TagViewer - Taggen bis der Arzt kommt …?

13.04.2006 | Blogger, Blogging, Blogging Tipps | 9 Kommentare | Print

Taggen artet zum wahren Internet-Volkssport aus. Immer mehr Dienste und Angebote kämpfen um die Gunst meiner Aufmerksamkeit. Doch auch TagViewer wird nichts daran ändern, dass mein Tag nur 24 Stunden hat.

… oder der Tag vorüber ist. blinklist, del.icio.us, Digg, edgeio, Flickr, Furl, RawSugar, Reddit, Shadows, StumbleUpon, Technorati, wink, Yahoo! MyWeb2 – die Liste ließe sich (fast) beliebig fortsetzen. Entsprechen umfangreich fallen nun auch die Plugins aus, die eben selbige Tagging-Schnittstellen für die Weblogs anbieten.

  • Wieviel Tagging braucht das Weblog?

Wahrscheinlich wesentlich weniger, als viele neue Dienste dem Nutzer momentan offerieren wollen. Denn irgendwie habe ich ganz wenige Anwendungen erlebt, wo der sinnvolle Einsatz von Tagging heute neue Dimensionen erreicht. Für den Nutzer sollte ein ganz realer neuer Mehrwert beim Tagging erreicht werden.

Ein weiteres Angebot steht uns nun mit TagViewer ins Haus. Die oben aufgelisteten Dienste werden dort auf einer Seite angeboten. Per einfachen Mausklick lassen sich die Ergebnisse bei unterschiedlichen Services abrufen.

Meine Beobachtung

Tagging in einer Anwendung ist das eine. Die sinnvolle Vergabe von Tags und die Nutzung derselben stehen aber auf einem anderen Blatt. Auch wenn wir momentan gute erste Ergebnisse zu verzeichnen habe, meine ich, dass uns der Urknall beim Tagging noch bevor steht. Nicht zuletzt mein auf 24 Stunden begrenzter (Arbeits-)Tag, die ebenso begrenzte Anzahl von gleichzeitig nutzbaren Diensten werden mich vorsichtiger mit Tagging agieren lassen.

Langfristig werden die besten Anwendungen sich durchsetzen. Alles anderen bleiben wohl oder übel auf der Strecke. Reine Evolution. Und so wundert es mich nicht, dass die ersten Blogger bereits kritisch bemerkt haben, dass vor lauter Tagging-Icons die Blogs nicht mehr zu sehen sind. Für meine Begriffe ist diese Art des Blog-Clutters viel schlimmer als die wenigen Google-Ads. Aber das ist ja Gott sei Dank Geschmacksfrage!

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Kommentare und verweisende Trackbacks

zum Beitrag: TagViewer - Taggen bis der Arzt kommt …?

Kommentare

1 | Björn schreibt am 13.04.2006, 16:45:

Komisch, genau darüber habe ich mir heute morgen Gedanken gemacht. Als ich zu einem kurzen Blogbeitrag gleich über 20 "passende" Tags angeboten bekam. Es wird definitiv schon zu viel getaggt, ohne darüber nachzudenken, ob es passt. Das Erleichtert die Informationssuche nicht, im Gegenteil.

Es geht bei der Verwendung von Tags in erster Linie eben nicht darum, nur gefunden zu werden...

2 | Boris schreibt am 13.04.2006, 17:34:

Auf dem vergangenen Webmontag hier in Frankfurt hat Sascha Carlin über das Tagging/Contextizing gesprochen.

Seine kurze, aber klare Argumentation geht genau in die richtige Richtung: Tagging von Ressourcen stellt formale und inhaltliche Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ressourcen her, macht sie in größeren Zusammenhängen verfügbar.

Das geht natürlich über die reine "Kategorisierung" innerhalb des eigenen Rahmens (Blogs) hinaus.

Insoweit ist es m.E. eine sehr interessante Diskussion, ob einerseits die diversen Dienste tatsächlich gut funktionieren (was sie wohl noch nicht tun), und andererseits wir Autoren/Blogger sinnvoll (hinsichtlich formaler wie inhaltlicher Kriterien) »taggen« können.

Aber auch innerhalb des eigenen Blog-Rahmens sollten sich Tags als nützlich erweisen können. So fungieren sie als fein strukturierende Systematik zusätzlich zu den groberen Kategorien.

3 | Gabi schreibt am 13.04.2006, 21:24:

"Tagging" ist nur ein weiteres Produkt unserer Informationsüberflutung. Ein blödes Wort - mir gefällt es nicht. Wer sich (von Informationen) überfluten lässt, ist nicht persönlich organisiert bzw. nicht in der Lage, seine Wünsche und/oder Ansprüche zu kanalisieren.
Weniger ist mehr - das trifft einmal mehr zu.

Imformation ist nicht schlecht, aber nur so lange du weißt, welche Informationen du haben möchtest. Wir (= mein Mann und ich) sind Fans der schottischen Folkmusikergruppe Gruppe "Runrig". Jeden Hinweis zu ihnen nehmen wir dankbar auf, denn die Gruppe ist nicht sonderlich bekannt, obwohl schon seit über 30 Jahren im Geschäft. Da sind wir dankbar über jeden Hinweis - und natürlich über jedes "Tagging" in den Weblogs.

Fazit: Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten - auch beim Tagging.

5 | Alexander schreibt am 14.04.2006, 00:06:

So richtig neu ist das Tagging ja nicht. "Früher" waren Tags Schlagworte und jeder, der mal mit Dokumentenmanagement gearbeitet hat, der kennt das Problem: Schlagworte aka Tags sind nur so gut, wie a) die Einheitlichkeit und b) die Verlässlichkeit in der Verwendung. Dann allerdings sind sie einge gute Möglichkeit, zusammenhängenden Content zu finden.

Seit ich in meinem Blog mit Tags arbeite, ist die Tag-Cloud fast das wichtigste Hilfsmittel geworden. Denn Tags ermöglichen es, Beiträge gezielt zueinander in Beziehung zu setzen, auch und gerade über Kategorien hinweg. Tags verlinken bei mir deshalb innerhalb des Blogs. Zusätzlich werden die angezeigten "related posts" über die Tags gesteuert. Funktioniert, braucht aber (manchmal schwer aufzubringende) Disziplin.

6 | Michael schreibt am 14.04.2006, 00:09:

Auch isoliert für eine Webseite/Blog betrachtet ist Verschlagwortung (Tagging) sicherlich interessant. Ich bin vor ein paar Tagen noch einen Schritt weiter gegangen und habe mit dem Wordpress-Plugin Category Tagging die Möglichkeit geschaffen, die Kategorien als Schlagwörter (Tags) zu verwenden. Meines Erachtens dient auch das zweigleisige Kategorisieren UND Verschlagworten in Blogs nicht unbedingt der Übersicht, außer jemand verwendet die Kategorien wirklich konsequent, sauber und auch mit entsprechenden Unterkategorien, durch welche der Besucher intuitiv navigieren kann. Leider stelle ich oft fest, dass nur wenige Kategorien auf Blogs vorhanden sind, so dass die Kategoriserung für mich als Besucher oft nicht hilfreich ist.

7 | Christoph schreibt am 17.04.2006, 16:21:

Ich habe für mich festgestellt, dass das richtige Verwenden von Tags zu einer enormen Steigerung des Listens in Suchmaschinen führt. So werde ich teilweiser unter dem Suchbegriff "cinema 4d wallpaper" bei Google auf platz 5 gelistet, obwohl ich lediglich 4 Wallpaper davon auf meiner Seite anbiete. Vielleicht ist das Taggen auch deshalb so populär...

8 | WolliW schreibt am 19.04.2006, 00:51:

Ich habe mit Technorati angefangen und konzentriere mich auch erstmal darauf. In meinem Alter wird man konservativ ;-)
Der Erfolg gibt mir aber recht, diverse Tags erreichen enorme Zugriffe über Technorati und auch Google. Muss aber gestehen, das ich die Materie noch nicht vollständig beherrsche.
Lustigerweise findet man mich, wenn man bei Technorati "einfach-persönlich" eingibt, an erster Stelle. Schon seltsam, diese Zuordnung...

In Anlehnung an unsere deutsche Grussform heisst es wohl auch im BlogWeb bald "Guten Tag".... ;-)

9 | Jörg schreibt am 19.04.2006, 06:39:

@WolliW: Wie immer stecken die Potenziale mancher Technik einfach im Verborgenen. Man muss schon etwas näher hinschauen. Der sinnvolle Einsatz von Tags schafft in erster Linie 2 Ergebnisse:

  • siteintern hilft er Inhalte auffindbar und navigierbar zu machen,
  • extern kann er zusätzliche Leser bringen.

Ich habe bewusst die Möglichkeitsform genommen, da in beiden Fällen kein Automatismus existiert und ich auch schon viele Fälle gesehen habe, die für mich nicht mehr sinnvoll aussahen.

Bei Deinen Technorati-Ergebnissen kann ich keine Besonderheiten erkennen. Wer zuletzt über mich schreibt, steht natürlich bei Auflistungen oben. Die reine Suche nach den beiden Wörtern ergab ein anderes Ergebnis.

PS: Aber ich freue mich, dass inzwischen wohl auch mein Blog-Label in den Tags auftaucht. :))

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