Herausforderung Domain-Umzug bei Weblog / Website
06.03.2006 | Google, Suchmaschinen, Webdesign | 14 Kommentare | Print

Ein Domain-Name für ein Projekt will gut und mit Bedacht gewählt sein. Spätere Änderungen können mitunter fatale Folgen haben. Meine Beobachtungen der letzten Tage verstärken diese Erkenntnis mehr und mehr.
Die Änderung eines Domainnamens bei laufender (Internet-)Fahrt kann ganz gehörige Nachteile mit sich bringen. Ob Website oder Weblog ist dabei eigentlich weniger von Bedeutung. Durch die starke Verlinkung mögen Weblogs davon aber noch intensiver betroffen sein.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Weblog wird (zunächst) als Hobby-Projekt aufgebaut und in dem Unterverzeichnis einer Domain platziert. Aus erster Sicht scheint das Vorgehen klar und nahe liegend. So ziemlich jeder wird das bereits mindestens einmal gemacht haben. Soweit auch kein Problem.
- http://domain.de/txt/
oder
- http://txt.domain.de/
Im Verlaufe der nächsten zwei Jahre entwickelt sich das Projekt sehr erfolgreich. Es erreicht viele Verlinkungen, wird bekannt unter dem Projekt-Namen Projekt Beispiel Tipps. Google verzeichnet für das Projekt ob seiner Bekanntheit einen PageRank 7. Werbeeinnahmen werden u.a. durch Partnerschaften mit Google und Amazon generiert.
Eines Tages zieht das Projekt abrupt um und informiert seine Leser, dass es ab sofort nur noch unter dem neuen Domain-Namen:
- http://projektbeispieltipps.de/
zu erreichen ist. Die alte Domain wird weitergeleitet. Alle Seiten sind nach wie vor zu erreichen. Alles scheint in bester Ordnung.
Was bedeutet das Monate danach?
Bei näherer Betrachtung fällt mir auf, dass der Betreiber hier schon etwas klever vorgegangen ist und nicht mit einer total neuen Domain an den Start geht.
Dennoch existiert eine Vielzahl von Links zur alten Domain. Ob es Webseiten, Weblog oder Verzeichnisse betrifft, Originale oder Kopien anbelangt, egal. Auch Trackback-Links und Links von Technorati und Co. zählen dazu. Einiger werden wir uns gar nicht so mehr bewusst sein.
Der Betreiber informiert per Internet seine Leser, die existierenden Verlinkungen auf die Domain auf die neue Adresse zu ändern. Es ist schwer zu sagen, wie viele Links daraufhin wirklich geändert werden. Ein nicht unwesentlicher Anteil der Links, wird aber weder korrigiert noch geändert werden, egal aus welchen Gründen.
Auch die Suchmaschinen müssen, korrekte und richtige Weiterleitungen vorausgesetzt, die neuen Seite erst einmal neu spidern. Möglicherweise entsteht (ungeschickt gemacht) auch doppelter Content. Die Trägheit mancher Suchmaschinen tritt deutlich zu Tage.
Domain-Umzug im Vergleich
Ca. 4-6 Monaten nach dem Umzug sieht die Analyse der beiden Domains in Bezug auf Suchmaschinen, Rankung und Verlinkung nicht besonders rosig aus:
Alte Domain:
PageRank: 7/10 Alexa Rank: 19,654 Incoming Google Links: 4,440 Incoming Yahoo Links: 29,500 Incoming MSN Links: 17,747 Incoming Alexa Links: 74 Overall Incoming Links: 51,761 Outgoing Links: 96
Neue Domain:
PageRank: 5/10 (-2) Alexa Rank: 54,972 (-35.318) Incoming Google Links: 4,440 (-) Incoming Yahoo Links: 3,170 (-26.000) Incoming MSN Links: 11,288 (-6.459) Incoming Alexa Links: 0 (-74) Overall Incoming Links: 18,898 (-32.863) Outgoing Links: 87 (-9)
Besonders augenfällig ist, dass die Domain glatte 2 Punkte an PageRank verloren hat. Doch weit mehr als dieser Fakt zählt wohl der Vergleich der Verlinkung (Backlinks) in den Suchmaschinen. Interessant wäre in diesem Fall in der Tat ein Blick in die Statistiken. Den kann ich natürlich hier nicht bieten.
Trotz allem würde ich erwarten wollen, dass sich die Anzahl der Besucher durch schlechtere Suchmaschinen-Positionen um ein wesentliches Maß reduziert haben. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Die momentanen Veränderungen im Google-Index habe ich jedoch bereits berücksichtigt. Googles Datencenter zeigen momentan eine neue Zahl der Backlinks von gar Null an, was ich allerdings sehr mit Vorsicht betrachten würde.
Mein Fazit & Erkenntnis
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Umzug ist nicht gleich Umzug. Wenn man diesen unbedingt braucht, dann sind wohl einige Punkte dabei mehr zu berücksichtigen.
Habt Ihr Fragen?
Mit meinen Erfahrungen und Dienstleistungen helfe ich Euch gern beratend bei Planung, Installation und Umsetzung Eurer Weblog-Konzepte. Egal ob Standalone-Weblog oder harmonische Integration in eine Website, ein individuelles, persönliches Weblog-Design schafft Wiedererkennungswert und einen guten Start.
Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an die bereits diskutierte Frage:
- Eigene Domain oder Blog bei Weblog-Hoster?
Auch wenn ein Bloghoster ggf. die Seiten unter dem Domainnamen erreichbar macht, tragen mitunter aber die internen Seiten die URL des Blog-Hosters. Werden zu späterem Zeitpunkt die Seiten dann auf eine eigene Domain umgezogen, steht zwangsweise ein Domain-Umzug an.
Wie hoch ist der Preis für die Unabhängigkeit eines Weblog? hatte ich in einem früheren Beitrag gefragt. Ich denke, dass die Schilderung des hier mit Rücksicht neutralisierten Falles neue Denkanstöße geben sollte.
Professionelle Hilfe und strategische Projektplanung können hier viel Ärger ersparen, besonders, wenn das Internet-Projekt Werbeeinnahmen durch Suchmaschinen-Besucher generiert. Bei einigen Projekten sind da ja immerhin mehr als 50 Prozent der Besucher. Ein Einbruch über 6 oder 12 Monate dürfte hier schwer ins Kontor schlagen.
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Kommentare und verweisende Trackbacks
zum Beitrag: Herausforderung Domain-Umzug bei Weblog / Website
Kommentare
1 | Gerald Steffens schreibt am 06.03.2006, 12:28:
Jörg, du schreibst, die alte Domain wird weitergeleitet. Auf welche Art? Das kann nämlich der entscheidende Punkt bei der ganzen Aktion sein.
2 | macx schreibt am 06.03.2006, 14:14:
Ich habe natürlich auch solche Fälle. Meine Essays hiessen damals anders und zeitlich noch weiter in der Vergangenheit lagen die bei einer anderen Domain in Unterverzeichnissen. Von dort leite ich via RewriteRule (.htaccess) und Error 301 auf die neue Domain weiter.
Somit habe ich
- meine neue Domain
- sind die Inhalte weiterhin uneingeschränkt über die alte Domain erreichbar.
- erfahren die Suchmaschinen über den 301 die permanente Änderung
Schwierig wird es einzig nur dann, wenn man alte Domains löschen lässt, dann lässt sich ja auch nichts mehr weiterleiten.
3 | Alexander schreibt am 06.03.2006, 14:36:
Ich habe es ja gerade hinter mir. Von einem kostenlosen Provider auf die eigene Plattform. Das Problem ist, dass man bei einem Blogprovider in der Regel wenig bis keine Möglichkeiten für einen automatischen Redirekt hat.
Einige Tipps:
1. sql-Dump der Datenbank vom Hoster besorgen (ging bei mir mit Blogsome absolut problemlos)
2. Diesen Dump in die neue Datenbank einspielen. Zwei grosse Vorteile: die IDs der Posts bleiben die gleichen (siehe 3.) und man bekommt auch die Kommentare und Trackback-URLs (gut, die sind damit jetzt one-way, aber zusammen mit 3. ists OK) mit.
3. Mit den identischen IDs kann in jedem Beitrag ein Umleitungslink zum gleichen Beitrag im neuen Blog gemacht werden. Beispiel
4. Über den Umzug im Blog prominent informieren.
5. In der ersten Zeit wöchtenlichte Zusammenfassungen der Beiträge im neuen Blog im alten Blog veröffentlichen. Damit bekommt man die Leute, die den Feed noch nicht umgestellt haben.
6. URL des neuen Blogs bei Google eintragen.
7. URL des alten Blogs bei Google löschen lassen. Beschreibung.
Nach anfänglicher Delle sind die Besucherzahlen nach drei Wöchen höher als im alten Blog. Über die Zusammenfassungen und die verlinkten Beiträge im alten Blog kommen ca. 20 % der Besucher auf das neue Blog. Das rentiert sich also.
Ich würde es wieder tun ;-)
4 | Observer schreibt am 06.03.2006, 14:55:
"Höflich" wäre ein "HTTP: 301 - Moved Permanently". Alternativ geht natürlich auch ein entsprechendes mod_rewrite.
5 | Andreas schreibt am 06.03.2006, 15:48:
Ich habe den Eindruck, dass eine 301-Weiterleitung von den Suchmaschinen nicht wirklich korrekt ausgewertet wird. Ich hatte auf jeden Fall nach einer URL Reorganisation (Domainname ist bei mir gleichgeblieben) über mehrere Wochen alte und neue URLs im Google Index, die neuen haben teilweise jetzt noch nicht den Pagerank der alten erreicht.
Allerdings habe ich andererseits den Eindruck, dass die Suchpositionen sich an viel aktuelleren Daten orientieren als PageRank- und Backlink-Anzeige.
Gruß,
Andreas.
6 | Jörg schreibt am 06.03.2006, 17:52:
Wenn Gerald hier nach der Weiterleitung fragt, dann weiß er natürlich genau, dass dieses Detail eine besonders wichtige Rolle spielt.
Aber sowohl Andreas als auch Alexander sprechen interessante Punkte an. Weiterleitungen sind lange nicht so unkritisch und mitunter heiß umstritten. Es gibt die unterschiedlichsten Vorgehensweisen. Wenn Alexander hinterher mehr Besucher hat als vorher spricht das auf alle Fälle für einen gelungenen Umzug.
Mein Beispiel zeigt ebenso wie Alexander seine Erfahrungen, dass fremde (Sub-)Domains längst nicht so unkritisch sind, wie viele oft behaupten. Nachteile machen sich häufig erst dann bemerkbar, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.
7 | Alexander schreibt am 06.03.2006, 19:26:
Ein 301 und ein mod_rewrite funktioniert bei einem eigenen Server, aber nicht bei einem Blog-Hoster. Und auch nicht zwingend bei einem Web-Hoster (z.B. mod_rewrite nicht bei Strato). Gerade bei Blog-Einsteigern hat man oft ein Blog-Hosting (sprechen ja auch einige Argumente dafür) und damit keine Möglichkeit für einen eleganten, automatischen Redirekt.
Ich kann bestätigen, dass der PageRank keine wesentliche Rolle mehr spielt. Mit dem neuen Blog bin ich bei den Visits, die über Google kommen meist unter den ersten 10 bis 20 platziert. Nach drei Wochen, mit PageRank 0.
Etwas Bauchschmerzen hab ich beim doppelten Content im alten und neuen Blog. Deswegen hab ich gleich bei der Umstellung die Robots-Metadaten angepasst (natürlich geht robots.txt bei einem Blog-Hoster nicht...) und vor kurzem die alte Blog-URL bei Google manuell über den bereits geposteten Link in die Löschliste für sofortiges Löschen aus dem Google-Index eingetragen.
8 | Observer schreibt am 07.03.2006, 08:21:
Auf der anderen Seiten müssten wir auch so konsequent sein und sagen: "Ok, wir leiten mit HTTP/301 weiter und es ist uns egal, ob Suchmaschinen das richtig verarbeiten. Wir halten uns an den Standard."
9 | Jörg schreibt am 07.03.2006, 08:44:
Welche Funktionen man bei einem Bloghoster oder Provider im Tarif NICHT hat, merkt man leider meist erst, wenn man sie WIRKLICH braucht. Zugegeben kennt auch nicht jeder die technischen Unterschiede und deren Behandlung von Weiterleitungen. Da steht ein erfolgreiches Blog schon schnell mal einen Schritt vor dem Abgrund.
10 | Observer schreibt am 07.03.2006, 21:02:
Meinst Du nicht auch, dass das eine Folge der "Geiz-ist-geil"-Manie ist? Wer das volle Feature-Set erwartet, aber nur 99 Eurocent im Monat bezahlt, braucht sich doch nicht wundern.
- Da gelangen wir dann allerdings auch recht schnell weg vom eigentlichen Thema, gebe ich ja gerne zu.
11 | Jörg schreibt am 07.03.2006, 21:34:
Alles hat seinen Preis, auch ein gutes Hosting. Bei den heutigen Preisen für eine Domain dürfte für ersthafte Blogger früher oder später eh der Weg zum eigenen Projekt anstehen.
Ohne Kenntnis der Details kann es aber dennoch ggf. zu erheblichen Fehl-Einschätzungen kommen. Der Beitrag sollte darauf aufmerksam machen, dass alle Dinge im Leben zwei Seiten haben, auch wenn die zweite noch unbekannt sein sollte.
12 | Sierk Bornemann schreibt am 28.03.2006, 19:45:
Wer etwas dafür tun möchte, dass sein Google Pagerank nach einem Server-Umzug erhalten bleibt, der sollte sich mal das Essay Googles PageRank-Wert im META-Element einer Webseite festlegen von Lars Kasper näher durchlesen.
Die Warnung am Schluss (Fazit) sollte allerdings beherzigt werden: "Sie sollten nur in Ausnahmefällen den PageRank für Ihre Webseiten selbst festlegen. Dieses stellt nämlich einen großen Eingriff in die Bewertung von Webseiten und Qualität von Google-Suchergebnissen dar. Vertrauen Sie lieber auf die traditionelle Methode der eingehenden Links".
Sierk
13 | Alexander schreibt am 09.08.2006, 16:54:
Manueller Trackback: Spaß hats gemacht...
...Soll ich das Blog auf meiner eigenen Webseite installieren oder lieber einen Blog-Provider nehmen? Da gehen die Meinungen wohl weit auseinander. Jörg Petermann hat schon mal einige Gedanken dazu aufgeschrieben...
14 | Gitarreninstitut schreibt am 17.01.2007, 15:15:
Hallo Jörg,
Wie verhält es sich eigentlich mit dem Pagerank bei folgender Sache:
1. alte Domain (3 Jahre)
2. neuere Domain (1,5 Jahre)
zwei verschiedene Provider. Ähnliche Seiten, verschiedener Content.
Ziehe mit der alten Domain um zum Provider der 1,5 jährigen. Möchte dass die alte TLD auf die neuere TLD weiterleitet..
wird dabei Pagerank vererbt?
Vielen Dank im Voraus!
Folgende Weblogs verweisen auf diesen Beitrag:
» | jurabilis - juristisches Weblog aus Berlin am 19.03.06 15:52
Verödung
Die Zugriffszahlen des alten ...jurabilis! (jurabilis.blogspot.com) nehmen kontinuierlich ab, was darauf hindeutet, dass die neue Adresse (www.jurabilis.de) zumindest schon mal in einige Bookmark-Listen vorgedrungen ist.
Mit den Verlinkungen sieht Weiterlesen »
» | work.innovation Blog am 09.08.06 16:33
Spaß hats gemacht…
...und lange gings gestern beim WendeKreis zum Thema Weblogs von innovativ.in von und mit Elita Wiegand vom Querdenker Blog
Stefanie Berg vom Conosco hat eine schöne, verständliche Einführung ins Thema gemacht und die zahlreichen, seh... Weiterlesen »
Trackback-URL: http://www.einfach-persoenlich.de/m33/etb.cgi/1150
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