Blogger sind Blogger und kein Duden!
20.11.2006 | Blogger, Blogging, Blogging Tipps | 10 Kommentare | Print
Was ist Euch lieber: ein fehlerfreier langweiliger Text oder lesefreudig aufgearbeitete Information mit gelegentlichen Stilfehlern? Blogger schreiben Texte und sind Blogger, keine Duden.
Einen Texter erkennt Ihr an seinen Texten, lese ich in den Hinweisen zur Suche eines Werbetexters bei Klaus Gummersbach. Das Layout sollt Ihr dabei nicht überbewerten, denn öfter werden gute Texte durch Designer verschlimmbessert. Wer sich mit dem Layouten von Webseiten, Blogs und damit auch Texten auseinandersetzt, der merkt rasch, dass nicht jeder Text in beliebigen Layouts gleichermaßen ausschaut. Lesbarkeit, Textumbruch und Gesamtlayout werden durch diverse Faktoren des Layouts positiv oder auch negativ beeinflusst.
Den für mich wohl beeindruckendste Erkenntnis will ich Euch aber im Original-Text nicht vorenthalten, denn bei einem Schreiberling kommt es auch auf die Rechtschreibung an:
Achten Sie nicht UNBEDINGT auf Rechtschreibung. Texter sind Texter und keine Duden. Dafür gibt’s das Lektorat. Die Ausdrucksfähigkeit ist entschieden höher zu bewerten.
Klaus Gummersbach
Schreibfluss fördert Lesespaß
Schon immer war es eher mein Ding gute Texte zu schreiben und dann nach der Rechtschreibung und Grammatik Ausschau zu halten. Und da ich an meinen gewissenhaften Talenten immer wieder arbeite, kommt mir auch der eine oder andere Fehler unter. Dank aufmerksamer Leser finde ich diese dann wohl meist heraus. Insbesondere, wenn mir nach der Grobfassung ein Tippfehler immer mal wieder zwischen den Tasten abhanden kommt.
Am besten gelingen die Texte, wenn sie im Fluss der Zeit einfach aus den Fingern gleiten. Wer diesen Fluss durch allzu viel Korrektur unterbricht, schadet aus meiner Erfahrung in erster Linie dem Lesespaß.
Einfach leicht servieren!
Wer dennoch lesen möchte, welche Kriterien für eine Auswahl wichtig sind muss allerdings bei Klaus ganz gehörig aufmerksam lesen. Es würde viel lesefreundlicher gehen, wenn er sein Textgut etwas in Form bringt und dem Online-Leser leichter servieren kann.
Wie das geht verrate ich Euch bei Gelegenheit gern.
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Kommentare und verweisende Trackbacks
zum Beitrag: Blogger sind Blogger und kein Duden!
Kommentare
1 | BenediktRB schreibt am 20.11.2006, 18:41:
Schreiben wie einem der Schnabel gewachsen ist, ist das Stichwort für mich.
Ich finde Texte die geschrieben sind, als würde der Autor sich mit einem unterhalten sehr viel interessanter, als Texte die aussehen wie aus dem Brockhaus.
Wobei es dabei auch auf die Thematik ankommt.
2 | micha schreibt am 20.11.2006, 19:59:
"Am besten gelingen die Texte, wenn sie im Fluss der Zeit einfach aus den Fingern gleiten."
Das muss ja nicht heißen, dass du nach dem Schreiben nicht nochmal drüber schaust und grobe Schnitzer entfernst. ;)
Aber ich weiß, dass man meistens die eigenen Fehler nicht sieht. Ist wohl eine Art Betriebsblindheit.
3 | Boris schreibt am 20.11.2006, 21:29:
Was würden wir sagen, wenn der Organisator unseres Rundfluges sagte, dass unser Pilot so wunderschöne Kurven und Manöver fliegt, so dass man gar nicht auf solche Marginalien zu achten braucht, ob er bei der letzten Wartung wirklich aufmerksam alle Schrauben festgezogen hat?
Würden wir wirklich einsteigen bei einem Piloten, der zwar toll fliegt, sich aber nicht so ernsthaft um seine technische Grundlage dafür kümmert?
Der Vergleich mag hinken, was ich damit sagen will, ist:
Ein der Form nach (Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik) korrekter Text ist für mich der kaum umgehbare Boden, auf dem ein guter Text ruht.
Grob mangelhafte Rechtschreibung, fehlerhafte Grammatik und (meist damit einhergehend) lausiger Stil entwerten m.E. jeden Inhalt.
Natürlich muss man keine Makellosigkeit und Perfektion erwarten, selbst in sorgfältig redigierten Büchern finden sich ab und zu noch Rest-Fehler. Und beim "gemeinen Blogger" muss man das schon gar nicht so akademisch genau nehmen. Darum geht es gar nicht. Es geht vielmehr um die grundlegende Haltung des Schreibers zu seinem Text und zu seinen Lesern.
Im Grunde ist es wie mit standardgemäßem Webdesign: sauberer, fehlerfreier Quellcode ist die Grundvoraussetzung für eine gute Webseite.
Ich sehe das in beiden Fällen - Text wie Webdesign - auch als Sorgfalt und Höflichkeit gegenüber den Lesern an, Fehler so weit wie möglich zu vermeiden.
4 | Jörg schreibt am 20.11.2006, 22:03:
Die Arbeit am schreibenden Talent ist für mich Herausforderung der besonderen Art, jedes Mal aufs Neue. Insofern fand ich es toll, mal eine Bemerkung zu lesen, die den Wert auf den Text legt. Denn zu viele Grauzonen habe ich erlebt, wo es um Feintypografie geht und die Erbsen aufgeschichtet werden.
Grob mangelhafte Rechtschreibung, fehlerhafte Grammatik und (meist damit einhergehend) lausiger Stil entwerten m.E. jeden Inhalt.
Lese ich Deinen Kommentar, Boris, sind wir wohl eher gemeinsamer denn getrennter Meinung. Bei aller Perfektion habe ich aber auch immer wieder selbst erfahren, dass die flüssig aus der Feder geschriebenen Artikel auch mit Abstand genau so wieder von mir geschrieben worden wären.
Dem entgegen lese ich öfter bei journalistischen Profis Texte, die so schwer lesbar sind. Das Weiterlesen ist mir dann meist vergällt. Gerade im Online-Medium liebe ich als schneller Leser mehr Struktur und Gliederung, die Wichtige Aussagen herausheben. Das ist meist beim Schreiben wie der Schnabel gewachsen nicht anzutreffen.
Nur Brockhaus-Lektüre zu lesen wäre all zu langweilig. Nur Perfektion würde keinen Leser zum Kommentar verleiten. Perfektion in Grenzen mag ich allerdings relativieren, wenn mir eigene Gedanken wichtig sind, die anderswo nicht gedacht, geschrieben oder als Impuls zu lesen sind.
Und ich leiste mir, wie heute hier in diesem unvollständigen Beitrag auch immer wieder einen Moment, darüber reflektierend nachzudenken. :)
5 | Jan Theofel schreibt am 21.11.2006, 00:49:
Ich weiß, dass dieses Thema einer meiner großen Schwachpunkte ist. Dennoch finde ich es sehr wichtig wenigsten die gröbsten Schnitzer rauszumachen. Wenigstens einmal mit der Rechtschreibprüfung drüber und zwei oder drei mal durchlesen ist das schon angebracht. Damit findet man zwar lange nicht alles (vgl. die Betriebsblindheit oben) aber die meisten Dreher, Rechtschreibfehler und vergaloppierte Sätze bekommt man damit in den Griff. Darum gehört für unklare Fälle inzwischen auch ein Duden zum Standardinventar in der Nähe meines Schreibtischs.
Ausnahmen davon bilden bei mir nur die Event-Beiträge beispielsweise von Messen, die in möglichst kurzer Zeit entstehen müssen. Dort finde ich es in Ordnung, wenn man die Prüfung einfach nach der Messe in Ruhe nachholt.
6 | Boris schreibt am 21.11.2006, 11:14:
Ich würde noch einen Punkt hinzufügen:
Gerade Rechtschreibung usw. sind Dinge, die mit Übung im Lauf der Zeit geläufig werden. (Mal ganz abgesehen von den Einzelfragen, bei denen auch ich mein Leben lang immer wieder im Duden nachgucken muss ;-)
Es wäre ein ziemlicher Irrglaube anzunehmen, dass der so wie nebenbei "aus dem FF" hingeworfene "authentische" Text etwas ist, das durch formale Kontrolle und Prüfung irgendwie verhindert würde.
Die von mir angesprochene Sorgfalt führt in keiner Weise zu einer bestimmten Art von Text, zu einem bestimmten Charakter des Ausdrucks oder gar zu einer bestimmten Schreibweise. Es ist vielmehr wie in den Künsten: Egal, wie spontan und improvisiert ein Werk wirken soll, die Grundlage jeder guten Kunst ist immer die gründliche Beherrschung des Handwerks.
Ach, da war noch etwas:
Was mir beim Bloggen und Kommentieren inzwischen übrigens neben dem dicken gelben Buch auf dem Schreibtisch angenehm hilft, ist die Rechtschreibprüfung für Formulareingaben (Textareas) im Firefox 2.0.
7 | KG schreibt am 21.11.2006, 18:45:
Hallo Jörg,
freut mich, dass mein kleiner Artikel auf meinem Blog hier Anklang findet. Bezüglich der Lesefreudigkeit der Gestaltung drücke ich jetzt hier stündlich "Reload", da ich natürlich an einer Optimierung meiner Darstellung interessiert bin.
Noch mal zur Erklärung: Natürlich sollte man seine Texte selber schon mal durchlesen, bevor man Sie dem Kunden oder wie hier in einem Blog der Öffentlichkeit präsentiert.
Dennoch weiß ich, dass gerade bei Präsentationen Neunmalkluge Product-Manager gerne mal anmerken, dass "da ein Komma hingehört", wenn es gerade um das Abnicken einer genialen Headline geht.
Schrecklich ist das und nervtötend, weil nicht zur Sache gehörend.
Schlimm finde ich Rechtschreibfehler, wenn's gedruckt ist. Da wurde dann wahrscheinlich am Lektor gespart. Was dumm ist.
Wollte ich nur mal schnell getippt haben, nicht zuletzt, weil ich gerade gelesen habe, dass man mehr kommentieren soll.
Wo habe ich das gleich noch gelesen …?
Lieben Gruß
Klaus
8 | Jörg schreibt am 21.11.2006, 22:13:
@KG: Hallo, willkommen auf meinen Seiten. Mein Beitrag sollte eigentlich noch anders aussehen, aber dann hatte ich in der Tat auf Publish gedrückt.
Es freut mich, dass Du meine Andeutung in der Tat ernst gemeint hast. Damit hatte ich echt nicht gerechnet! :))
Zur Überarbeitung:
Nur aus Spaß an der Freude mag ich dies nicht tun. Da fehlt mir ein wenig die Zeit. Allerdings habe ich als aufmerksamer Beobachter Tipps & Know-how erarbeitet, das mich als Schnell-Leser eher noch anders über die Texte schauen lässt.
Vielleicht finden wir eine Art, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen. :)
9 | Ole schreibt am 22.11.2006, 09:47:
Duden? Ich lese hier immer Duden. Dazu fällt mir folgender Link ein:
10 | Roger Kanzenbach schreibt am 09.01.2007, 07:59:
Wer seinen aktiven Wortschatz verkümmern lässt, endet nach einer endlich langen Zeit in einer Trivialsprache. Zu einem aktiven Wortschatz gehört aus meiner Sicht auch die Beachtung der Rechtschreibung.
"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenze meiner Welt." Wittgenstein
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