Interview v.Tom Alby: einfach-persoenlich zum Thema Web 2.0

07.11.2006 | Autoren-Gespräch, Blogging, Blogging Tipps, Buch-Tipps, Bücher | 0 Kommentare | Print

Interview von Tom Alby: einfach-persoenlich zum Thema Web 2.0

Tom Alby stellt die Interview-Fragen an Blogger an das Ende seines Buches. Als Auszug daraus hier das Ende des Web 2.0 Buches mit den Frage und Antorten von einfach-persoenlich.

Tom Alby: Web 2.0: Hip oder Hype? (keine Antwort ohne Begründung :-)

ep: Es wird viel Rummel um diesen Begriff gemacht. Jeder mag sich darunter auch etwas anderes vorstellen. Weit weniger als der Rummel um den Begriff sind mir klare und erkennbare Fortschritte und eben Menschen, die sich für eben diesen einsetzen und Gedanken machen. Viele Köche zerreden den Brei zum einen. Zum anderen wird denke ich deutlich, dass die nächste Entwicklungsstufe des Web vor der Tür steht. Fortschritt hat sich immer gegen den Widerstand der Menschen durchgesetzt.

Tom Alby: 3 (oder mehr) Gründe, warum es sich lohnt zu bloggen

ep:

  1. Bloggen lernt man nur durch Bloggen
  2. Persönliche Auseinandersetzung mit Medium
  3. Persönliches PR-Instrument, Online-Journal oder Online-Tagebuch
  4. Präsentation als Experte und Fachmann
  5. Netzwerk-Kontakte mit Gleichgesinnten, Geschäftspartnern und potenziellen Kunden
  6. Interaktive Kommunikation und Feedback

Tom Alby: 3 (oder mehr) Gründe, warum es sich lohnt, Blogs zu lesen (PodCasts zu hören, VideoCasts zu sehen)

ep:

  1. RSS-Feeds (von Blogs) verändern die Lesegewohnheiten der Menschen radikal.
  2. Blogs kann man nur verstehen, wenn man sich damit beschäftigt.
  3. Autoren einzigartig und persönlich kennen lernen durch Studium ihrer Weblogs.
  4. Informationen stehen einzigartig medial vernetzt aufbereitet zur Verfügung.
  5. Aktualität im Sekundentakt rund um die Uhr, schneller ist keine Zeitung.
  6. Individuelle verschiedene Sichtweisen und freie Meinungen unabhängig von geltenen Zwängen und Auflagen.
  7. Informationen werden sinnesspezifisch bedarfsberecht für jeden Einzelnen abrufbar
    (Lesen, Sehen, Hören, Ausprobieren, Erleben,…)

Tom Alby: Was ist die Idee hinter dem einfach-persoenlich-Blog?

ep: Einfach persönlich und mein Motto »Der Mensch macht’s!« sind für mich Programm und Richtlinie zugleich. Mein Weblog ist mit Impulsen, Denkanstößen und Anregungen sowie zahlreichen persönlichen Reflektionen zum einen ein persönliches PR-Instrument und zugleich Dokumentation von fachlichem Know-how und gelebter Praxis sowie einfühlsamer Kommunikation. Als persönliches Experimentierfeld und praktische Referenz ist das Weblog zudem klar und eindeutig persönlich wie fachlich Sprachrohr von und für meine Arbeit und meinen Arbeitsstil. Als Berater, Webdesigner und Internet-Stratege für interaktive Kommunikation widme ich mich mit klarem Schwerpunkt Weblogs & Websites, CSS-Webdesign & Weblog-Design, Optimierung und zunehmend zukunftsorientierten strategischen Internet-Projekten.

Mit dem einfach persönlich Weblog gebe ich voller Dankbarkeit anderen Menschen einen Teil dessen zurück, was ich vorwiegend im amerikanischen, kanadischen, englischen und australischen Bereich in den letzten Jahren gelernt und erworben habe. Verbunden mit den umfangreichen praktischen Erfahrungen, meinen Erlebnissen und meinem beruflichen Background will ich Menschen inspirieren, zu neuen Denkweisen anstoßen und vielfältige Anregungen vermitteln.

Wir alle brauchen im Leben zur rechten Zeit die richtigen Impulse, die uns weiter bringen, Hoffnung und Wegweiser sind. Je früher wir wichtige Impulse im Leben bekommen, desto besser. Im Rahmen meiner Möglichkeiten unterstütze ich Menschen und Unternehmen bei der Bewältigung neuer interessanter Herausforderungen.

Tom Alby: Wie stellen Sie sich den typischen Leser Ihres Blogs vor vor?

ep: Von meinen Lesern weiß ich, dass der Altersdurchschnitt bunt gestreut ist. Vom Schüler bis zum Rentner lesen lange nicht mehr nur Webdesigner mein Weblog. Auch die vielen Beiträge in der deutschen Movable Type-Quelle allein mögen nicht alle Leser spannend finden.

Ein verbindendes Element sind gewiss die Neugier nach interessanten und wissenswerten deutschen Quellen und um das Bloggen selbst. Während viele Weblog mehrheitlich News und Meldungen einfach erneut veröffentlichen, bekomme ich immer wieder Kommentare, Trackbacks und Anfragen zu meine persönlichen Reflektionen zu Weblogs und zum Bloggen.

Wenn es einen typischen Leser geben mag, dann interessieren ihn vielleicht Denkanstöße, Impulse, kreatives Herangehen an bekannte Themen verbunden mit persönlichem Weiterdenken und Anregungen für eigene Aktivitäten. Ein guter Leser meines Blogs sagte mir einmal: »Ich komme jeden Tag bei Dir vorbei. Wenn ich nur eine Idee, einen Hinweis, einen Gedanken oder eine URL mitnehme, dann hat sich der Besuch für mich bereits mehr als gelohnt. Das ist für mich Grund genug.«

Tom Alby: Im Vergleich zu anderen Ländern ist die deutsche Blogosphäre relativ klein. Gleichzeitig hat kaum ein Land eine solche Vielzahl von Zeitungen und Zeitschriften auf dem Markt. Sind die Deutschen zu Medien-Konsumenten erzogen oder gibt es andere Gründe für die Blog-Unlust?

ep: Es mag verschiedenste Ursachen dafür geben, dass die Deutschen Blogs erst noch für sich entdecken mögen. Von der Mentalität her sind wir wohl leider nicht die Schnellsten und Kreativsten. Meist brauchen wir länger, um manche Entwicklung für uns zu entdecken. Doch die Erklärung wäre zu einfach.

In Weblogs wird durch die Kombination bisher bekannter Formen der Publikation im Internet eine neue Art der Kommunikation zum Leben erweckt. Authentische, offene, ehrlichere und interaktivere Kommunikation bedarf eines anderen Umgangs, als viele Menschen gewohnt sind und in deutschen Firmen tagein tagaus antreffen. Auf der Höhe des Kunden ein Geschichte zu erzählen ist etwas anderes als von oben herab die Weisheit eines Unternehmens hinter einer Maske zu verkünden.

Geben vor Nehmen. Wer etwas haben will, muss zunächst etwas Geben wollen und können. In der Masse scheint mir für viele das Nehmen aber vor dem Geben zu kommen. Aus der Mentalität des Mangels heraus tendieren wir allzu oft zu althergebrachten Denkweisen.

Dazu kommt, dass Neues auszuprobieren nicht unbedingt unsere Stärken von Haus aus sind. Der Mangel an kreativen Konzepten paart sich hier mit fehlenden neuen konzeptionellen Ansätzen. Eine interaktive Kommunikation hat zudem eigene (für viele ungewohnte) Gesetze und lässt sich schwer kontrollieren und reglementieren. Probieren geht über Studieren. Wer nicht wagt, gewinnt nicht.
Und auch eines soll nicht vergessen werden. Solange Weblogs vorwiegend mit Onlinetagebüchern selbstdarstellungssüchtiger Privatpersonen gleichgestellt und wenig geschäftliche Fallbeispiele Chancen und Möglichkeiten darstellen, solange ohne tiefere Kenntnis geringschätzend nur Negativmeldungen dominieren oder engagierte Blogger gar beschmunzelt werden, haben wir kaum den Blick nach vorn sondern eher in den Rückspiegel gerichtet.

Mit den Weblogs brach das Monopol für Journlisten und Verlage. Jeder Mensch kann ungehindert und weitestgehend frei mit einer Geschwindigkeit und ohne große Vorbildung im Internet publizieren, die der schreibenden Zunft des Landes zwangsweise die Schweißperlen auf die Stirn treiben muss.

Was wir nicht kennen macht uns Menschen Angst. Erst recht, wenn wir es verteufeln und uns dagegen streuben ohne es aus eigener Erfahrung praktisch erlebt und beurteilt haben zu können.

Bloggen lernen wir nur durch Bloggen. Daran wir sich wenig ändern. Effektiv und professionell zu Bloggen, ein persönliches Design und inhaltlich stimmiges Konzept zu haben ist genauso wichtig wie die richtige Schreibe. Jede dieser Fertigkeiten kann man mühsam in Jahren lernen und vervollkommnen. Oder man fragt einfach jemand, der sich damit auskennt und lässt sich beraten. Erfahrungen heißen Erfahrungen, weil man sie erfahren muss. Hautnah, am eigenen Leib. Könnte man Erfahrungen allein durch Erzählen vermitteln, hießen sie Erzählungen.

Tom Alby: Die Möglichkeit, dass jeder einen Eintrag kommentieren kann, ist ein wesentliches Merkmal eines Blogs. Deutschlands populärstes Blog, das BildBlog lässt keine Kommentare zu. Andere Blogs bieten keinen RSS-Feed, was ein weiteres Blog- Merkmal ist. Ab wann ist ein Blog ein Blog?

ep: Kommentare sind das Salz in der Blogger-Suppe. Interaktivität, ob durch Kommentare oder Trackbacks gefördert und/oder zugelassen, gewollt bzw. toleriert. Wer dem Medium Blog die Interaktivität entzieht, beraubt es wesentlicher Elemente. Ich habe Blogs und die Szene in einer Art und Weise kennen gelernt, die ich hierzulande selten wieder angetroffen habe. Wenn die Kommentare freizügig Know-how diskutieren, nach Lösungen suchen und wichtiger werden als der eigentliche Beitrag, dann bekommt der Leser erst eine Ahnung davon, welche Bedeutung und Power Salz in der Suppe wirklich haben kann. Ansonst schmeckt die Suppe viel zu lasch.

Kommentare zu fördern, zu beantworten und die Diskussion zu führen bzw. moderieren wird bei traffikstarken Blogs allerdings auch zu einem Zeitfaktor, der bedacht das gehändelt werden will. Die Entscheidung muss jeder Betreiber für sich selbst treffen.

Mit weniger Verständnis begegne ich dagegen Blogs, die aufgrund mangelhafter Systemkonfiguration und/oder falscher Softwarewahl Kommentare durch Anmeldung/Authorisierung erschweren (müssen) oder wegen Spamüberflutung die Funktionen gar abschalten.

Tom Alby: Blogs bieten die Möglichkeit der unabhängigen Berichterstattung, abseits der traditionellen Medien, und sie agieren auch als Beobachter dieser Medien (siehe Bildblog). Seit einigen Monaten wird in vielen Zeitungsredaktionen gebloggt. Blog, Artikel im Blog-Gewand, oder ein mehr oder weniger geschickter Versuch, sich von den Blogs nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen?

ep: Ein Blog aufzusetzen und zu starten kann heute (fast) jeder. Wenig Voraussetzungen und los kann es gehen. Auch sind Schreibkenntnisse allein nicht unbedingt der Garant für den Erfolg, vielmehr erleichtern sie es als Handwerkszeug. Das inhaltliche Konzept eines Blogs verbunden mit einer den Leser fesselnden Schreibe macht neben einigen kreativen Zutaten und Erfahrung den Mix aus, den man hingekommen muss, wenn der Versuch keine Eintagsfliege bleiben soll.

Es gibt zwar keine festen Regeln beim Bloggen. Das heißt im Umkehrschluss allerdings nicht, dass es keine klaren Orientierungspunkte dafür gäbe, was ein erfolgreiches Blogs ausmacht und wie man in kürzester Zeit ein Weblog dazu entwickeln kann. Die Zeit wird zeigen, wer hier gut beraten war und beim wem der Wunsch eher Vater des Gedanken geblieben ist.

Tom Alby: Neben den klassischen Medien publizieren nun auch Unternehmen Blogs, Pod- und Videocasts, andere Unternehmen nutzen Blogs für virales Marketing, zum Beispiel indem sie Blogger ein Auto testfahren lassen. PodCasts mit kommerziellem Hintergrund dominieren mittlerweile die iTunes PodCast-Charts (so dass die nicht-kommerziellen Angebote weniger prominent platziert sind). Wird das Publizieren für Jedermann durch kommerzielle Angebote untergraben?

ep: Kommerzielle Angebote stecken meiner Ansicht nach noch recht weit in den Kinderschuhen. Viel mehr ist möglich, wenn man sich ernsthaft mit dem Medium Blog auseinander setzt. Ein Unternehmen mag andere Mittel haben, kommerzielle Angebote in den Markt zu drücken. Der Leser wird entscheiden, was er in welchem Umfang für gut und nützlich befindet. Stimmen Kommunikation, Konzept und Aufbereitung nicht, hilft auch kein Geld das Angebot zu pushen. Ein Erfahrung, die gewiss von einigen Unternehmen noch gemacht werden muss.

Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen.
Je mehr Weblogs es gibt, desto schwerer wird es werden, ein wirklich erfolgreiches Blog am Markt zu positionieren. Auch hier ist Know-how gefragt.

Innovation und Kreativität können mit wenig Budget mehr Nutzeffekte stiften, als viel Geld, dass einfach in der Luft verpufft. Blogs stellen viele althergebrachten Denkschemen auf den Kopf. Vielleicht auch ein Grund, warum ihnen so wenig Aufmerksamkeit und Chancen eingeräumt werden.

Tom Alby: Blogs, PodCasts, VideoCasts... mehr und mehr Informationen, immer weniger Zeit. Ihre Strategie zur Bewältigung der Medienflut?

ep: Auch mit zahlreichen Blogs wird die zur Verfügung stehende Information für den Leser nicht weniger, sondern mehr. Wer eine Zeitlang zur eigenen Orientierung gelesen hat wird bald sein eigenes Selbstmanagement entwickeln müssen. Pareto hat wohl auch aus meiner persönlichen Beobachtung Recht. In 20 Prozent der Angebote steckt auch heute meist 80 Prozent des Informationswertes. Ein intelligentes und effektives Orientieren nach den 20 Prozent der wichtigen Quellen hilft auch hier, über die wichtigsten Dinge informiert zu sein. Ebenso bedarf es von Zeit zu Zeit des Mutes zu Lücke. Viel zu viel wird belanglos und wiederkäuend zu sehen, zu lesen und zu hören sein.

Die Zukunft gehört auch hier der Qualität, inhaltlich wie von der Aufbereitung.

Tom Alby: Ihre Wünsche und Erwartungen an das Web 3.0?

ep: Abgesehen von Web 2 oder Web 3:
Ich wünsche mir ein Web, in dem der Mensch mit seinen Talenten und einzigartigen Fertigkeiten mehr denn je im Mittelpunkt steht. Einfach persönlicher wird es sein, als ich dies heute an so vielen Stellen vorfinde. Überall nutzbar, zugänglich, schlank und orientiert an den Bedürfnissen des Kunden wird es immer mehr darauf ankommen, sich mit seinem Angebote (welcher Art auch immer) gekonnt und auf persönlich einprägsame Art und Weise von den anderen Angeboten unterscheiden zu können.

Jeder kann auf seine Weise einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Vorteile von Webstandards immer mehr herumsprechen und langfristig durchsetzen. Wenn Hersteller sich internationalen Trends verpflichten und ihre Produkte die Quasi-Standards in vollem Umfang unterstützen können wir mit kleinen Schritten bereits ungeahnt viel Verbesserung erreichen.

Anmerkung:
Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an den Carl-Hanser Verlag und seine Presseverantwortliche Frau Anna Markgraf, die dem Abdruck des Interviews freundlich zugestimmt haben.

Details & Informationen zum Web 2.0 Buch

Tom Alby: Web 2.0 - Konzepte, Anwendungen, Technologien
Broschiert: 240 Seiten
Verlag: Hanser Fachbuchverlag;
1. Auflage (erschienen 5. Oktober 2006)
ISBN: 3446409319

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