90 Prozent aller Leser nutzen Online-Angebote ohne eigene Aktivitäten?

15.11.2006 | Blogging Tipps, Persönlich, Site intern | 9 Kommentare | Print

90 Prozent aller Leser nutzen Online-Angebote ohne eigene Aktivitäten

Der Prozentsatz der inaktiven Nutzer von Weblogs und sozialen Kommentaren ist weitaus größer als 90 Prozent. Gewagte These? Die Netzwelt unterliegt dem Wandel der Zeit, Ausnahmen ausgenommen.

Klaus Eck beschrieb letzte Woche in seinem PRBlogger zehn seiner Tipps zum Blog-Networking. Es war ein Beitrag, der meine besondere Aufmerksamkeit gefunden hat. Nicht unbedingt wegen der 10 Tipps, vielmehr waren viele klein andere Fakten im Beitrag enthalten. Impuls für mich, einige davon aufzugreifen und näher zu beleuchten.

Ich kann mich noch gut an Diskussionen hier im Weblog erinnern. Danach kommentierenetwas 5 Prozent der Leser in Weblog. Gewiss hängt das immer ein wenig von der Art und der Strategie, letztlich aber auch wesentlich von der Leserschaft eines Weblog ab.

Im Wandel der Zeiten hat sich auch die Leserschaft gewandelt. Hatten wir damals weitestgehend Fan-Blogger und Insider, kommen heute durch die massenhafte Verbreitung von Weblogs immer mehr Einsteiger und Neuleser dazu. Auch die Browser-Statistiken in meinem Weblog sprechen eine eindeutige Sprache. Der Anteil der Internet Explorer User ist gestiegen, moderat aber immerhin.

These: Nur 1 Prozent der Leser kommentieren

Immer wieder lernen ich am Telefon, per Link und per E-Mail Leser kennen, die sich als mehr oder minder begeisterter Leser entpuppen. Die überwiegende Masse der Leser hat hier selten bis nie aktiv ins Kommentar-Geschehen eingegriffen. Still und ruhig wird mir dann bekannt, schon sehr lange das Weblog zu lesen und aus den verschiedenen Gründen zu schätzen. Die Dunkelziffer liegt dabei gewiss weit höher.

Das alles bringt mich zur Annahme, dass gegenwärtig etwa 1% der Besucher im Weblog kommentiert. Ein sehr enger Kreis von Stammlesern beteiligt sich immer wieder. Genau in Zahlen fassen mag ich diesen nicht.

Probleme & Schwierigkeiten

Bemerkenswert fand ich hingegen auch die Argumente, die Klaus Eck für die Probleme und Schwierigkeiten der Nutzung von Weblogs und sozialen Netzwerken benannte.

  • Unkenntnis der (neuen) Regeln in sozialen Netzwerken
  • Technische Zugangsprobleme zu sozialen Netzwerken
  • Fehlende eigene Erfahrung mit Blogs und sozialen Netzwerken
  • Mehrwert durch Kommentare ist schwer zu erfassen
  • Wenige Leser reagieren auf diesen Mehrwert
  • Wenige kennen die befruchtenden Erlebnisse von guten Beiträgen
  • Angst vor eigenen Kommentaren ohne URL und E-Mail

Und wie oft spielt dabei einer oder mehrere der nachstehenden Gründe eine Rolle?

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Kommentare und verweisende Trackbacks

zum Beitrag: 90 Prozent aller Leser nutzen Online-Angebote ohne eigene Aktivitäten?

Kommentare

1 | Boris schreibt am 15.11.2006, 17:44:

Erst mal eine Anmerkung zu deiner 1. These:
Die Wortstellung ist für das Deutsche zumindest höchst merkwürdig, denn die These bedeutet so eigentlich, dass es ein Prozent Leser gibt, die nur kommentieren. Also gar nicht lesen, sondern nur kommentieren?

Zum Thema:
Ich vermute, dass viele Menschen, gerade Neulinge, das Internet lediglich als passives Konsum-Medium kennengelernt haben und verstehen. Als eine neue, zusätzliche Art Fernsehen und nicht als Medium der Kommunikation. Ich kenne das aus Erfahrung in meinem privaten Umfeld, wo meine Erklärungen, was Weblogs sind, z.T. auf völliges Unverständnis gestoßen sind.

3 | Gabi schreibt am 15.11.2006, 21:42:

Ich denke, es handelt sich bei vielen dieser Leser um Berührungsängste allgemein. Vielleicht fühlen sie sich einfach als "Eindringling" und fürchten vielleicht zuviel Nähe, auch wenn sie nur virtuell ist.

Es gibt auch durchaus die Meinung, dass Blogger eine geschlossene Gruppe sind, in die man sich nicht drängen möchte.

Dass es an technischen Problemen liegt, glaube ich weniger. Die meisten Anwender haben sehr schnell raus, wie man z.B. bei einer Online-Auktion was ersteigert, im Internet Flüge bucht, sich bei einem Freemailer eine Mailadresse anlegt usw. Da kann das Verfassen eines Kommentars in einem Blog doch kaum schwieriger sein.

Und nicht zuletzt ist passiv konsumieren einfacher und bequemer als sich aktiv zu beteiligen.

4 | stefan schreibt am 15.11.2006, 23:40:

Das sind auch meine Erfahrungen bei meinen Weblogs - die täglichen Zugriffe verglichen mit der Anzahl an Kommentaren liegt da sogar noch unter 1%. Das Ganze ist sicherlich von Blog zu Blog unterschiedlich. Es gibt ja Weblogs wo fast auf jeden Beitrag min. 20 Kommentare folgen.
Ich selber schaue und lese ja auch mehr als ich Kommentieren oder Bookmarken kann... Ist auch eine Konzentrationssache und Zeitfrage...

5 | Jörg Petermann schreibt am 16.11.2006, 07:01:

Bei der wachsenden Zahl von Weblogs dürfte immer mehr auch die Zeit ein Engpass für viele Leser werden. Diskussionen werden ggf. nicht so eng verfolgt.

Aber auch der inhaltliche Anspruch fällt mir immer wieder auf. Wenn ich Beiträge von Blondinen-Witzen sehe und den Gehalt der Kommentare dazu vergleiche, dass sind mir 4 gehaltvolle Kommentare in meinen Beiträge offen gestanden lieber als 30 schnell und ohne viel Mehrwert geschriebene Antworten.
Hier macht es auch nicht unbedingt die Masse, vielmehr die Qualität bzw. eben der Nutzerwert für einen Beitrag,

Dem gegenüber beobachte ich allerdings schon, dass viele Neublogger wohl zum einen diesen Mehrwert noch wenig kennengelernt haben und so auch schwer aufnehmen können. Andererseits selbst mit Kommentaren sparsam sind und so Elemente des Blog-Marketings aussparen, die zu einem bekannten und erfolgreichen Weblog dazugehören.

Nutze ich diese Möglichkeiten offensiv, dann kann ich auch das Gegenteil erreichen und Aktivitäten herausfordern. Die Aktivität hängt gewiss auch von der Zielgruppe der Leser und von den Blog-Themen. Einige Effekte fallen nach dem künstlichen Push auch schnell wieder in sich zusammen. Di eZeit wird es bringen.

BTW, eine rege Diskussion im Blog verlangt umso mehr Zeit vor dem PC/Mac, je mehr Leser kommentieren. Wenn nur einmal am Tag geantwortet wird, entsteht in der Regeln nicht unbedingt die anregendste Diskussion.

6 | Siegfried schreibt am 16.11.2006, 09:42:

Ich denke mal, diese Gedanken sind sicher alle richtig. Aber es gibt mMn durchaus einen erklecklichen Anteil an Internetnutzern, die einfach grundsätzlich passiv sind. Selber aktiv werden, das liegt nun mal nicht Jedem. Es ist nun mal einfacher, nur zu konsumieren als selbst zu produzieren. Ich vermute mal, daß dieser Anteil der nicht-Kommentierer sogar der größte ist.

Dazu kommt vielleicht noch ein sehr kleiner Anteil an Lesern, die aus Sicherheitsgründen grundsätzlich Nichts von sich selbst preisgeben. Diese dürftest Du daran erkennen, daß sie Deine Seite nicht direkt, sondern über Anonymisierungsdienste ansurfen. Dieser Anteil dürfte allerdings verschwindend gering sein.

8 | Siegfried schreibt am 16.11.2006, 14:15:

Da kannst Du drauf wetten, daß die Kultur eine Rolle spielt :D Hier in Deutschland gibt es ja immer noch Reste einer Kultur, die einst durch den Satz "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" geprägt wurde. Mich würde in diesem Zusammenhang mal interessieren, wie das eigentlich mit Bloggen und vor Allem mit Kommentaren in Japan aussieht. Dort gibt es ja eine Kultur, deren Maxime lautet "Ein herausstehender Nagel muß eingeschlagen werden". Heißt auf gut neudeutsch: Wer so weit aus der Masse herausragt, daß er sich traut, einen Kommentar abzugeben, muß unbedingt sofort einen auf den Deckel bekommen. Würde mich daher wirklich interessieren, wie das mit der Blog-Kultur dort ist.

9 | Julian Schrader schreibt am 16.11.2006, 17:19:

Ich denke, dass die schon angesprochene Zeit eine sehr wichtige Rolle spielt — einen Kommentar zu hinterlassen bedeutet, anderen die Möglichkeit zu geben, darauf zu antworten.

Ob jetzt aus reinem Interesse am Fortgang der Diskussion oder weil man eventuell sogar eine Frage gestellt hat — man fühlt sich verpflichtet, die Diskussion weiter zu verfolgen. Ich nutze meinen Feedreader zwar, um die neuen Beiträge auf Websites nicht zu verpassen, die ich schätze, aber (noch) nicht, um Diskussionen zu verfolgen.

Den Klick auf den Link "RSS-Kommentar-Feed abonnieren" habe ich bisher noch nicht gemacht — das ist mir dann schon wieder zu unübersichtlich, möchte ich schließlich nicht irgendwelche Kommentarfeeds zwischen meinen 140 anderen Abonnements haben.

Ja — Gruppen anlegen kann hier helfen. Aber das ist vielleicht mal ein Projekt für die nächsten Ferien.

Gruß,
Julian

PS: Bei vielen Blogs lassen sich die Kommentare auch per e-Mail abonnieren — hier kann jedoch dasselbe Problem auftreten: Chaos in der Inbox. Wenn man nicht für Kommentar-Abonnements wieder Regeln einrichtet o.ä. ? zu großer Aufwand.

Folgende Weblogs verweisen auf diesen Beitrag:

» | einfach persoenlich Weblog am 17.11.06 09:27

Wenn keiner NIEMAND etwas gibt, bekommen alle NICHTS!
Für mich ist das Glas immer halb voll. Andere sehen es aber meist halb leer. Heute nun stelle ich mich einmal auf die andere Seite, überspitze den Bogen in die andere Richtung und dramatisiere etwas. Und das aus gutem... Weiterlesen »

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