Blog-Studie 2007 – Ergebnisbericht über die Informationssuche im Internet
09.02.2007 | Blogging, Blogging Tipps, Persönlich | 3 Kommentare | Print
Sag mir wie Du blogst und ich sage Dir, wer Du bist!
Wie wichtig sind den Menschen in Deutschland Weblogs als neue Recherche-Tools? Das wollten die Universität Leipzig und die Suchmaschine Ask.com Deutschland in einer Umfrage zur Nutzung von Blogs in Erfahrung bringen. Fünf Gruppen von Blog-Nutzern belegen interessante Erkenntnisse und geben Anlass zum Nachdenken.
Prof. Dr. Zerfaß von der Universität Leipzig, Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft, legte heute die Ergebnisse der Blogstudie 2007 der Presse vor.
- Was kennzeichnet die Motivation von Blog-Lesern und Blog-Nutzern?
- Welche Arten von Blog-Nutzern gibt es?
Auf der Suche nach Antworten wurden über 600 Trendsetter und Heavy-Nutzer des Internets befragt. Die Ergebnisse können laut Prof. Dr. Zerfaß als Indikatoren für die zukünftige Entwicklung der Kommunikationslandschaft im Internet interpretiert werden. Deutliche Aussagen zu den Nutzungsgewohnheiten zeigen grundsätzliche Trends auf und geben Anlass und Impulse zum Nachdenken.
- Zielgruppe: Internetnutzer in Deutschland
- Teilnehmer: n=605
- Geschlecht: 39,5 Prozent der Befragten sind Frauen, 60,5 Prozent Männer
- Affinität: 96 Prozent der Befragten nutzen des Internet (mehrmals) täglich
- Alter: 11 bis 73 Jahre, Durchschnitt 32 Jahre
- Zeitraum: 06. bis 30.12.2006
- Methode Online-Umfrage, selbstrekrutierend
- Durchführung: Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig (Prof. Dr. Ansgar Zerfaß, Janine Bogosyan)
Extrovertierte Blogger – konsumorientierte Blog-Leser
Erstmals wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Zerfaß eine Klassifizierung von Blog-Nutzern vorgenommen. Die Blogstudie 2007 macht deutlich, dass Blogger eher extrovertierter, wohingegen Blog-Leser deutlich konsumorientierter sind.
Die Studie unterscheidet 5 Arten von Blog-Nutzern:
- 23,7 % - Wissensdurstige,
suchen Hintergrund-Informationen,
trauen klassischen Medien weniger - 22,8 % - Aktive Konsumenten
suchen aktuelle Produkt-Informationen - 18,9 % - Informations-Sucher
suchen aktuelle Nachrichten - 17.7 % - Selbstdarsteller
haben anderen Menschen etwas zu sagen,
wollen Ärger und Kritik loswerden. - 17.7 % - Social Networker
wollen Kontakt zu Freunden, neue Kontakte knüpfen,
sich mit Menschen austauschen.
Aktive Blogger gehören eher den letzten beiden Gruppen von Blog-Nutzern an. Mehrheitlich bestehen die ersten drei Gruppen dagegen aus Blog-Lesern.
Blog-Nutzer sind »investigative Multiplikatoren«
Blog-Nutzer sind in der Regel Menschen, die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und zudem gut vernetzt sind.
Diese Aussage mögen sich alle PR-Verantwortlichen auf der Zunge zergehen lassen, die heute immer noch überlegen, ob Weblog für die Zukunft wichtig werden. Die Zukunft hat bereits begonnen. Die Studie belegt gerade unter Power-Nutzern eindeutig, dass Informationen verstärkt auch in Blogs gesucht werden.
Aktive Nutzer geben diese (un)mittelbar weiter und werden zu Multiplikatoren. Damit dürfte sich deren wachsende Bedeutung für die Meinungsbildung von morgen deutlich manifestieren. Kaufentscheidungen werden bereits heute nicht zuletzt dank der interaktiven Kommunikation besser und glaubwürdiger auch von privaten Blogs verstärkt und geliefert, als mancher Verantwortliche vielleicht annehmen würde.
Mit ein klein wenig visionärem Ausblick bleibt meine Aussage keine Phrase, sondern wird in nächster Zeit bittere Realität. Blogger & PR: Die Schnellen besiegen die Langsamen, nicht die Großen die Kleinen
Blogs als Grundlage der Meinungsbildung von Morgen?
Bei dem Einfluss von Weblog auf die öffentliche Meinung gehen die Meinungen recht weit auseinander. 55,4 Prozent der Blog-Nutzer meinen, dass Bloginhalte Einfluss auf die öffentliche Meinung haben. 53,8 Prozent trauen diesen sogar zu, gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken. Dem widersprechen 41,1 Prozent der Blog-Nutzer.
Die Bedeutung von Blogs für Meinungsbildung in Prozent:
- 69,3 % - Fachblogs
- 62,7 % - Journalistische Blogs
- 56,3 % - Medienblogs
- 51,0 % - Private Blogs
- 29,8 % - Corporate Blogs
Fachblogs, Blogs von Medien u. Journalisten sind demnach wichtige Impulsgeber für neue Ideen, Themen und Meinungen. Ebenso nehmen die privaten Blogs einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung.
Corporate Blogs sind weniger stark in der Wahrnehmung der Blog-Nutzer präsent. Lediglich ein Drittel der Nutzer bedienen sich deren Informationen zur eigenen Meinungsbildung.
Glaubwürdigkeit von Corporate Blogs auf dem Prüfstand?
Die Glaubwürdigkeit von Blogs spielt erwartungsgemäß eine große Rolle. Auch für das schlechte Abschneiden von Corporate Blogs dürfte eben dieser Aspekt der Kommunikation entscheidende Auswirkungen haben.
Welche Blogs sind demnach nicht glaubwürdig?
- 26,4 % - Corporate Blogs
- 12,1 % - Private Blogs
- 7,2 % - Journalistische Blogs
- 4,4 % - Medienblogs
- 2,1 % - Fachblogs
Besonders zwei Aussagen sollten hier den Blog-Skeptikern zu denken geben:
- Fachblogs genießen mit Abstand das höchste Vertrauen.
- Nur 12,1 % der Blog-Nutzer trauen privaten Blogs nicht.
Verschwindende 2,1 Prozent der Fachblog-Leser trauen diesen Inhalten nicht. Diese Ergebnisse erreichen selbst Medien- und Journalistenblogs nicht.
Mein Fazit
Interessante Fakten belegen die Tatsachen, die viele Blognutzer und Blogger bereits am eigenen Leib erlebt, als Trend gespürt und persönlich wahrgenommen haben dürften deutlich. Manchem Zweifler sollte anhand der vorliegenden Daten klar werden, dass der Geist aus der Flasche ist und nicht mehr in diese zurück gesperrt werden kann, auch wenn sich das manche gerne wünschen würden.
Ebenso sollte aber auch deutlich werden, dass die Entwicklung in Deutschland erst in einem frühen Stadium ist. Viele Potenziale von Blogs sind noch offen. Die Meinungen über Blogs und deren Nutzung differieren. Die Glaubwürdigkeit der Blogger-Landschaft bleibt umstritten, solange die Blogger als Führer von Tagebüchern und Online-Journalen angesehen und vielfach noch müde belächelt werden.
Das Ansehen von Fachblogs aber dürfte zu Recht gestärkt sein. Glaubhafte Inhalte sorgen für Anerkennung und Akzeptanz unter den Lesern. Fachkenntnisse und Kompetenz stehen hoch in der Gunst der Information Suchenden. Qualitative Inhalte, interessante Konzepte und journalistische Kompetenzen der Schreiber werden den Journalisten- und Medienblogs interessante Alternativen präsentieren.
Wenn den Bloggern zur Begeisterung und ihrem Engagement die Anerkennung der breiten Lesermasse zuteil wird, dürfte es für etablierte Medien einmal mehr schwer sein, die bisherigen Defizite in der Kommunikationskultur auszugleichen. Raum für alle Menschen, die etwas zu schreiben haben, ist meiner Meinung nach aber mehr als genug da. Es liegt wohl ganz in unserer Hand, ob wir die Welt mit den Augen der Vielfalt oder des Mangels jeden Tag neu entdecken können.
Ich freue mich auf Eure Meinung und persönliche Sichtweisen in eigenen Beiträgen oder einfach als Kommentar, der die Suppe wieder schmackhafter macht.
Der Beitrag wurde während des 2. Business-Blog-Karnevals im deutschsprachigen Raum erstellt und ist Bestandteil des Wissensdossiers PR & Medienarbeit. Mehr Informationen erfolgreicher PR & Medienarbeit sind im Projekt Erfolg & PR dokumentiert.