Fiasko Deutsche Rechtschreibung
03.03.2006 | Site intern | 11 Kommentare | Print

Es allen Recht zu machen ist ein Kunst, die heute wirklich richtig schwer sein kann, auch bei der Deutschen Rechtschreibung. Neu, alt, oder?
Wer schreiben will und der Probleme mit der Deutschen Rechtschreibung hat, steht in unseren Tagen vor einer gewaltigen Herausforderung. Erst gestern Abend höre ich wieder, dass über die teilweise Rücknahme der neuen Deutschen Rechtschreibung diskutiert wird.
Offen gestanden war ich nie ein Fan der neuen Deutschen Rechtschreibung. Es hat bis auf einen Menschen auch niemand verstanden, mir die Logik hinter der ganzen Sache richtig nahe zu bringen. Meine Kinder lernen seit Jahren die neue Art der Rechtschreibung. Ich für meinen Teil praktiziere eine wundersame Mischform. Hundert Prozent gewiss bin ich mir dabei allerdings nie. Keine schöne Situation.
Bereits in der Schule lag mir nicht sehr viel daran, irgendwo die Fehler aus den Texten zu suchen. Viel lieber habe ich meine Gedanken schriftlich festgehalten. Als ich dann Ende des letzten Jahrhunderts anfing, im Internet zu schreiben, habe ich mich ob meines neuen Hobbys schon gewundert. Ich bin einfach nicht der Erbsenzähler, der mit Buchstaben jongliert.
Meine Neigungen und Stärken liegen daher auf der anderen Seite. Dennoch möchte ich auf dem Gebiet deutlich besser werden. Vielleicht könnt Ihr mir einige Tipps geben.
Schreibfehler nerven
Dennoch nerven nicht nur mich natürlich Schreibfehler. Sie fallen den Lesern sehr schnell auf und stören. Rechtschreibkorrekturen gibt es aber auch nicht in allen Tools, manchmal eben auch nur in Englisch. Bis heute hält mich das davon ab, meine Texte in einem Blog-Tool zu schreiben, da ich einfach keine Fehler-Kontrolle habe.
Besonders unschön für mich sind Rechtschreibfehler der gröbsten Art, die ich fast täglich in den Kommentaren finde. Permanente Kleinschreiber kann und will ich sicher nicht korrigieren. Manchen Schreibfehler habe ich aber auch postum beseitigt. Ein Blick über den geschriebenen Kommentar würde manche Buchstabendreher und Ausrutscher allerdings beseitigen helfen.
Frage an Euch:
Ein probates Mittel dagegen habe ich bisher auch noch nicht gefunden.
- Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?
- Wie geht Ihr mit der Rechtschreibung bei Euch um?
- Welche Tipps könnt Ihr anderen weitergeben?
Wat denn hat denn Du de da?
Update
Die Reform der Reform wurde bereits reformiert. :)))
Ingo war so freundlichlich und hat in seinem Kommentar die Links zu den SPIEGEL-Artikeln nachgetragen.
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zum Beitrag: Fiasko Deutsche Rechtschreibung
Kommentare
1 | Patrick schreibt am 03.03.2006, 09:45:
Tja Jörg, wie dir geht es vielen. Dieses unschöne Gefühl der Unsicherheit. Ich habe die NDR ja noch in der Schule gelernt, damals in Hessen, als das Thema aktuell wurde und mich darüber damals schon maßlos geärgert, im damals kindischen schülerischen O-Ton: "Scheiße ey. Da bringen sie einem 7 Jahre lang die alte bei und dann muss man plötzlich diese seltsame, dämliche neue lernen."
So richtig bewusst dessen, was für eine Rechtschreibung ich schreibe, bin ich mir heute garnicht. Ich weiß, dass ich an vielen Stellen ein 'ss', statt einem 'ß' verwende und es an manchen Stellen nicht tue, obwohl ich das nach NDR vielleicht sollte. Aber man weiß ja nicht mal genau, was man schreiben sollte. Neu? Alt? Neu-Alt? Scheint ja, je nach Bundesland verschieden zu sein. Also alles in Allem halte ich es für sinnvoll, dass man sich ein wenig damit auseinandersetzt, aber nicht zu intensiv, solange die Diskussionen noch nicht ausgetragen sind.
Gruß
Patrick
2 | Ingo schreibt am 03.03.2006, 11:02:
Die Rücknahmen einiger Änderungen sind schon beschlossen worden. Mehr dazu auf Spiegel ONLINE:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,403998,00.html
http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,403601,00.html
3 | Boris schreibt am 03.03.2006, 11:02:
Eigentlich würde ich jetzt gerne weit ausholen und mich neuerlich über das dumme Geschwätz von Politikern und einigen Verlagspopanzen aufregen. Über die Heuchelei in Sachen einer angeblich ach so »guten alten Rechtschreibung«. Über die geflissentliche Unkenntnis der seit 1998 geltenden Rechtschreibung. Über bewusst und gezielt in die Scheindiskussion gebrachte falsche Beispiele. Über bewusste Vorspiegelung falscher Tatsachen, was die Lernproblematik in Schulen angeht. Darüber, dass es eine lange (öffentliche!) Diskussion im Vorfeld und im Zeitraum der Entwicklung des Werks gegeben hat, an der jeder Interessierte hätte teilnehmen können – und an der die ganzen künstlich aufgeregten o.g. Protagonisten eben gerade nicht teilgenommen hatten. Darüber, dass diese sogenannten Kritiker kurz vor Torschluss aus den Löchern gekrochen kamen und lauthals Restauration einforderten.
Aber ich habe gar keine Lust mehr, mich immer wieder über diese Sache aufzuregen, deswegen jetzt zu deinen Fragen:
1. Die geltende Rechtschreibung ist stärker regelgeleitet als sie es jemals vorher war. Mit dem dicken gelben Buch (ja, dem Duden Band 1) fällt es heute im Grunde relativ leicht, ein halbwegs korrektes Deutsch zu schreiben. Ich sehe das wirklich eher als ein »must have« denn als ein »nice to have« an, wohl wissend und akzeptierend, dass Perfektion nicht erreichbar ist. Korrekte Rechtschreibung und Grammatik sind formale Grundvoraussetzungen für ordentliche Texte, und das hat wirklich auch etwas mit Standardkonformität und Barrierearmut zu tun.
2. Schreiben und dabei nachdenken. Plus dickes gelbes Buch. Anschließend nochmal aufmerksam drüberlesen. Was dann noch an Fehlern übrig bleibt, ist vielleicht peinlich, aber verzeihlich. Wir müssen nicht päpstlicher als der Papst sein.
3. Siehe meine bisherigen Ausführungen, und noch dies: Sprache und der bewusste Umgang damit ist etwas Schönes. Gute, fehlerfreie Sprache ist sogar wertvoll. Mir hilft das.
4 | Flo schreibt am 03.03.2006, 12:31:
Tja ich lese meine Beiträge meistens schon noch mal durch bevor ich sie abschicke, trotzdem bin ich hier aber wohl einer mit den meisten Fehlern. (Das liegt aber einfach daran das ich sie nicht sehe, wie z.B. oft mal groß und kleinschreibung) Das noch mal durchlesen hilft aber meistens schon um noch ein, zwei Fehler zu finden. Da mir die Fehler in anderen Texten auch nicht auffallen sind sie mir aber egal...
In der Schule wird meistens die neue Rechtschreibung verlangt, wobei ich sagen muss das meiner Meinung nach noch viele Lehrer sich nicht ganz umgestellt haben...
Na ja in diesem Sinne: "Wer einen rechtschraibFehler findet darf ihn behalten" :-)
5 | Jörg schreibt am 03.03.2006, 14:47:
@Flo: Ich werde Deine Tippfehler behalten. Keine Sorge. :))
Die Alternative keine Kommentare macht ja auch wieder keinen Spaß. Und ein so nettes Plugin, wie das bei Wordpress, wo man noch 30 Minuten später den Kommentar korrigieren kann, kenne ich von MT leider nicht.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
6 | Birgit schreibt am 03.03.2006, 19:44:
Das ist in der Tat ein Thema, über das ich mich ewig auslassen könnte.
Ich habe von der Rechtschreibreform von Anfang an nichts gehalten. Warum sollte man etwas, das über so lange Zeit gewachsen und im Bewußtsein der Menschen verankert ist, einfach von heute auf morgen künstlich umkrempeln?
Ich weiß schon warum ich nie aufgehört habe, nach der alten Rechtschreibung zu schreiben. Ich war eigentlich schon immer ein Rechtschreibpendant und muß mich jeden Tag wundern, wie wenig die meisten Leute ihre eigene Sprache zu lieben scheinen, können sie doch in der Regel noch nicht einmal eine Konjunktion (daß) von einem Pronomen (das) unterscheiden. Und ich meine deutlich beobachten zu können, daß sich das "kollektive Rechtschreibbewußtsein" (so will ich es mal nennen) seit der Reform sehr ins Negative verändert hat.
So nach dem Motto: Kennt sich doch eh keiner mehr aus, also warum sich Mühe geben.
Es kann aber auch sein, daß das eigentliche Chaos erst durch die Verbreitung des Internets seinen Lauf genommen hat. Jeder schreibt irgendwo irgendwas (v.a. Foren), viele schreiben sogar ziemlich viel; die Form ist nicht so wichtig, aber schnell gehen muß es. Dadurch werden mehr Fehler gemacht, die wieder von vielen Leuten gelesen werden; diese machen dann irgendwann die gleichen Fehler usw. So schleichen die Fehler sich nach und nach ein.
Ich stehe auch jedes Mal vor einem Gewissenskonflikt: Soll ich die Leute auf Fehler hinweisen? Wollen die das überhaupt wissen? Oder fühlen die sich bloß auf den Schlips getreten, bzw. es ist ihnen einfach egal?
7 | Jörg schreibt am 03.03.2006, 20:29:
@Birgit: Ich denke, dass Du mit Deiner letzten Vermutung den Kern recht gut triffst. Wenn Du heute jemand aufmerksam machst, dann wird es i.d.R. nicht gerade positiv aufgenommen. Und in der Tat befinden wir uns irgendwie zwischen den Fronten. Dabei mag es uns noch gut gehen. Viel schlimmer sind die dran, die beide Schreibweisen lernen mussten und permanent wechseln müssen. Interessant ist nur, dass die wirklichen Fachleute für diese Erkenntnisse so lange gebraucht haben. Aus meiner Sicht hat das mehr Porzellan zerschlagen als produziert. Als ob es nichts Wichtigeres gäbe.
Das Internet verbreitet Fehler und schlechte Angewohnheiten massenhaft. Ob das ein Rechtschreibefehler ist oder ein unmögliches Weblayout, ein schlechter Quellcode oder eine Copyright-Verletzung. Genau das ist auch der Grund, warum es sich sehr wohl lohnt, nicht nur Masse zu produzieren, sondern sich ab und an auch mal Gedanken darüber zu machen, ob das, was man tun, nicht noch irgendwie besser zu gestalten ist.
Seit ich im Internet schreibe, haben sich meine Sprache, die Rechtschreibung und mein Schreibstil durch eine intensive Auseinandersetzung entscheidend verändert. Kürzere, flüssigere und durch die Beschäftigung mit dem Schnell-Lesen lesefreundlicher Texte sind ein Ergebnis. Besser zu schreiben und am Schreibstil zu arbeiten ist für mich zu einer Schlüsselqualifikation geworden. Gutes Handwerk lässt sich erlernen, verbessern und trainieren.
Blick nach vorn
Allerdings hilft mir der Blick in den Rechtschreibe-Rückspiegel dabei wenig. Ich will besser schreiben, flüssigere, schnell aufnahmefähige Texte die noch besser und in weniger Worten das ausdrücken, was ich sagen will. Es mag eine nette Sache sein, wenn mir jemand schreibt: mach kürzere Beiträge. Aber Steno will ich dann auch nicht schreiben. Auch kann ich hier nicht alle meine Kenntnisse und Fertigkeiten voraussetzen. Dann versteht mich keiner mehr. Ebenso wenig kann ich alle Fremdwörter benutzen. Manches muss ich einfach umschreiben.
Kooperative Zusammenarbeit gesucht
Woran mir also gelegen wäre, ist eine Kooperation und synergetische Zusammenarbeit mit einem Schreibprofi, einem Texter oder Journalisten. Wer da einen guten Tipp hat oder sich selbst angesprochen fühlt, schreibe mir einfach. Da ergeben sich garantiert sofort eine ganze Vielzahl von Möglichkeiten.
8 | Robert Hartl schreibt am 04.03.2006, 07:19:
Eigentlich basieren diese Gedanken doch auf einem - grundlegenden und damit entscheidenden - Problem:
Wieso soll nur eine Schreibweise als richtig gelten und alle früheren/ anderen, welche ebenfalls unverwechselbar verständlich sind als falsch?
Wieso soll man nicht Rad fahren UND radfahren schreiben können und beides wäre korrekt?
Das verstehe ich nicht.
9 | Boris schreibt am 04.03.2006, 09:06:
@Robert Hartl: Das geltende Regelwerk lässt in viel mehr Fällen als früher mehrere Schreibweisen alternativ zu. Zudem regelt es dort eindeutig, wo früher keine klare Linie vorhanden war und man Ausnahmen auswendig lernen musste (ss/?-Unterschied, die Drei-Konsonanten-Regelung und die Silbentrennung nur als Beispiele).
@Jörg: Ich bin immer mal wieder geneigt, zu bremsen, wenn es darum geht, kurz und in kurzen Sätzen, schnell aufnahmefähig u.ä. zu schreiben, da der Leser angeblich im Web keine langen Texte usw. und keine Zeit und all das hat.
Ich halte das erstens für Gerüchte und zweitens für relativ uninteressant. Ich gehe vielmehr davon aus:
Schreibe so, wie es dem eigenen Stil entspricht. Nicht so, wie es einer angeblichen Notwendigkeit entspricht, der man sich aus äußeren Gründen unterwirft. Gar noch im Irrglauben, dass man andernfalls nicht gelesen wird. Leute lesen das, was für sie interessant ist – interessant vom Inhalt als auch vom persönlichen Ausdruck her.
Length doen't matter!
Ich jedenfalls passe meine »Schreibe« nicht irgendwelchen vermeintlichen Anforderungen an webgerechtes Schreiben an, denn das wäre nicht mehr authentisch. Das, was ich schreibe, soll ganz ausdrücklich mehr sein als nach rezeptionswissenschaftlichen Erkenntnissen optimal aufbereitete Informationshäppchen. Selbst dann, wenn ich nur sachlich auf einen Fehler in Wordpress o.ä. aufmerksam machen will.
Wir – als Blogger – sind doch keine Informationslieferanten, sondern Autoren. Jeder mit seinen persönlichen Eigenheiten.
10 | Jörg schreibt am 04.03.2006, 10:33:
@Boris: Individualität beim Schreiben muss bleiben. Unbedingt. Stimme ich Dir auch sofort zu. Dies heißt auch, dass jeder persönlich für sich definiert, wieweit er sich an Vorgaben hält und wieweit nicht.
Ich habe beobachtet, dass es bei vielen Bloggern meist auch etwas Zeit kostet, bis sie nach Start des Weblog ihren Stil gefunden haben. Nicht alles weiß man sofort. Einige Dinge probiert man einfach aus.
Mein Interesse und die Beschäftigung mit dem Thema Schnell-Lesen hat mich aber noch etwas anderes erfahren lassen:
Wir können selbstverständlich schreiben wie wir wollen. Dennoch wird der Leser entscheiden, was er mag und was nicht. Ob wir es wollen oder nicht, es gibt einige (un)geschriebene Gesetze. Entweder man berücksichtigt sie, oder nicht.
- Warum schreibt mancher Autor flüssig und toll?
- Andere lassen mich beim Lesen einschlafen.
Es gibt Nutzergewohnheiten. Nur ein Beispiel zur Verdeutlichung.
Ich hasse persönliche »Bleiwüsten.« Texte, ohne Absätze, zeilenlange Schachtelsätze, Text an Text ohne Gliederung, Struktur, Unterteilung etc.
Wenn ich heute solche Artikel lese, (Beispiele lasse ich jetzt weg), dann muss mich das Thema wirklich stark interessieren. Sonst bin ich einfach wieder weg. Klick. Fertig.
Ich sage nicht, dass man sich sklavisch an bestimmte Regeln halten sollte. Abwechslung ist sicher sehr gut. Und da ich mich gern weiter entwickeln und meinen Schreibstil verbessern möchte, beschäftige ich mich auch mit solchen Themen. Schade nur, dass wir außer den Profis wenig Gedankenaustausch dazu finden.
Bezüglich der unterschiedlichen Charakteristika von Blog-Postings werde ich separat noch schreiben. Ebenso ein spannendes Thema.
Interessanter Punkt: Blogger sind Autoren.
Ich habe manchmal den Eindruck, dass sich mancher darüber gar nicht so klar ist. Egal ob man ein Buch, einen Zeitungsartikel oder ein Web-Posting schreibet, man ist als Autor tätig. Das heißt auch, dass ich alle Aufgaben eines Autoren umsetzen muss. Auch das Handwerk eines Autoren. Spannendes Thema zum Vertiefen!?
11 | Frank Obels schreibt am 06.03.2006, 11:30:
Hallo Jörg,
das mit der Rechtschreibung ist mein persönliches Horrorthema. Und selbst wenn ich Rechtschreibprüfprogramme verwende, es kommen immer verschiedene Ergebnisse bei raus.
Mein Fazit: man kann schreiben wie man will!
Meine Lösung:
ich verwende die Rechtschreibprüfung von GMAIL, die man auch online im Internet findet:
http://orangoo.com/spell/
Die gilt als recht gut und wenn es Änderungen gibt, dann integrieren die das.
Sodele :-)
Folgende Weblogs verweisen auf diesen Beitrag:
» | einfach persoenlich Weblog am 11.08.06 09:18
Duden - Die deutsche Rechtschreibung - Buch & Software
Druckfrisch liegt er auf meinem Tisch. Nach Ankündigung und längerem Warten ging für die neue deutsche Rechtschreibung in die nächste Runde: Das umfassende Standardwerk auf der Grundlage der neuen amtlichen Regeln. Ein interessante... Weiterlesen »
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