Wenn keiner NIEMAND etwas gibt, bekommen alle NICHTS!

16.11.2006 | Persönlich | 13 Kommentare | Print

Wenn keiner NIEMAND etwas gibt, bekommen alle NICHTS

Für mich ist das Glas immer halb voll. Andere sehen es aber meist halb leer. Heute nun stelle ich mich einmal auf die andere Seite, überspitze den Bogen in die andere Richtung und dramatisiere etwas. Und das aus gutem Grund.

Auch die Kultur der Weblogs wird wahrscheinlich wenig daran ändern, dass einige Menschen immer satt zu geben haben. Andere aber eher die Nehmer sind, Einheimser, Abräumer, Haben-Menschen, Pfennigfuchser oder einfach Nutznießer. Dabei sehe ich diese wirklich nicht nur negativ. Denn statistisch gesehen ist nur ein kleiner Prozentsatz der Menschen besonders aktiv, leistet überdurchschnittlich viel und ist immer aktiv unterwegs.

Schaue ich mich also heute in der Runde um, dann fallen mir wenige Angebote auf, die wirklich durchschlagend gute Ideen, neue Ansätze und weiterführende Aspekte zum Thema haben. Ein bis zwei Prozent stechen durch Neuheitswert, interessante Angebote und Individualität und besondere Ansprüche und Zielstellungen heraus. Die eigenen Gehirnzellen in Trab zu bringen scheint aber wesentlich schwerer zu sein, als andere für sich arbeiten lassen.

Gemeinsam ist man stärker, denn 1 + 1 > 3

Effizientes Arbeiten erlebe ich in kleinen Gruppen und Netzwerken eher denn in großen Gruppen. Sobald die Gruppen größer werden, nimmt der Anteil der Ineffizienz zu, werden Blindleistungen größer, gewinnen Passsiv-Kultur und Haben-Mentalität die Oberhand.

Und so kam ich auf das Gedanken-Experiment:

Stellt Euch vor alle gehen ins Internet, und keiner ist da der etwas liefert?
Denn wenn niemand etwas gibt, bekommen alle NICHTS!
Wenn uns das nicht einmal zu Nachdenken bringen sollte!

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Kommentare und verweisende Trackbacks

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Kommentare

1 | Stefan schreibt am 16.11.2006, 12:22:

Sehe ich genauso, daher ist alles, was ich publiziere unter CreativeCommon Lizenz.

Wenn ich ein nützliches Tool benutze, zahle ich dem OpenSource-Entwickler ein paar Euro.

Effizientes Arbeiten in kleinen Gruppen ist übrigens auch tragendes Thema im Getting Real Buch von 37signals.

Teamwork wird wohl nach neusten wissenschaftlichen Studien überbewertet. Je mehr Leute, desto geringer wird die Leistung des Einzelnen, da jeder sich darauf verlässt: "irgendwer wird es schon machen".

2 | Jörg Petermann schreibt am 16.11.2006, 12:41:

Was fällt mir dazu ein?

Toll
Ein

Anderer

Machts!

3 | Jan schreibt am 16.11.2006, 12:59:

Das gelieferte Input gegen alle Internet-User /Blogleser aufzurechnen und daraus auf Passsiv-Kultur und Haben-Mentalität zu schließen ist meiner Meinung nach falsch.

Ein bis zwei Prozent stechen durch Neuheitswert, interessante Angebote und Individualität und besondere Ansprüche und Zielstellungen heraus.

Ein bis zwei Prozent klingt erstmal wenig. Aber was heißt wenig in diesem Zusammenhang? Weniger als möglich oder weniger als erhofft? Das ist beides nicht das selbe. Eventuell sollte man die Erwartungen realistisch halten.

Außerdem finde ich, dass die Bezeichnungen Einheimser, Abräumer, Haben-Menschen, Pfennigfuchser oder einfach Nutznießer sehr negativ, fast vorwurfsvoll klingen und dass sie unterstellen, dass die Leute bewusst Informationen zurückhalten.

Es gibt bestimmt auch genügend Fälle, in denen Menschen nicht auf die Idee kommen, der eigene Einfall wäre auch für Andere interessant, man schreibt sein Blog ja auch ungern mit Trivialitäten voll.

Die eigenen Gehirnzellen in Trab zu bringen scheint aber wesentlich schwerer zu sein, als andere für sich arbeiten lassen.

Das liegt in der Natur des Menschen, wäre es anders, wären evtl. schon die alten Griechen auf dem Mond gelandet und wir hätten den Weltfrieden

4 | Rüdiger schreibt am 16.11.2006, 13:28:

Hallo,
>>Denn wenn keine niemand etwas gibt, bekommen alle NICHTS!

"keine", ist ein Tippfehler?

Hierbei stimme ich voll zu- das Internet basiert eigentlich darauf, dass eben auch "gegeben wird" (so hat das Internet ja eigentlich angefangen). Dabei erinnert mich der Artikel irgendwie an den Film "Das Glückprinzip", in dem ein Junge ein Experiment startet: Er beginnt an 3 Personen eine Gute Tag zu vollbringen, diese sollen ihrerseits ebenfalls wieder jeweils an 3 Personen gute Tagen vollbringe, usw.

Gruss Rüdiger

5 | Kai schreibt am 16.11.2006, 14:30:

Der Ansatz ist auf jeden Fall interessant.
Viele Menschen haben ja auch Angst Wissen oder Ideen weiterzugeben, weil sie denken, daß ein anderer dadurch erfolgreicher wird, ohne etwas dafür getan zu haben.

Ich denke, das ist genau der falsche Ansatz.

In dem Moment, in dem ich Informationen weiter reiche, beschäftige ich mich selbst noch einmal damit und festige auch meinen Wissensstand. An dem Zeitpunkt, an dem jemand dann meinen Output aufnimmt, bin ich schon längst weiter. Also immer einen Schritt voraus.

Zum Thema "Geben":

Ich gebe bzw verschenke in meinem Blog einem anderen Blogger der über den noch sehr jungen Blog StyleSpion schreibt, eine Senseo Kaffeemaschine. Quasi als Dankeschön.

(Ok, das war jetzt Werbung, darfst du löschen, wenn es unpassend ist.)

6 | Robert Hartl schreibt am 16.11.2006, 15:44:

Zum Glas eine humoristische Anmerkung: Ein Ingenieur würde sagen, das Glas sei doppelt so groß, wie es sein müsste.

7 | Ernst Probst schreibt am 16.11.2006, 16:11:

"Wenn keiner NIEMAND etwas gibt, bekommen alle NICHTS!" heißt es in diesem Weblog. Dem kann ich nur zustimmen. Besonders ärgerlich ist für mich: Diejenigen, die etwas geben oder machen, werden oft von denen, die nichts geben oder nichts machen, für blöd gehalten, ausgelacht oder sogar beschimpft. Aus diesem Grund meide ich seit längerer Zeit weitgehend so genannte Communities. Wenn man dort einen Vorschlag macht, der anderen helfen soll und einem selbst überhaupt keine Vorteile bringt, gibt es fast immer Leute, die diesen Hinweis völlig falsch verstehen, ihn blöd oder überflüssig finden und es angeblich besser wissen. Bei jeder neuen Idee bzw. jedem Vorhaben gilt - so habe ich mal gelesen - die Formel: Ein Drittel findet es gut, ein Drittel wartet ab, bis es klappt oder nicht klappt, und ein Drittel ist immer dagegen. Mutige und kreative Leute sind demnach eine Minderheit!

8 | Gabi schreibt am 16.11.2006, 17:36:

Geben und nehmen - ich habe da verschiedene Erfahrungen und Sichtweisen.

1.) Geben ist seliger als nehmen - dieses alte Sprichwort bewahrheitet sich immer wieder, wenn ich mich über nette Gästebucheinträge und Mails zu meinen Projekten freue.

2.) "Aus dem Hause Nimm" bin ich auch manchmal - habe ich doch dankbar die Artikel im Blogkarneval aufgenommen. Ich hoffe, dass ich mich eines Tages dafür revanchieren kann.

3.) "Undankbarkeit ist der Welten Lohn": Ich biete für das Blogsystem "Myblog" einige Designvorlagen an - zur kostenlosen Verwendung. Darüber hinaus biete ich an, gegen einen wirklich kleinen Obolus die Designvorlagen einzubinden, damit der Anwender sofort losbloggen kann. Anfangs hagelte es Empörungsmails und meine Layouts wurden als "spießig", "Oma-like" und noch mit einigen schlimmeren Ausdrücken bedacht. Und dass ich überhaupt die Unverschämtheit besäße, für das fix und fertige Vorsetzen noch (ich wiederhole: wirklich wenig) Geld zu verlangen.

Mittlerweile habe ich dieses Projekt aus allen Top- und Linklisten austragen lassen, so dass sich nur noch durch Zufall einige dorthin verirren.

Die Myblog-Klientel ist eine sehr junge Fraktion, aber eine Fraktion, die sich besser denn je auf einem breiten Spektrum dessen, was das Internet an Möglichkeiten zu bieten hat, auskennt. Das allerdings ohne nennenswerte Tiefen. (Es liegt mir fern, diesen Anbieter schlecht zu machen, es handelt sich lediglich um meine Beobachtungen.)
Es ist eine Klientel, die fordert und fordert, ohne zu wissen, dass es fair wäre, eine Gegenleistung dafür zu erbringen.

Ich will mit diesem kleinen Service nicht reich werden. Ich will mich lediglich davor schützen, dass gewisse Gruppen mich fordern und fordern und dabei glauben, sie hätten einen Rechtsanspruch auf mein Wissen, meine Zeit und meine Dienstleistungsbereitschaft.

Der Ton macht die Musik - und wie man in den Wald hereinruft, so schallt es heraus. Ist wie im richtigen Leben. In einem Unternehmen kann man Mitarbeiter zu Höchstleistungen motivieren, wenn man seine Leistungen (die nicht immer "Euro" und "Cent" heißen müssen) honoriert. Ein kleines "Dankeschön" ist es oft, was zumindest mich motiviert, die eine oder andere Sache aufrecht zu erhalten bzw. weiterzuentwickeln.

9 | Manuela schreibt am 16.11.2006, 21:44:

Ich finde ehrlich gesagt, dass es so einfach, wie Du es darstellst, nicht ist. Ich denke dabei z.B. an die von mir veröffentlichten Tutorials zum Thema Photoshop. Da liegen die Downloadzahlen am ersten Tag locker über eintausend. Wenn es hoch kommt, erhalte ich in dieser Zeit vielleicht zehn Kommentare. Das ist wenig, klar. Aber warum veröffentliche die die Tutorials? Nur wegen des Feedbacks? Wenn ich ehrlich bin, nein. Eher schon, weil ich selbst auch auf diese Art lerne, von anderen. Aber auch wenn ich etwas von einer Site mitgenommen habe, schreibe ich nicht immer einen Kommentar. Manchmal aus Zeitmagel, manchmal fehlen mir die Worte, manchmal will ich es und vergesse es dann doch ... Warum soll das bei anderen anders sein? Deshalb finde ich »Einheimser, Abräumer, Haben-Menschen, Pfennigfuchser oder einfach Nutznießer« zu negativ. Das ist das Internet :-).

Den Hinweis auf die großen Gruppen kann ich nur unterstreichen, doch auch die kleinen Gruppen müssen, wie Stefan auch schreibt, nicht effizienter sein als die Einzelperson. Mir fehlt allerdings so ein wenig der Faden vom Nutzniesser zum Netzwerk. Viele sehen das Netz eben als große Bibliothek, Videothek oder als Supermarkt. Da würden sie auch nicht auf die Idee kommen, zu helfen. Und das ist in meinen Augen auch in Ordnung. Es kommt halt immer auf die eigenen Erwartungen, das Thema und die verschiedenen Motivationen an.

12 | Gabi schreibt am 17.11.2006, 21:32:

OT:
lach - die Abkürzung für TEAM kenne ich auch und ich weiß auch, dass dem Inschenör nix zu schwör ist: Fröher wüßt' ik nicht wie man dat schrievt, hüüt bin ik selvens öön ;-))

13 | Stefan Julius schreibt am 18.11.2006, 10:47:

Hallo Jörg Petermann, freue mich hier, auch endlich mal einen Kommentar zu hinterlassen.

Schon seit geraumer Zeit beobachte ich Deinen Blog und finde ihn wirklich toll, natürlich habe ich mir einiges von Dir abgeguckt, da Du ja ein sehr erfahrener Blogger bist.

So nun Schluss mit dem Geseusel und der Heuchelei, um es mal ganz überspitzt auszudrücken.

Nur kurz am Rande bemerkt minus mal minus gibt in der Mathematik plus, auch in der Philosphie wurde diese doppelte Verneinung als rhetorisches Mittel verwendet um etwas positives auszudrücken.

Wenn keiner NIEMAND etwas gibt, bekommen alle NICHTS!

=

Wenn ALLE etwas geben, bekommen alle NICHTS

Hallo Rüdiger, der Auftrag das Internet zu erfinden, wurde damals vom Pentagon mit Sicherheit nicht aus wohltätigen und friedlichen Zwecken an das M.I.T. vergeben. Dahinter verbarg sich ein sehr egoistisches Ziel.

Trotz allem denke ich auch, als das Internet der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurde, herrschte noch ein anderer Spirit, es war ja auch alles neu und durch das Internet entstand wieder ein Freiheitsgefühl, dies herrschte wohl auch nur so lange bis die Skrupellosen und die Regierungen dieser Welt die Macht des Internets erkannten.

Jetzt auf den Hauptpunkt dieser Diskussion zurückkommend, jenes mit dem Wordpress Feature habe ich jetzt einfach mal überlesen, weil ich ja schon fast fertig bin, nicht weiss worum es genau geht, und ich dachte, dass es hier um eine allgemeine Diskussion übers wenige Geben und nur Nehmen geht.

Sorry bin wohl etwas spitzfindig heute, BITTE nicht krumm nehmen

Kann es nicht vielleicht auch sein, dass viele Menschen Angst haben zu geben, und viel lieber nehmen, weil wenn Sie geben würden, könnte es Ihnen ja passieren, wie Ernst Probst es so schön - und für mich durchaus nicht unbekannt - beschrieben hat, dass sie beschimpft würden.

Vielleicht motzen die Nehmenden ja auch nur vor lauter schlechtem Gewissen, dass sie denken nichts vergeleichbares geben zu können.

Hm nur ein Ansatz für eine Begründung, warum so wenig gegeben wird.

Jörg, Dein Experiment hört sich fast genauso an wie dieses:

"Stell Dir vor es wäre Krieg und keiner geht hin."

Was hat uns dieses "Experiment" gebracht, die Grünen usw. ...!

Meiner Meinung nach kann man den Menschen nicht ändern, solange nicht verstanden wird, dass jeder für sich und für sein Tun selbst verantwortlich ist.

Da fällt mir dieser Spiegel Spruch ein, "Wenn ich in den Spiegel schaue, ...!"

Dieses Wissen oder Denken, oder auch dieses Bedürfnis, sich überhaupt ersteinmnal Gedanken darüber zu machen, fehlt vielen Menschen.

Nun ja Verantwortung zu übernehmen ist bestimmt nicht einfach und muss erst durch viele Erfahrungen erlernt werden!

Hoffe ich habe nicht daneben geschossen und konnte auch etwas zu dieser Diskussion beitragen. Es hat mir auf jeden Fall sehr viel Spass gemacht, Danke.! Wünsche allen noch einen schönen Tag.

Greetinx Stefan Julius

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