Herausforderung Problem-Zonen Movable Type - ein Feedback
06.07.2006 | Blogger, Blogging Tipps, Movabletype, Weblog - Talk | 6 Kommentare | Print

Jedes Weblog-System hat Schwachstellen. Problem-Zonen von Movable Type kann man aber auf unterschiedlichste Art und Weise zu Leibe gehen. Einige Ansätze beschreibt ein persönliches Feedback für Robert.
Kein Weblog-System hat nur Nachteile. Angestachelt durch Leser habe ich in die Vorzüge von Movable Type einmal zusammengestellt. Wer über die Vorteile eines Systems schreibt, wird prompt auch nach den Nachteilen gefragt.
Dabei macht es sich deutlich, dass neben wirklichen Nachteilen auch eine Menge Vermutungen oder ältere Erfahrungen heute noch das Meinungsbild bestimmen. Danke Robert, dass Du mir den Ball einfach zuspielst, gern will ich versuchen, Deine Fragen etwas zu beantworten.
Gern beziehe ich mich nach dem Beta-Test nun hierbei bereits auf die MT Version 3.3, die in der Final Release Version 3.3b F.R.C. ja vorliegt.
Aktueller geht nimmer!
Problem-Zone 1 - Zeitraubender Aufbau von HTML-Dateien
Die Dauer zum Abspeichern eines neuen Artikels/Kommentars ging mit zunehmender Artikelmenge dramatisch hoch. Das bezieht sich auf die damalige Version 2.66. Was Six Apart (die Herstellerfirma von MT) mittlerweile dagegen getan hat? Keine Ahnung. Ebenso ging es den Usern auf die Nerven, ihre Kommentare zu speichern. Auch das dauerte immer länger.
basicthinking
Wenn eine Software wie Movable Type statische HTML-Dateien generiert, dann braucht dies logischerweise einfach ein wenig Zeit. Ein dynamisches System erfordert dies nicht, da jede Website in Echtzeit bei jedem Abruf neu zusammengebaut wird, besser gesagt werden muss. Movable Type ruft dabei nur (je nach Konfiguration) eine HTML-Datei ab. Das macht schon mal einen Unterschied.
MT 3.3 ist wesentlich schneller beim Generieren der Dateien als MT 2.66, auch noch einmal schneller und effizienter als MT 3.2.
- Redundate Module werden nicht mehr blind kompiliert, sondern gecacht.
- Leere Template-Module werden übersprungen.
- Der Rebuild-Prozess ist überarbeitet, hat mehr Power & Speed.
Aber auch MT 3.3 braucht etwas Zeit.
Entscheidend sind besonders zwei Faktoren dafür:
- Wieviel Dateien müssen auf einmal kompiliert werden?
- Wieviel Templates, Module und Datensätze müssen bearbeitet werden?
Nicht immer müssen alle Dateien neu aufgebaut werden, insbesondere nicht, wenn nur ein Beitrag veröffentlicht werden soll. Dann erstellt MT normalerweise nur:
- der Beitrag,
- das Kategorie-Archiv,
- das Datums-Archiv und
- alle Index-Templates
neu. Alle sich selten ändernden Dateien können aus diesem Prozess ausgeschlossen werden. Man kann Ressourcen schonen. Weitere Zeit und Kraft gewinnt man unter anderem durch:
- Ausschluss von selten erstellten Dateien aus dem Rebuild,
- Gemischter Einsatz von dynamischen und statischen Templates,
- Ressourcenarmes, modulares Template-Design,
- Vermeidung von Last-intensiven Template-Schleifen,
- Abschaltung unnötiger Plugins,
- Leistungsfähiges Hosting,
- Effiziente MT-Einstellungen & Konfiguration,
- Geringe Zahl von Weblog-Templates.
Man baut nur auf, was man wirklich braucht. Ein intelligentes Projekt-Design ist bei großen und individuellen MT-Weblogs mehr denn je erforderlich.
Problem-Zone 2 - Lange Kommentar-Speicherung
Ebenso ging es den Usern auf die Nerven, ihre Kommentare zu speichern. Auch das dauerte immer länger.
basicthinking
Eine lange Kommentarspeicherung hängt ursächlich mit Rebuild-Prozessen zusammen, die beim Speichern des Kommentares im Hintergrund die statischen Seiten neu aufbauen. Wer Problem-Zone 1 in den Griff bekommt, hat automatisch hier ebenso seine Vorteile und Verbesserungen. Wer viele Plugins für allerlei kleine Dinge braucht, bezahlt den Aufwand einfach an dieser Stelle. Deshalb plädiere ich mittlerweile für Weniger ist mehr!
Problem-Zone 3 - Kleine Änderungen bringen großen Aufwand
Und wenn Du erst einmal 2.000 oder 3.000 Artikel geschrieben hattest und dann am Template etwas ändern wolltest… gute Nacht! Damals hatte MT jeden Artikel als HTML-File abgelegt. So musste die MT Engine alle 2.000 Files durchnudeln, um eine winzige Änderung an irgendeiner Stelle des Templates durchzudrücken. Da bist Du schier wahnsinnig geworden!
basicthinking
First breack all the Rules! Auch hier gilt der Grundsatz. Ein intelligent geplantes Weblog-Design nutzt Module, PHP-Includes oder SSI und erzeugt nur die Teile der HTML-Seiten, die jeweils geändert werden müssen. Gemischter dynamischer Betrieb der Seiten verbessert die Effektivität obendrein.
Dann klappt’s auch wieder mit dem Nachbarn. : ))
Problem-Zone 4 - Große Kategorie-Archive
Die Archivdateien (Kategorien und Monatsarchiv) wurden immer dicker. Eine Monatsarchivdatei war so an die 200-250 KB groß. Die muss erstmal geladen werden. Und die Zugriffe auf die alten Archive waren nicht gerade gering. Viel schlimmer: Die Kategorie-Files wurden immer dicker. Denn auch hier legt MT ein HTML-File je Kategorie an. So war zum Schluss die Kategorie Entspannung mal locker 400 KB groß! Projiziert man das Wachstum weiter, wurde einem Angst und Bange :-)
basicthinking
Das Zauberwort heißt auch hier: intelligentes Template-Design. Dynamische Kategorie-Archive in Verbindung mit Paginierung (statisch oder dynamisch) sind effektive Maßnahmen zur Vorbeugung.
Wer zudem viel Content in einem Blog veröffentlicht, sollte ernsthaft darüber nachdenken, wie er mit den beiden Feldern EntryBody (Teaser/Anreizer) und EntryMore (Erweiterter Text) umgeht. Je textlastiger die Kategorie-Seiten, umso größer, behäbiger und langsamer werden die Seiten insgesamt und umgekehrt.
Denken wir also ab und an auch mal an andere Lösungswege. Nicht immer muss es ja der Hersteller sein, vielleicht haben wir einfach nur das System überfordert und betreiben es nahe den technisch sinnvollen Grenzen. Meist ergeben sich beim Nachdenken auch noch andere Handlungsalternativen. Wenn all das nicht mehr reichen sollte, kann man dann ja immer noch die Software wechseln.
Fazit - Know-how der Details macht den Unterschied
MT ist ein System mit unglaublichen Potenzialen. Nachteile werden aber immer einige bleiben. Dennoch kann man viele Nachteile geeignet umschiffen und vermeiden. Viele Kniffe und das tiefere Verständnis für das System stellen sich aber meist erst nach längerer und intensiver Beschäftigung mit der Materie ein.
Nicht jeder mag dafür Zeit und Nerven haben. Aber man kann ja einfach auch jemand fragen, der sich mit dem Thema auskennt. Meist ist der Einkauf von Know-how preiswerter als alle zeitraubende Bastelei im eigenen Keller. :)
Ein schnellerer Erfolg gerade für professionellen Einsatz ist oftmals der Lohn.
PS: Oder würdet Ihr selbst ein Fahrrad konstruieren und bauen,
wenn Ihr einfach nur einmal damit fahren wollt?
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Kommentare und verweisende Trackbacks
zum Beitrag: Herausforderung Problem-Zonen Movable Type - ein Feedback
Kommentare
1 | Jeriko One schreibt am 07.07.2006, 08:16:
Nun hat aber eben nicht jeder die Möglichkeit, sich das Know-How einzukaufen, allein schon wegen finanziellen Mitteln.
Auch denke ich, dass die Zielgruppe von Movable Type eine andere ist, wie von den Machern ja schon selbst gesagt: Man zielt auf Business Blogs und Professionals ab, der gemeine Blogger wird sich vermutlich eher nach anderen System umschauen. Klar, ist eine feine Sache mit statischen HTML-Seiten, auch die Tatsache dass man mehrere Blogs auf einem System aufsetzen kann - nur braucht das der Großteil der Blogger einfach nicht.
Da mich WordPress mittlerweile etwas langweilt und ich auf Version 2.1 warte bevor ich wirklich tiefer in die Materie einsteige, werde ich mich schon mal mit MT beschäftigen, einfach um mal über den Tellerrand zu schauen - ein Umstieg wird für mich aber nicht in Frage kommen.
2 | Netzblogger schreibt am 07.07.2006, 13:31:
Hmm das ist mal wieder ein interessanter Beitrag. Ich habe mir in den letzten Tagen immer mal wieder Gedanken um Dinge gemacht, die ich mir für Wordpress und/oder MT wünschen würde. Ich habe in MT bisher nur "reingeschnuppert" und nutze seit einiger Zeit WP. Ich denke ich werd' mich nacher mal hinsetzen und meine Gedanken mal aufschreiben.
Danke für den Anstoß, Jörg.
3 | Kolloidales Silber schreibt am 09.07.2006, 10:35:
Ich glaube das wird noch zu einem Glaubenskrieg: Wordpress vs. Movable Type
4 | Jeriko One schreibt am 11.07.2006, 23:18:
Glaube ich nicht. Jedes System hat seine Stärken und Schwächen, jeder wird das für ihn sinnvollste einsetzen - oder sich einfach am Anfang für eins entscheiden, weil die Alternative nicht bekannt ist.
5 | Chris schreibt am 16.10.2006, 00:24:
Hi Jörg,
ich stelle mir gerade die Frage, ob man die Paginierung auch für das Individual Entry Template bzw. für die Kommentare nutzen kann? Ich habe teilweise Einträge mit mehr als 50 Kommentaren und würde diese gerne paginieren? Kennst du ein passendes Plugin oder einen pragmatischen Workaround?
Herzliche Grüße,
Chris
6 | Jörg schreibt am 16.10.2006, 06:49:
@Chris: Ein spezielles Plugin kenne ich dafür nicht. Aber es gibt Workarounds, die ich dazu schon öfter gesehen habe:
- Trennung Entries von Kommentar-Seiten, 2 Seiten, 1. Seite Entries, alle oder nur Weiterführung der Kommentare auf Seite 2)
Vorteil: Content, Optimierung Suchmaschinen
Nachteil: Usability der Leser-Kommentare
Eine eigene Lösung kann ich mir über PHP vorstellen. So funktioniert auch das alte Paginierungs-Plugin:
- Seite ist in HTML und wird PHP geparst
- Durch Parameter nach URL wird entweder die Seite 1 oder 2 abgerufen, ggf. vielleicht sogar alle beide.
Weitere Ideen?
Folgende Weblogs verweisen auf diesen Beitrag:
» | einfach persoenlich Weblog am 25.07.06 20:17
Übersicht zur Plugin-Kompatibilität bei Movable Type 3.3
Alle Neuheiten und Updates von MT-Plugins auf einen Blick bekommen Anwender bei Elise, wenn sie sich auf die Suche nach MT 3.3 - Plugins begeben. Dann kann mit einigen Tipps der MT-Test kommen, oder? Die Veröffentlichung von Movable Type 3.3... Weiterlesen »
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