Macht Klinsmann-Methode in Deutschland Schule?

25.06.2006 | Persönlich | 12 Kommentare | Print

Ungeahnte Motivation und Begeisterung erlebt Deutschland in diesen Tagen. Alle Nationen sind des Lobes voll und erkennen Fussball-Germany selbst nicht wieder. Ein neuer Geist schickt sich an, macht die Klinsmann-Methode bald Schule?

In diesen Tagen ist Deutschland nicht wieder zu erkennen. Und das nicht nur, weil farbenfrohe Bilder die Städte und Fussball-Stadien prägen. Menschen aller Nationen erleben einen friedlichen Sportsgeist. Frische und lebendige Begeisterung steckt viele Beobachter an. Selten hat man den Deutschen dies zugetraut in der Vergangenheit zugetraut. Man ist des Lobes voll.

Überraschend ist auch, dass bis auf wenige Nörgler die ewigen Pessimisten in Deutschland ausgestorben zu sein scheinen. Eine Welle der Zuversicht und des Optimismus lässt den Glauben an Leistungen wachsen, die noch vor wenigen Tagen viele Journalisten den Deutschen nicht zugetraut haben. Als aufmerksamer Zuschauer fragt man sich besorgt, ob man nun in einem anderen Land lebt.

Wahrscheinlicher aber scheint mir, dass lediglich die Sicht auf die Dinge eine andere geworden ist. Nicht kleinlich wird hier auf Negativ-Meldungen geschaut. Vielmehr werden Gemeinsamkeiten in den Vordergrund gestellt. Neu gewonnenes Selbstbewusstsein und eine optimistische Denke lassen uns offenbar Herausforderungen (im wahren Sinne des Wortes) spielend bewältigen, die wir sonst für schlicht unmöglich gehalten hätten.

Klinsmanns Erfolg hat Methode

Klinsmann scheint mit seinem Deutschland-Team in unserem Lande etwas zu schaffen und zu bewegen, was die Politik lange vermisst und gern für sich in Anspruch genommen hätte. Vereint und mit optimistischem Blick traut man sich nicht nur Unmögliches zu. Nein auch der nationale Stolz erwacht zu wahrhaft neuer Größe und setzt eine ungeahnte Motivation und Begeisterung frei.

Was kann alles möglich werden, wenn wir einfach auch neuen Konzepten Vertrauen schenken und neue Leistungsträger unterstützen? Wer es wissen will, muss nur in diesen Tagen sich in Deutschland umsehen.

  • Journalisten entwickeln neue Sichten
  • Optimismus verdrängt pessimistische Aussichten
  • Vertrauen in eigene Leistungsfähigkeit entwickelt ungeahnte Potenziale

Alles scheint machbar. Glaube an Deine Grenzen, und sie sind Deine. Neue Erfolgserlebnisse machen Mut und schaffen neue Begeisterung. Selbst die großen Herausforderungen erscheinen absolut mach- und lösbar. Das muss alle Zweifler einfach anstecken.

Vorbilder schaffen Nachdenken und Nachahmer?

Der Beweis, dass in den Deutschen stecken kann, der ist erbracht. Nun geht es meine ich darum, rechtzeitig die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Dieser Elan muss mit enormen Schwung in den Alltag gerettet werden. So kann ich nur hoffen, dass möglichst viele Menschen in diesen Tagen auch ins persönliche Nachdenken kommen.

  • Wie kann man solche Begeisterung und Motivation hinter landesweite Herausforderungen bündeln und den Menschen selbst bei schwierigen (und manchmal ggf. unmöglichen) Ausgangsvoraussetzungen Mut und Zuversicht zu vermitteln?

Es ist der Geist, der eine Truppe zu neuen Taten motiviert. Ob Fussball-Mannschaft, Unternehmen, Politik oder Gesellschaft: wer eine Vision den Menschen entwickeln kann, gibt Zuversicht und schafft die Motivation, sich über das normale Maß auch bei schwierigen Voraussetzungen anzustrengen.

Wie habe ich meine Definition einmal hier beschrieben?
Vision ist die emotionale Kraft zum Loslaufen

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Kommentare und verweisende Trackbacks

zum Beitrag: Macht Klinsmann-Methode in Deutschland Schule?

Kommentare

1 | Schnurrbart schreibt am 25.06.2006, 13:48:

Ja, irgendwie scheinen alle Probleme verdrängt. Mal sehen, wann sich Deutschland wieder ins Chaos stürzt.

2 | Fritz schreibt am 25.06.2006, 15:44:

"Vision ist die emotionale Kraft zum Loslaufen" - gefällt mir gut.

Und das ist genau der Grund, warum es nach der WM schnell wieder vorbei ist. Unsere Politik ist ja bekennendermaßen visionslos. Oder wo ist die Vision, das Fernziel in der Politik? Was genau will Deutschland sein, ausser der am besten verwaltete Staat?

Schwung braucht positive Energie. Von der Politik tritt allerdings in vielen Bereichen auf die Energiebremse.

Und deshalb wird der Schwung schnell wieder verloren gehen. Schade? Ja.

3 | Jan schreibt am 25.06.2006, 15:45:

Auch ich erkenne meine Landsleute kaum wieder. Ich kann nur hoffen, Jörg, dass die Antwort auf Deine Frage ja! lautet.

Ich wünsche mir, dass sich durch die WM die Anzahl der Optimisten in diesem Land verringert und es weniger Nörgler und Schwarzseher geben wird.

Trotz der Probleme, die ja nun mal da sind, haben wir der Welt und uns selbst zeigen können: Wir können mit Freunden feiern und unseren Spaß haben und dabei die Sorgen mal für ein paar Tage vergessen (sie werden uns schon früh genug wieder einholen).

Und da ich Optimist bin, sage ich mal, dass es sowas von nun an öfter mal passiert.

Wie kann man solche Begeisterung und Motivation hinter landesweite Herausforderungen bündeln und den Menschen selbst bei schwierigen (und manchmal ggf. unmöglichen) Ausgangsvoraussetzungen Mut und Zuversicht zu vermitteln?

Da sind jetzt mal die Führungskräfte dieses Landes gefragt - Politiker, Manager usw: Seht wozu die Deutschen fähig sind, wenn es jemand schafft, sie zu motivieren! Nutzt dieses Potential!

4 | Schuhe Mann schreibt am 25.06.2006, 19:16:

Und was passiert wenn die WM wieder vorbei ist? Oder wenn Deutschland beim nächsten Spiel rausfliegt?

5 | Hilde schreibt am 25.06.2006, 19:30:

Ich habe auch eine Definition:

Deutschland bietet alle Voraussetzungen,
um auszuwandern.

6 | Rauthorim schreibt am 25.06.2006, 21:05:

Generell scheinen mir die Leute momentan wirklich etwas fröhlicher als sonst zu sein. Vielleicht bräuchten wir einfach mehr solche großen Veranstalltungen. Karnevall alleine scheint nicht austureichen um eine gute Stimmung zu verbreiten. ;)

@2 / Fritz:

Da braucht man nur den aktuellen Merkelcast anzuschauen und schon weiß man, dass unsere Politik wirklich visionslos ist...

7 | Daniela schreibt am 26.06.2006, 09:22:

Na, warum denn schon wieder so pessimistisch? Es ist schön bequem, zurückzulehnen und zu sagen na die Politiker & Manager haben ja eh keine Visionen. Jeder einzelne kann Visionen entwickeln und umsetzen! Visionäre Macher wie Klinsi sind gefragt, in jedem Bereich. Jörg hat völlig recht, nutzt Klinsi's Geist, um Deutschland endlich aus dem riesigen Jammertal rauszuführen! Viele Grüsse aus Indien, wo jammern kaum vorkommt, auch wenn es viel mehr zu bejammern gäbe...

8 | FloriDo schreibt am 26.06.2006, 09:57:

Interessant, wie sich in den Kommentaren doch wieder "Deutschland" wiederspiegelt... 50 % der Kommentare haben so einen pessimistischen Nebel um sich...
Warum entwickelt ihr keine Visionen? Und jetzt sagt mir nicht, ihr wärt zu klein, zu bedeutungslos, zu unbekannt. Eine Vision fängt zwar im Kopf an, aber die muss da auch so bald wie möglich raus...

Nein, ich habe keine Vision, ich bin noch jung und darf mir die "Spiegelphase" leisten.

liebe Grüße

9 | Elephas schreibt am 26.06.2006, 15:11:

Ja Deutschland hat sich echt verändert. Schöner Text. Gut geschrieben.

10 | Schnurrbart schreibt am 27.06.2006, 06:25:

@FloriDo "Warum entwickelt ihr keine Visionen?"

Was für Visionen? Alles was ich bieten kann, daran arbeite ich schon. :)

11 | björn schreibt am 27.06.2006, 13:24:

das thema vision ist glaube ich ein ganz wichtiger punkt dabei, denn in der heutigen gesellschaft fehlt es bei zunehmender clusterung der interessensgruppen an einer gemeinsamen verbindenden vision, dem roten faden quasi.

die frage sollte eher lauten, wie konflikte zwischen den interessensgruppen in diesem land überbrückt werden können. derzeit sehe ich das weder bei politik noch bei wirtschaft, gewerkschaften und medien. es braucht eben mit fußball einen gemeinsamen multiplikator.

12 | FloriDo schreibt am 27.06.2006, 14:26:

@Schnurrbart: Das galt denen, die meckern aber nichts vorzubringen haben.
Wenn du mit dem IST-Zustand zufrieden bist, gut. Keiner kann dich zwingen einen SOLL-Zustand haben zu wollen.


Nur geht es halt nicht, den IST-Z. zu kritisieren; aber keinen Vorschlag - der durch die drei "Disney-Phasen"* gegangen ist - zu haben und dafür Hörer zu gewinnen. Das sind für mich "Couch-Potato-Kritiker".

(*)http://de.wikipedia.org/wiki/Walt-Disney-Methode

Folgende Weblogs verweisen auf diesen Beitrag:

» | blog :: weinschenker.name am 27.06.06 16:05

They all love the Germans
Herr S. vom NYBlog hat’s mal wieder am schnellsten gemerkt: Wir Deutschen sind doch größtenteils besser als wir gedacht haben und seit die WM läuft, bekommt das auch der Rest der Welt mit. In einem Artikel von Laura Smith-Park von BBC SPORT we... Weiterlesen »

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