobachtung fiel mir auf, dass die wesentlichen Informationen von einer begrenzten Zahl von Weblogs ausgingen. Sozusagen fungieren einige Weblogs als Nachrichten-Hubs. Eine Mehrheit von Blogs verteilt lediglich mehr oder minder umfangreich angereicherte Nachrichten-Kopien.

Für eine begrenzte Zeit habe ich mich auf den persönlichen Besuch einiger Stammseiten konzentriert. Den RSS-Reader habe ich in Urlaub geschickt. Das sich NetNewsWire auch noch parallel an Nachrichten verschluckt hatte und ihm schlecht war, fiel die Entscheidung nicht schwer.

Überraschendes Ergebnis

Meine Leser werden den Unterschied wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen haben. Zumindest hat sich keiner bei mir beschwert. Eher die steigende Zahl an Beiträgen war Grund zu Bemerkungen.

Die Konzentration auf wichtige Nachrichten-Quellen schafft plötzlich Platz für neue Nachrichtenkanäle, die ich vorher nicht besucht habe. Sehr schnell kristallisieren sich die Blogs heraus, die mehr oder minder zuverlässig, interessante Nachrichten veröffentlichen und dazu eigene informative Beiträge schreiben.

Mag sein, dass ich durch die Konzentration auf 20 Prozent der Nachrichten-Quellen nicht immer der Schnellste bei einigen Informationen war. O.K. Damit kann ich aber leben, schließlich bin ich keine Nachrichten-Agentur. Auch habe ich zu einigen Nachrichten gar nichts geschrieben, irgendwie war das gar nicht so wichtig. Viel interessanter war die konzeptionelle Weiterentwicklung meiner Seite. Letztlich garantiert die mir auch zukünftig Leser, nicht durch Nachahmung anderer, sondern der Entwicklung und dem Ausbau meines eigenen Profils.

Mehr dazu in Kürze.

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Kommentare und verweisende Trackbacks

zum Beitrag: Selbst-Experiment: Bloggen ohne RSS-Feeds

Kommentare

1 | Susanna Künzl schreibt am 28.02.2006, 06:51:

Also zurück zur lieben alten Blogroll? Und dann täglich absuchen? Du hast schon Recht, dass es nur wenige wirklich ergiebige Blogs gibt, aber so viele andere bringen ihre genauso interessante Meinung zum Thema. Ich besuche nicht nur die Nachrichten-Hubs, sondern auch alle, deren Meinung mich interessieren könnte.

3 | Frank Hamm schreibt am 28.02.2006, 10:48:

Auch bei mir gibt es eine nahezu konstante Anzahl von Feeds, die ich als Blogroll habe und die ich konstant lese. Zusätzlich habe ich dann noch weitere interessante Blogfeeds. Mein Problem ist, dass mir die "Lieblingsblogs" immer Verweise auf andere interssante Blogs liefern. Erst wenn ich diese Blogs 1 - 2 Woche gelesen habe, entscheide ich über die Aufnahme im meine Blogroll.

Zum Lesen via RSS: Die Feeds sind für mich Teaser, aufgrund der ich dann zum Lesen auf das Blog gehe. Selbst wenn der ganze Text inkl. Bilder im Feed vorhanden ist gehe ich meistens dann auf das Blog...

4 | Susanna Künzl schreibt am 28.02.2006, 12:07:

@Jörg: Klar, ein Experiment :) Ich benutze den Feedreader übrigens auch nur, um dann den Artikel anzuklicken und die Seite zu besuchen. Wenn ich im Reader vorsortiert habe, ob es sich lohnt.

Zeit ist leider die magische Grenze. Und etwas Selbstdisziplin, wenn ich 2-3mal am Tag den Feedreader anwerfe und auf aktuelle Inhalte prüfen lasse.

In einem Punkt möchte ich der guten alten Blogroll mal die Stange halten: Ist doch nett, wenn ich auf meinem Blog darstelle, was ich lese. Und auch einen Link spendiere. Da kommen dann die Blogs hinein, die die Feedreader-Auslese überstanden haben.

5 | Jan schreibt am 28.02.2006, 12:18:

Zudem besuche ich die Webseiten zu gern persönlich. Ich will die Seite sehen, nicht nur den Text im Reader. Bin eben ein Visueller, aber das wundert denke ich niemand.

-Jörg

So sehe ich das auch. Gerade das optische Design interessiert mich mindestens genauso wie die Inhalte der Artikel. Bei Blogs bin ich absolut kein RSS-Nutzer. Bei Nachrichtenangeboten wie heute.de oder tagesschau.de finde ich sowas schon sinnvoller.

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