Menschen – kleine Dinge machen oft den gewaltigen Unterschied

28.02.2007 | Persönlich | 7 Kommentare | Print

Menschen – kleine Dinge machen oft den gewaltigen Unterschied

Wie sehr Menschen sich allein durch ihr Auftreten und ihre Art von anderen Zeitgenossen positiv abheben und hervorstechen, habe ich am Wochenende wieder einmal auf beeindruckende Weise erleben dürfen. Einfach persönlich große Klasse!

Als ich nach einer längeren Einkaufstour mit meiner Frau zielgerichtet ein Eiskaffee ansteuere, ahne ich noch nicht, was meine Aufmerksamkeit wenige Minuten später fesseln wird.

Geschafft und fußlahm finden wir im Eiscafé gerade noch einen Platz. Es geht zur besten Nachmittagszeit zu. Das Stimmengewirr der Besucher mischt sich unentwegt mit den Fragen und Kommentaren der Bedienung. Gleiche mehrer junge Frauen, dem Aussehen nach Schüler oder Studenten, haben alle Hände voll zu tun, alle Bestellungen entgegen zu nehmen, klappernd das Geschirr abzuräumen und die begierig wartende Gäste mit dem Eis- und Kaffeewaren zu versorgen.

Mir wird klar, dass ich bis zum wohlverdienten Cappuccino wohl etwas Geduld mitbringen muss. Unwillkürlich beobachte ich die jungen Frauen bei ihrer Arbeit. Ihre Körpersprache verrät große Sorgfalt und Achtsamkeit beim Arbeiten. Sie müssen den Job wohl noch nicht so lange machen. Interessiert bemerke ich, wie eine junge Frau in Biosandalen akribisch ein Tisch abgeräumt und auf einem Tablett verstaut. Dabei ist ihr die zur Uniform des Personals gehörige orange Krawatte mehr als einmal im Weg. Die Anspannung und Konzentration ist ihr anzumerken.

Erstaunt fällt mir eine gewisse Teilnahmslosigkeit von zwei weiteren jungen Frauen auf. Während sie die Gäste bewirten sind sie freundlich. Ihre Gesichter aber verraten leicht nervöse Gereiztheit. Der starke Besucherverkehr verlangt ihnen offenbar einiges ab. Geld zu verdienen hatten sie sich in einem Eiskaffee offenbar noch etwas anders vorgestellt. Was Körpersprache doch alle kommunizieren kann?

Mitten in meinen Überlegungen werde ich von einer jungen Frau unterbrochen, die an unseren Tisch tritt und mich einer sympathischen Freundlichkeit, lächelnd nach unseren Wünschen fragt. Wir verweisen auf die appetitlich dreinschauenden Bilder der Karte und äußern unsere Wünsche.

Für einen Moment bin ich echt verdutzt. Statt Teilnahmslosigkeit erlebe ich natürlich Freundlichkeit, statt reger Betriebsamkeit ruhige Erklärungen – was für ein Unterschied. Die junge schwarzhaarige junge Frau lächelt uns an und erklärt einfühlsam, dass die Portion für eine Person wohl etwas viel sein kann und bittet uns dies bei unserer Bestellung zu bedenken.

Wir nehmen die Anregung gern an und teilen uns die lecker aussehende Schokoportion. Und während die junge Frau unsere Wünsch eifrig notiert, kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass sie doch bitte dann an das doppelte Werkzeug denken mag. Verblüfft muss ich ihr meinen Wunsch wiederholen, denn mein Wunsch war so gänzlich abseits ihrer Erwartung. Mit einem verschmitzen Lächeln quittiert sie nickend mein Schmunzeln und ist schon unterwegs zum Tresen.

Einige Zeit später werden die Cappuccino samt der Schokoportion an unseren Tisch gebracht. Die Körpersprache der Kollegin holt mich augenblicklich wieder in die Realität zurück. Weitgehend ohne persönliche Regung erhalten wir die Bestellung. Das fehlende doppelte Werkzeug muss uns nachgereicht werden. Na dann, guten Appetit.

Beim Verspeisen der Schokoportion haben meine Frau und ich offenbar nur ein Thema – die natürliche Freundlichkeit der jungen Frau. Spontan ist meine Frau begeistert durch die nette Bedienung auch bereit, ein größeres Trinkgeld zu geben. Immerhin hat sie weniger Umsatz gemacht, dafür aber vielleicht erreicht, dass wir das Kaffee zukünftig einmal öfter besuchen werden.

Die nette freundliche Art der jungen Frau hat mich begeistert. Freundlich lächelnd und mit einem Dankeschön quittiert sie, als ich den Zahlbetrag nach oben korrigiere. Auf meine Frage, was sie denn beruflich einmal vorhat, antwortet sie spontan und ohne großes Erstaunen, dass sie sich für eine Tätigkeit im Außenministerium der Bundesrepublik Deutschland interessiere. Die ruhigen, bestimmt geäußerten Worte lassen dabei keinen Zweifel offen, dass sie weiß, was sie will. Erneut zeigt sich ein freundliches Lächeln auf ihrem Gesicht, als wäre gerade ihr größter Wunsch in Erfüllung gegangen.

Bevor ich reagieren kann ist sie dann auch schon wieder verschwunden. Der nächste Gast wartet bereits und möchte gern bezahlen.

Während wir zum Aufbruch rüsten und das Café verlassen, freue ich mich ungemein über das freundliche Erlebnis. Die junge Frau war gewiss um den Faktor 3 besser als ihre Kolleginnen, die sich ebenso bemüht haben. Wie unterschiedlich aber die Wirkung ausfällt, wenn sich verschiedene Menschen „bemühen“.

Warum die junge Frau kassieren darf und die übrigen wohl nur abräumen dürfen, kommt mir erst viel später in den Sinn. Offenbar ist der kleine aber feine Unterschied auch den Betreibern des Eiscafés nicht verborgen geblieben.

War der Artikel für Euch wertvoll? Wollt Ihr Euch den Beitrag als Bookmark merken?
Einfach RSS-Feed abonnieren oder das Lesezeichen mit anderen Menschen teilen:

Kommentare und verweisende Trackbacks

zum Beitrag: Menschen – kleine Dinge machen oft den gewaltigen Unterschied

Kommentare

1 | Jörg Weisner schreibt am 28.02.2007, 17:40:

Jörg, ich kann Eure Begeisterung sehr gut verstehen. Mir geht es ähnlich, wenn ich solche super Beispiele erlebe. Wenn ich z.B. auf eine begeisternde, Freude ausstahlende Weinverkäuferin treffe, muß ich mich schon bewußt zügeln, um nicht viel zu viele Kisten zu kaufen.
Aus der Erfahrung eines Onkels von mir, der früher eine Gaststätte hatte, weiß ich noch, wie groß der Unterschied beim Trinkgeld sein konnte. Zum Teil bekam die freundlichste Kraft bis zu 10 x soviel Trinkgeld.

2 | Jan schreibt am 28.02.2007, 17:59:

Und ich ahnte die "Pointe" schon: Die freundliche Frau hat den Job nicht hauptberuflich gemacht und war daher noch nicht abgestumpft. Fazit: Jeden Tag seinen Job so machen als wäre man ganz neu dabei ;-)

3 | Ironwhistle schreibt am 28.02.2007, 19:52:

Man kann sich zwar bemühen freundlich zu sein, aber es wird immer nur ein Versuch sein der von Vielen auch als solcher wahrgenommen wird.

Wirkliche Freundlichkeit erreicht etwas in uns, spricht etwas an, das sich eben nicht betrügen lässt.

Freut mich das ihr eine so positive Erfahrung gemacht habt, werden leider immer seltener... :(

Grüße
Ingo

5 | jacky schreibt am 01.03.2007, 16:54:

Ich denke das Freundlichkeit sich immer ganz unterschiedlich bei den Menschen zeigt genauso wie die Menschen unterschiedlich sind , so ist es wohl auch mit der Freundlichkeit der eine kann es und der andere wiederum nicht.
Gruß jacky

7 | Claudia aus Velbert schreibt am 07.03.2007, 20:48:

Wir hatten vorgestern Abend ein ähnliches Erlebnis in einem Restaurant. Ich denke, dass sich Menschen nur kurzzeitig verstellen können. Drehen sie sich um, dann ist bei manchen schon das freundliche Gesicht verschwunden.
Unsere Bedienung hat Fröhlichkeit, Freude bei der Arbeit, Spaß an einem kurzen Plausch und ein echtes Interesse an den Gästen ausgestrahlt. Wir fühlten uns gut aufgehoben. Fazit: Da gehen wir bestimmt noch einmal hin.

Trackback-URL: http://www.einfach-persoenlich.de/m33/etb.cgi/2000

Einfach persönlich kommentieren:




Info speichern?


Bei der Formatierung hilft Textile2. - (Du kannst auch HTML verwenden)

(Achtung! Sende-Button im Vorschau-Fenster!)

Kommentare des Beitrages per RSS-Feed verfolgen?

Mit dem RSS-Kommentar-Feed kannst Du die Kommentare dieses Beitrages einfach persönlich verfolgen und im Blick behalten, einfach: