Good bye, lieber »Kunde«!

13.03.2006 | Persönlich | 11 Kommentare | Print

Good bye, lieber »Kunde«

Manche Kunden nehmen nicht nur den kleinen Finger. Selbst die ganze Hand ist ihnen immer noch zu wenig. Im Zweifelsfall hilft einfach nur die Reizleine!

Kein Geschäft ist manchmal besser
als ein schlechtes Geschäft!

Ich mag besonders gern mit Menschen und Unternehmen arbeiten, die Leistungen auch zu wertschätzen wissen und dies durch eine gute Zahlungsmoral unterstreichen. Aber jeder hat wohl auch die Bekanntschaft mit Zeitgenossen gemacht, die alles andere als ein gesundes Verhalten in dieser Hinsicht entwickelt haben.

Erst vor kurzem habe ich einen Geschäftsführer kennen lernen dürfen, der daraus keinen Hehl macht. Was mir seine Mitarbeiter lange vor ihm kommuniziert haben, bringt er glatt auf den Punkt: er hat seine Mitarbeiter angewiesen, alle Zahlungen so lange zu schinden, wie möglich!

Auch die wohlwollende Suche nach einem Kompromiss scheint auf keinen fruchtbaren Boden zu fallen. Und so kann ich nur tun, was hoffentlich auch viele seiner Kunden mit ihm tun werden:

»Good bye« sagen!

Der Krug geht solange zu Wasser, bis er bricht

Es mag erste Gründe geben, wo ein Unternehmen nicht anders handeln kann. Aber das merkt man bereits in der Art und Weise, wie sie kommunizieren. Einige Unternehmen hingegen haben wohl dieses Verhalten zu einer olympischen Disziplin erhoben, in der sie unbedingt die Goldmedaille bekommen wollen.

Sie können damit auch einige Zeit Gewinne erzielen, nicht jedoch auf lange Frist. Und die Fristen werden kürzer, je mehr Menschen ganz bewusst entscheiden und Ihnen die rote Karte zeigen.

STOP!

Platz und Freiraum für neue Herausforderungen zu schaffen heißt für mich auch, unnötigen Ballast abzuwerfen. Und so werde ich mich konsequenterweise einmal mehr von einem Kunden trennen, der meinen Auffassungen von seriösen Geschäftsbeziehungen und gegenseitigem Vertrauen offensichtlich nicht entspricht.

Schade eben nur, dass eben solche Verhaltensweise meist negativ auf alle anderen seriös arbeitende Dienstleister abfärbt. Ein Grund mehr sich sonnigen Gemüts darüber zu freuen, dass es wieder einem Unternehmen weniger gelingt.

Manchmal muss man einfach mit dem Bauch abstimmen!
Ich wünsche dem »lieben Kunden« viel Erfolg.
Auf das seine Saat recht bald üppige Früchte trägt.

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Kommentare und verweisende Trackbacks

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Kommentare

1 | Daniel schreibt am 13.03.2006, 10:09:

Ja das kenne ich all zu gut. Ein anderes, ebenfalls gerne auftretendes Syntom, das manche Kunden befällt ist der Anspruch möglichst alles zu möglichst keinem Preis zu bekommen oder der Gedanke, die Firma/GbR ist nur für die eigene Seite zuständig.

Aber ehe man stellt dann mal was in Rechnung... ;-)

Gruß
Daniel

2 | Jörg schreibt am 13.03.2006, 10:47:

Ich pflege mit allen Kunden sehr genaue Absprachen. Lieber kläre ich alle Details im Vorfeld. Ungeachtet dessen mag ich Menschen, die wie ich (scheinbar hoffnungslos veraltet) zu dem stehen, was sie besprochen haben, mündlich oder schriftlich.

Und ich bin damit bisher gut gefahren. Keinen Grund dies zu ändern. Der konkrete Kunde hat das Geld. Nur will er seine Liquidität auf meine Kosten aufbessern.

Ganz ohne Vertrauensvorschuss funktionieren Geschäfte nicht. Bei größeren Dienstleistungen arbeite ich außerdem eh nur noch nach Vorleistung. Da die meist von so vielen Dingen abhängen, wäre alles andere unmöglich.

Aber:
Wir haben alle Einfluss auf das Verhalten von Menschen, mehr als wir denken. Und das Verhalten von Kunden ist eine Reaktion auf unser Verhalten. Wenn keiner eine Leistung zu solchen Bedingungen anbietet, gibt es einen Engpass und es kommt (langfristig schon auch) zu einem Überdenken.

3 | Siegfried schreibt am 13.03.2006, 13:45:

Hi,
absolut richtige Entscheidung. Kein Geschäft ist immer noch besser als ein schlechtes Geschäft. Besser rechtzeitig mit geringen Verlusten aussteigen als bis zum Sankt Nimmerleinstag dem schlechten Geld gutes Geld hinterherzuwerfen.
Über Eines sollte man sich allerdings keine Illusionen machen: Für Dich stehen bereits viele dutzend Ersatz-Webdesigner in den Startlöchern. Und solange Firmen es sich leisten können, die Mitarbeiter (egal ob angestellt oder frei) schneller zu wechseln als die Unterhose, so lange werden diese Firmen auch so weiter machen. Trotzdem richtige Entscheidung.

5 | Alexander Geilhaupt schreibt am 13.03.2006, 15:15:

@Siegfried
Du sprichst ein durch aus existierendes Problem an. Viele Unternehmen, die erst jetzt das Internet für sich entdecken oder - was noch schlimmer ist - vorher den Cousin (ist natürlich ein Schüler) eines Bekannten des Buchhalters die Web Site erstellen ließen, verstehen nicht, warum eine neue Web Site plötzlich einen vierstelligen Betrag wert sein soll. Nur weil alles etwas interaktiver ist.
Das zu vermitteln kostet oft mehr Nerven als die von Daniel angesprochene Problematik.

6 | Arne Junker schreibt am 13.03.2006, 21:59:

Hi,
ich bin auch noch Schüler, arbeite mit einem örtlichen BoS Media Production zusammen und versuche dadurch die Preise nicht kaputt zumachen. Allerdings ist es hier bei uns in der "ländlicheren" Region besonders schlimm. Die Kunden können einfach den Wert eines Webauftrittes nicht einschätzen und wollen diesen auch nicht einsehen. Den Wert eines guten Logos verstehen sie auch nicht.

Schönen Abend,
Arne.

8 | Media Addicted schreibt am 14.03.2006, 10:15:

Wie wahr, wie wahr. Wenn ich mich richtig erinnere, nennt sich das dann "Reaktanzverhalten" :D Ich habe da bisher noch keine schlechten Erfahrungen machen müssen, habe aber mit Blick auf genau diese Problematik so viel wie möglich im Vorfeld geregelt. Das führte zwar immer dazu, dass der Vertrag 12 Seiten lang war und einige Unternehmensvertreter schon ziemlich blöd gucken, wenn man ihnen sowas auf den Tisch legt, aber leider, leider lässt sich allein mit Vertrauen heute in den wenigsten Fällen ein Projekt regeln.

@Jörg: in einem Punkt muss ich dir widersprechen. "Wir haben alle Einfluss auf das Verhalten von Menschen, mehr als wir denken." - Das stimmt leider nicht immer so. Schön wäre es allemal, Fakt ist aber, dass Individuen über relativ fest gefügte Wertehierarchien verfügen, innerhalb derer Entscheidungen getroffen werden, die auch NICHT bewusst-rational ablaufen!

Interessantes Buch dazu, welches sich zudem noch gut lesen lässt: Libet, Benjamin (2005): Mind Time. Wie das Gehirn Bewusstsein erzeugt. Der Mensch hat neurophysiologische Messungen in Entscheidungssitationen durchgeführt aus denen hervorgeht, dass das Gehirn schon entschieden hat, BEVOR die Probanden die Existenz einer Reaktion per Knopfdruck signalisieren können.

10 | Siegfried schreibt am 14.03.2006, 14:41:

Hi,
tja, ich bin zwar nur hobby-Webdesigner und daher weder einem Menschen noch der Zeit verpflichtet, aber ähnliche Probleme kenne ich aus meinem Beruf trotzdem. Ich bin Softwareentwickler und habe oft genug Dinge zu realisieren, bei denen ich bereits im Vorfeld die Probleme der jeweiligen Spezifikationen versuche sehr deutlich zu machen. Wenn es dann hinterher genau wie erwartet problematisch wird, dann bin ich trotzdem Schuld, da ich ja nicht nachdrücklich genug darauf hingewiesen habe. Kommt zum Glück nicht dauernd vor, aber immer noch zu oft. Als Angestellter kann man da aber nicht so einfach "Tschüss" sagen, und für eine Selbstständigkeit fehlen mir sämtliche kaufmännischen Qualifikationen und Talente.

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