Wahlplakateritis & tolle Versprechen

26.03.2006 | Persönlich | 1 Kommentare | Print

Wahlplakateritis & tolle Versprechen

Hilft viel viel? Zumindest gewinne ich den Eindruck, dass nicht nur in der Einschätzung seiner Glaubwürdigkeit mancher Politiker heute etwas an Realitätsverlust leidet. Kein Mensch würde sich von einer Firma wünschen wollen, derart penetrant mit Information zur Kaufentscheidung bombardiert zu werden.

Wer in den vergangenen Tagen durch Sachsen-Anhalt gefahren ist wird unschwer bemerkt haben, wir haben bald wieder die Qual der Wahl. Und das meine ich durchaus im wahren Sinne des Wortes und gleich in mehrfacher Bedeutung:

  • Zeit zur Wahl ist umgekehrt proportional zur Zahl der Wahlplakate
    Zum einen wird auch ohne tiefere Kenntnis des heutigen Datums allen Beobachtern in den letzten Tagen deutlich geworden sein, der Tag der Wahl kommt näher. Die Zeit zur Wahl scheint umgekehrt proportional zur Anzahl der Wahlplakate zu sein. Und so ist es umso mehr erstaunlich, dass ich die Verkehrszeichen bei alle den anderen Hinweis-Schildern überhaupt noch erkennen und gebührend beachten konnte.
  • Tolle Versprechungen: Versprochen oder nur ver-sprochen?
    Es wird versprochen, was das Zeug hält. Und so lesen sich die meisten Texte mehr oder minder wie immer. Während der Eine meint, er sei 100% der richtige, ist der andere auf dem richtigen Weg. Für eine Dritten muss die Richtung stimmen. Während der eine alle sicherheitsbedürftigen Menschen zu erreichen sucht, wollen andere die Unzufriedenheit der Menschen als Treibkraft mobilisieren.
  • Wen beeindrucken eigentlich Wahlplakate?
    Was wäre denn eigentlich, wenn dies alles schon lange viele Menschen gar nicht mehr erreiche würde? Abgestumpft durch die Bombardierung mit Bildern, Slogans und Parolen fragt sich offenbar kaum einer, ob das, was da so zum üblichen Wahlkampfgeldverschwenden geworden ist, eigentlich bei Lichte besehen, noch einen nennenswertes Ergebnis erreicht.

Nachdenken bitter nötig

Angesichts haben wir bei einigen Aktionen dringend die Pflicht, auch mal über Sinn und Unsinn etwas tiefgehender nachzudenken. Oder hat sich allen Ernstes mal einer der Beteiligten gefragt, ob die mündigen Bürgen, mal ganz abgesehen vom Verständnis der hoch geschwollenen Wahlprogramme und Versprechen, nicht selbst lange zuvor eine Entscheidung getroffen haben, wie das auf sie wirkt, was sie da jeden Tage aufs Neue und noch wochenlang danach auf den Straßen sich bieten lassen müssen?

Und manches Mal habe ich beim Anblick der Wahlplakate samt seiner Slogans wirklich den Satz auf der Zunge gehabt:

  • Ist das nun ein Versprechen oder eine Drohung?

Bloß gut oder Gott sei Dank, dass mir darauf keiner ehrlich antworten musste.

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