Schubladen-Denken! Aber ich passe in keine Schublade!!!

19.05.2006 | Persönlich | 7 Kommentare | Print

Schubladen-Denken! Aber ich passe in keine Schublade

Schuladen-Denken erleichter uns die Arbeit, macht uns stumpf und unsere Wahrnehmung träge. Wir merken es immer wieder dann, wenn ein Mensch mit aller Kraft in keine Schublade passen will.

Sehr oft denken wir in Schubladen. Es ist so einfach. Der Mensch in Schublade 1. Den in Schublade 2. Der Rechte in Schublade 3. Was? Der soll gar in zwei oder drei Schubladen passen? Das kann nicht sein. In eine Schublade muss er.

Was mach ich mit Menschen, die einmalig sind?

Ich bin Mensch, einmalig in meiner Art wie jeder andere Mensch auch. Rein statistisch gibt es keinen zweiten Menschen auf dieser Erde mit meinen individuellen Fertigkeiten und Fähigkeiten, Neigungen, Talenten und persönlichen Eigenheiten. Und das ist gut so!

Wenn wir also einen Menschen (wo auch immer) in eine Schablone pressen wollen, dann geht dies nie ohne Schmerzen. Wir sind unser ganzes Leben lang daran gewöhnt worden, den Menschen nach unserem Bild formen zu wollen.

Warum nur eigentlich, kommen wir nicht auf den Gedanken, jeden Menschen so zu nehmen, wie er ist?

Für alles in unserem Leben haben wir mehr oder weniger viele Schubladen. Selten machen wir uns Gedanken, warum wir so agieren. Nur wenn wieder mal ein Mensch nicht unsere Schubladen passen will, widerspricht oder gar empört ist, merken wir, dass da was nicht stimmen kann.

Wir haben uns aber nicht die Mühe gemacht, die Welt einmal ein paar Momente aus seiner Perspektive zu sehen. Hätten wir es versucht, wären wir sehr schnell darauf gekommen, dass die Welt viel komplizierter ist, als wir sie uns ggf. vorstellen. Vielleicht auch würden wir bemerken, dass unser Bild ein recht schemenhaft einfaches ist und noch vollkommner werden muss.

Und wir würden ernsthaft nachdenken, beginnen den Menschen anders zu sehen.

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Kommentare und verweisende Trackbacks

zum Beitrag: Schubladen-Denken! Aber ich passe in keine Schublade!!!

Kommentare

1 | WolliW schreibt am 20.05.2006, 00:52:

Eine interessante Themen-Parallele findet sich auch bei diesem Beitrag bei Basicthinking
Ich habe dort einen Kommentar geschrieben, der zum Schubladendenken passt. Schliesse mich ja auch nicht davon aus ;-)
Ich denke, wir Menschen brauchen dieses Verfahren, wir müssen alles "einordnen" können um der eigenen Verunsicherung vorzubeugen...

2 | Jan schreibt am 20.05.2006, 00:54:

Was mach ich mit Menschen, die einmalig sind?

Ich packe sie in die einmalig-Schublade?

Nein, Scherz beiseite. Jörg, Du sprichst da ein Problem an, dass die Menschheit wohl schon seit Jahrtausenden beschäftigt. Es wird dieses Problem immer geben. Wir haben gute Schubladen und schlecht Schubladen. Und wer von uns in eine der Schlechten gesteckt wird, bekommt Probleme. Wenn derjenige, der Dich in eine schlechte Schublade steckt, George W. Bush heißt, musst du sogar um dein Leben fürchten.

Es gibt leider viele Menschen auf der Welt, die nicht mal auf die Idee kommen würden, dass es außer ihrer eigenen Perspektive, ihrer Sicht auf die Welt, auch noch andere Sichtweisen geben kann, die mindestens genauso richtig sind.

Ich weiß jetzt nicht, auf welcher Ebene Du jetzt aktuell damit zu tun hattest. In meinem Beruf, ich bin Softwareentwickler, geht es darum, dem Kunden genau zu entlocken, was er haben möchte. Danach gilt es, dies umzusetzen.

Wir haben uns aber nicht die Mühe gemacht, die Welt einmal ein paar Momente aus seiner Perspektive zu sehen.

Wenn man sich diese Mühe nicht macht, ist ein Projekt eigentlich zum Scheitern verurteilt. Wenn man von der Total understanding-Annahme ausgeht und nicht ständig Kontakt mit dem Kunden hält, also einfach persönlich kommuniziert, geht's in die Hose.

Doch dieses Problem stört nicht nur im Job. Seit je her gibt es deswegen Streit zwischen den Menschen. Wir haben den Clash of Cultures, die Debatte um die Leitkultur und Fremdenfeindlichkeit meiner Meinung nach genau wegen dem angesprochenen Problem.

3 | dreamhill schreibt am 20.05.2006, 03:50:

Warum nur eigentlich, kommen wir nicht auf den Gedanken, jeden Menschen so zu nehmen, wie er ist?

Ich möchte gar nicht jeden Menschen so nehmen, wie er ist. Menschen wie Herr Bush, der Angriffskriege führt, oder die Vertreter der Pharmaindustrie, die der 3. Welt bezahlbare AIDS-Medikamente vorenthalten, müssen geändert und NICHT akzeptiert werden...

Viele Grüße
dreamhill

4 | Siegfried schreibt am 20.05.2006, 09:05:

Hi,
naja, das Schubladen-Denken lässt sich wohl kaum vermeiden und ist zunächst mal ein ganz natürlicher Vorgang. Es entspricht einfach dem, wie wir unsere gesamte Umwelt wahrnehmen. Alles, was uns begegnet, wird einer Kategorie zugeordnet. So bilden sich Abstraktionen und Verallgemeinerungen, die uns helfen, mit der Informationsflut fertig zu werden. Würden wir das nicht tun, d.h. würden wir jeden einzelnen Kieselstein als individuell wahrnehmen (was er ja streng genommen ist), wären wir vermutlich nicht fähig, uns unserer Umwelt überhaupt zu stellen.

Das Problem dabei ist also nicht, daß Schubladendenken grundsätzlich schlecht oder falsch ist, sondern eher, daß das bei Menschen nur sehr bedingt anwendbar ist. Insbesondere, wenn man sich seines eigenen Schubladendenkens gar nicht bewusst ist, neigt man dazu, dieses unvermeidbare Schubladendenken unbewusst und damit unreflektiert anzuwenden, auch in unpassenden Fällen. Macht man sich das bewusst, kann man bewusst Ausnamen machen davon. Und man kann sich auch der eingeschränkten Bedeutung von Schubladen bewusst werden. Schubladen können sehr nützlich sein, aber man sollte sie weder überbewerten noch verteufeln.

5 | danofthenorthstar schreibt am 20.05.2006, 18:43:

Ein Schublade ist prinzipiell ein feine Sache. Sie dient einem Ordnungsprinzip. Leider ist dieses Prinzip einem zu strengen Schema unterworfen.

Menschen zwängen nun also hilflose, flauschige Socken in knorrige, kantige Holzschubladen. Will damit sagen, dass alles für Menschen klar verständlich und logisch sein muss.

Ein erhöhtes Maß an Komplexität bereitet scheinbar Angst. So ist der deutsche Wald (der Urwald)auch ein äußerst komplexes Schubladensystem. Alles sieht aber auf den ersten Blick total ungeordnet aus.

Um dieses scheinbare Chaos für den menschlichen Horizont zu vereinfachen, wird erst mal mit dem Hackebeil alles auf die tatsächlich Form einer Schublade zurechtgekloppt.

Das ist schade, denn dabei wird oft mehr kaputt gemacht (Microcosmos), als verstanden.

Verstehen kommt halt von Beobachten. Und aus einer Beobachtung folgt eine Erfahrung. Wahrliche Dummheit ist keine neuen Erfahrungen machen zu können und alles in Schubladen zu stecken, ohne eben vorher "beobachtet" zu haben.

6 | starsky schreibt am 01.12.2008, 04:40:

es ist doch ganz einfach auch wenn ich mich immer versuche dagegen zu wehren weil es falsch ist jeder mensch handelt und das unbewusst nach diesem schubladendenken! wir stecken dinge nicht nur menschen in eine schublabe, sofern es sie gibt. und das immer aus dem selben grund! wir müssen entscheidungen treffen. ständig, immer und überall. das schubladendenken erleichtert uns dieses. es beruht auf erfahrungen, erziehung und dem täglichen umgang mit mitmenschen und, und, und...
damit rechtfertigen wir unsere entscheidungen. beispielsweise beim essen gehen! mal angenommen man war einmal beim koreaner und das essen war schlecht. man will nie wieder zum koreaner gehen auch wenn bei einem anderen, bei dem es vielleicht echt super schmeckt, noch nie gewesen ist!



das schlimme an diesem schubladendenken ist ja... das es nur gut und böse, hell und dunkel, tag und nacht gibt. es gibt nichts dazwischen... meistens zumindest! weil um bspw. menschen einzuordnen braucht einige schubladen!

gruß starsky

7 | Sebastian Monzel schreibt am 08.03.2011, 20:12:

Auch wenn der Beitrag schon älter ist, dennoch ein kleiner Einwurf:
Die Aufgabe eines jeden Menschen ist es, durch das Sammeln von Erfahrungen, die Schubladen soweit zu verkleinern, sodass jeweils nur noch ein Mensch hineinpasst. Ein anderer Ansatz wäre es, die Persönlichkeit eines Menschen "aufzuteilen" und in mehrere in mehreren Schubladen gleichzeitig abzulegen.

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