Google schaut Kunden ins Wohnzimmer

19.04.2006 | Google, Persönlich, Site intern | 10 Kommentare | Print

Google schaut Kunden ins Wohnzimmer

Google ist dank des Internet schlauer als wir alle denken. Wieder einmal wurde mir überzeugend klar, dass Googles Zukunft schon längst begonnen hat. Und bisweilen ist der Mensch bereits gläserner als wir denken.

Wer bei dieser Aussage bisher nur geschmunzelt hat, dem will ich hier ein kurzes Beispiel dafür geben und auch etwas zum Nachdenken anregen.

Das vorliegende Beispiel basiert auf willkürlich ausgewählten Daten meiner Statistiken. Neugierig wie ich nun mal bin, habe ich etwas ausprobiert, bei dem mir im sprichwörtlichen Sinne des Wortes doch ein wenig die Kinnlade heruntergeklappt ist. Und eben aus diesem Grunde mag ich Euch es einfach einmal zeigen.

Wenn mir das schon so geht, was mag beim Anblick der Bilder erst ein unbedarfter Internet-Surfer denken? Er mag ggf. die unbezahlte nicht von der bezahlten Google-Werbung unterscheiden können. Vielleicht hat er aber auch gerade seine erste Online-Bestellung aufgegeben oder seine erste Webseite fertig gestellt. Wie muss das Erlebnis erst auf ihn wirken?

Neugierig habe ich die Geo Mint Pepper - Maps betrachtet und ein wenig mit dem Zoom gespielt. Nur die USA und Großbritannien sind bisher detailliert digital verfügbar. Alle übrigen Länder werden in der Darstellung nicht weiter aufgelöst.

Dafür ist es mit der Webstatistik beinahe möglich, dem Besucher in den USA in das Wohnzimmer-Fenster oder Arbeitszimmer zu schauen. Als Demonstration habe ich einmal für meinen Leser aus Seattle etwas näher interessiert:

Zoom...

Zoom...

Zoom...

Zoom...

Zoom...

Zoom...

Zoom...

Zoom...

Hier brechen die Google Maps dann ab. Wer einen fotorealistischen Blick ins Wohngebiet haben mag, kann das letzte Bild auch gern in dieser Form darstellen lassen:

Und wer dazu noch wissen will, welche Straßen wie heißen blendet dazu das Kartennetz für das Bild ein:

Auf der einen Seite war ich überrascht, so nah an einen Leser heranzoomen zu können. Andererseits war ich aber dann doch froh, dass seine Türklingel oder der Blick auf sein Fenster nicht mehr möglich war.

Noch gibt es solche Details außerhalb von den USA und GB nicht. Aber gewiss wird das nur eine Frage der Zeit sein. Die technischen Voraussetzungen sind auf alle Fälle dazu gelegt. Wer sich jetzt ein wenig zurücklehnt, wird ggf. doch etwas nachdenklich, was er beim Surfen so alles für Spuren hinterlässt. Ob wir das nun wollen oder nicht, wir sind bereits gläserner als wir meinen. Und da wir das Rad der Zeit nicht einfach anhalten können, ist es wohl an der Zeit, sinnvoll mit solchen Daten umzugehen.

Ich für meinen Teil finde es zwar spannend, wo man mich überall liest. Dennoch mag ich dann einige Statistiken nur mal ab und an und nur aus reiner Neugierde anschauen. Parallel wird es nicht mehr lange dauern, und solche Art Daten sind rund um die Uhr in Taschenuhrgröße verfügbar und weisen uns den Weg, wenn wir einen Menschen zum ersten Mal besuchen wollen.

Manchmal ist es durchaus gut, dass man nur bedingt in die Zukunft schauen kann. Wer neulich angesichts des Videos zu Googles Zukunft im Jahr 2015 gelächelt hat wird merken, dass diese Vorstellung so weit weg gar nicht mehr ist.

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Kommentare und verweisende Trackbacks

zum Beitrag: Google schaut Kunden ins Wohnzimmer

Kommentare

1 | Hans schreibt am 19.04.2006, 19:37:

Du hast recht, einerseits ist es beängstigend, welche Möglichkeiten in Programmen solcher Art stecken. Andererseits eröffnen sie auch viele positiv einzuordnende Möglichkeiten und Chancen für die Zukunft.

Ich selbst mach mir wirklich keine Gedanken mehr in dieser Richtung. Wie sagt der Kölner: Es küt, wie es küt (oder so ähnlich)

2 | Christian schreibt am 19.04.2006, 20:06:

Erschreckend. Dennoch wussten wir doch alle, dass man im Web NIE unsichtbar ist, so sehr sich das auch manche Menschen wünschen oder Hersteller großer Anonymisierungsprogramme versprechen.
Wie Du schon richtig angemerkt hast, ist wichtig wie mit diesen Daten im Endeffekt umgegangen wird. Darauf kommt es an. Es lassen sich viele nützliche Dinge damit anstellen, beispielsweise zur Strafverfolgung. Aber andererseits kann ein "normaler" unbescholtener Bürger auch leicht ausspioniert werden. Deshalb ist auch wichtig, wer diese Daten erhebt und wem sie zur Verfügung gestellt werden.

3 | tc4racer schreibt am 19.04.2006, 20:24:

Für D gibts sowas auch..
Go Yellow

kann mindestens genauso weit reinzoomen wie Google
beängstigend :P

4 | Markus schreibt am 19.04.2006, 21:27:

Ich weiß nicht, ob es so gemeint ist, aber es klingt so, als gehst du davon aus, dass du beim Reinzoomen wirklich das Haus deines Besuchers erwischst.
Stattdessen ist es aber wahrscheinlich so, dass diese Erweiterung nur den Stadtnamen kennt und dich deshalb genau ins Stadtzentrum von Seattle bringt.

Ich halte es für relativ unwahrscheinlich, dass jemand im Seattle Center deine Seite besucht.

5 | Denny schreibt am 19.04.2006, 21:44:

Wir wissen zwar, dass Google wie verrückt Daten sammelt, aber um das zu zeigen, hast du dir im Prinzip den falschen Artikelaufhänger genommen. Denn: In diesem Beispiel macht Google nichts anderes, als Geo-Informationen auf einer Landkarte darzustellen. IMO nicht verwerflich.

Eben diese Geo-Informationen werden aus der letzten bekannten IP-Adresse bzw. dem letzten Hop zwischen deinem Webserver und dem User-PC gewonnen.

Aber wir wissen ja, was du damit ausdrücken willst. Es ist doch eigentlich immer so, jeder Detektiv geht so vor: man nehme viele einzelne kleine Informationen, benutze mehrere kleine Werkzeuge und füge alles zu einem grossen Gesamtbild zusammen.

6 | Japhy schreibt am 19.04.2006, 22:54:

Also ich weiß nicht...
Was du da bekommst ist doch eher die Adresse des Providers, oder bestenfalls die des Verteilerknotens (wie heißt der Fachbegriff dafür?) ...
Vielleicht gibts dort ja auch einen WLAN-Hotspot oder so. Aber so genau kannst du deinen Leser IMHO nicht orten.
Ich würds ja gerne mit meiner IP ausprobieren (und du sagst mir dann in welcher Straße ich wohne), aber wie du bereits erwähnt hast gibts ja für Europa noch keine genauen Daten in den Google-Maps...

8 | maximal smart schreibt am 19.04.2006, 23:22:

und jetzt fehlt nut noch der spruch: wer nichts zu verheimlichen hat ...

aber der gläserne mensch existiert schon wesentlich länger als man glaubt.

man frage einfach nur mal die mitarbeiter, die schon vor 10 jahren bei marketingfirmen mit sitz im ausland und vielen aktivitäten in deutschland gearbeitet haben ...

also, don't panik, es kann nur noch schlimmer werden als wir es uns denken ;-)

9 | Gabi schreibt am 20.04.2006, 00:42:

"Gläsern" sind wir schon seit ewigen Zeiten - heutzutage ist es lediglichlich einfacher hindurchzuschauen und durch die Möglichkeiten des Internet bzw. in diesem Falle Google wird diese Tatsache dem "User Normalo" erschreckend klar.

Doch auch vor Jahrzehnten war der Mensch gläsern. Es war halt nur nicht alles so einfach. Vor 30 oder mehr Jahren hätte ich nur im Telefonbuch nachschlagen müssen, Adressen waren immer angegeben. Ich hätte mich nur ins Auto oder ein anderes Verkehrsmittel setzen müssen und hätte auch so die Möglichkeit gehabt, jedem unbescholtenen Bürger durchs Fenster direkt in die Bratpfanne schauen zu können. Es gab sogar Adreßbücher zu diesen Zeiten. War das etwa mehr Datenschutz als heute? Ich denke nicht. Früher war ich auch verpflichtet, mich ins Telefonbuch eintragen zu lassen, wenn ich ein Telefon besaß (was automtisch einschloß, dass ich Teilnehmer des öffentlichen Telefonnetzes war). Mit Adresse sogar.

10 | Bärbel schreibt am 20.07.2010, 16:53:

Das wird sich noch viel krasser entwickeln, wenn da nicht etwas vom Gesetz verändert wird.
So richtig weiß doch eh keiner mehr, wo was gespeichert wird.

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