Corporate Blogs – Autoren-Gespräch m. PR-Blogger Klaus Eck (2)
15.03.2007 | Autoren-Gespräch, Buch-Tipps, Bücher | 0 Kommentare | Print

Corporate Weblogs - Leidenschaft und Skepsis werden diesem Thema gleichermaßen entgegen gebracht. Ein mehrteiliges Autoren-Gespräch stellt den Menschen und frisch gebackenen Buchautor, Kommunikationsberater und PR-Blogger Klaus Eck und sein Anliegen rund um die Corporate Blogs näher vor. Ich lade Euch ein zu weiteren spannenden Fragen und einer lebendigen Diskussion.
ep: Wenn ich mir die aktuellen Studien der letzten Monate und die Trends und Tendenzen in Deutschland im Bereich der Weblog-Nutzung ansehen, komme ich zum Schluss: Deutschland ist immer noch ein Entwicklungsland im Bereich Weblog. Andere Länder gehen mit gutem Beispiel voran und überflügeln die Deutschen um Längen. Wo liegen Deiner Meinung nach dafür die Ursachen?
Statt das Experimentelle zu fördern, konzentriert man sich in Deutschland lieber am Mittelmaß.
Klaus Eck: Vielleicht liegt es wirklich an den kulturellen Eigenheiten der Deutschen oder auch nur an unserem Bildungssystem. Hierzulande werden diejenigen belohnt, die sich zurückhalten, ducken und keine Fehler machen. Deshalb verzichten die meisten Manager in Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern lieber auf Feedback. Das ist auch schwer aushalten, da hierzulande Perfektion erwünscht ist.
Statt das Experimentelle zu fördern, konzentriert man sich in Deutschland lieber am Mittelmaß. Aber dennoch will ich nicht zu schwarz malen. In Deutschland gibt es durchaus eine schnell wachsende Blogosphäre mit vielen spannenden Online-Journalen. Ohnehin sollte man es vermeiden, sich an absoluten Blog-Zahlen zu orientieren und stattdessen die lesenswerten Beispiele beachten, die täglich zunehmen.
ep: Eine Europaweite Studie hat im letzten Jahr deutlich gemacht, dass es drei Gründe die Weblog Nutzung in Deutschland behindern. Kreativität, gute Weblog-Konzepte und der Wunsch Online-Kommunikation zu kontrollieren sind mir als die Wichtigsten im Gedächtnis haften geblieben. Welche Ursachen siehst Du in Deiner Praxis für diese Argumente?
Klaus Eck: Kreative Ideen gibt es durchaus, allerdings wird in den meisten Fällen noch in alten Kategorien gedacht. So wollen viele Werbeagenturen genauso wie klassische PR-Agenturen alte Ideen an den Mann bringen, statt Neues auszuprobieren.
Kreative Ideen gibt es durchaus, allerdings wird in den meisten Fällen noch in alten Kategorien gedacht.
Diskussionen scheinen in viele Unternehmen einfach nicht erwünscht zu sein. Das erlebe ich tatsächlich ebenfalls in vielen meiner Workshops. Nicht zuletzt deshalb fragen viele PR-Manager: »Wann geht eigentlich dieser Hype wieder vorbei?« Und die Zeitschrift werben & verkaufen setzt sogar mit der Schlagzeile »Ende des Blogging-Wahns« einen drauf, ohne die wirkliche Entwicklung zu sehen. Der Kelch wird an keinen PR-Profi und an keinem Journalisten vorübergehen. Der digitale Geist ist aus der Flasche, ein Zurück ins Web 1.0 wird es nicht mehr geben.
Der Kelch wird an keinen PR-Profi und an keinem Journalisten vorübergehen.
Es ist immer einfacher, etwas kontrollieren zu wollen, aber wird aber dennoch vermutlich nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Denn die PR erleidet zurzeit einfach einen Kontroll-Verlust, den sie kaum noch umgehen kann. Unternehmen müssen in Web 2.0 lernen, sich auf ganz neue Art und Weise mit den digitalen Verhältnissen zu arrangieren. Natürlich spricht nichts dagegen, ein gutes Blog-Monitoring durchzuführen, doch das kann nur als Voraussetzung dazu dienen, die Online Relations auszubauen.
ep: Blogger und Nicht-Blogger sprechen immer wieder eine sehr differente Sprache. Die Kommunikationskanäle scheinen auf unterschiedlichen Wellenlängen zu funktionieren. Wie können beide Gruppen zueinander besser Brücken bauen und aufeinander zugehen?
Auf diese Weise werden PR-Agenturen keinen Vertrauensaufbau hinbekommen. Denn dazu müssten sie erst einmal die Blogger wirklich verstehen lernen.
Klaus Eck: Indem sie einander besser kennenlernen. Inzwischen gibt es zahlreiche Veranstaltungen, die dazu Gelegenheit bieten. Meistens scheitern die Kommunikationsversuche an falschen Vorstellungen.
Erst vor kurzem erhielt ich einen Anruf von einer bekannten PR-Agentur: »Können Sie mir sagen, welche Page-Impressions Ihr Blog hat«, lautete die vermeintlich harmlose Frage. Auf diese Weise werden PR-Agenturen keinen Vertrauensaufbau hinbekommen. Denn dazu müssten sie erst einmal die Blogger wirklich verstehen lernen.
ep: Du beschreibst in Deinem Buch auch Tipps für Blog-Starter. Welche Tipps gibst Du den Blog-Startern, damit sie schnell und vor allem motiviert Ihre Blog-Projekte starten können?
Klaus Eck: Newbies sollten sich als aller erstes darüber informieren, wer in ihrer Branche bereits bloggt und diese Weblogs intensiv verfolgen. Daraus kann der eine oder andere sicherlich für sich eigene Blog-Rezepte ableiten. Es macht dennoch keinen Sinn, andere Blogs einfach zu adaptieren.
Lieber sollten Neublogger ihre eigenen Erfahrungen machen und bei ihren Inhalten auf Nachhaltigkeit setzen. Dazu empfiehlt es sich, auch an den digitalen Gesprächen in anderen Blogs teilzunehmen und somit Beziehungen zu anderen aufzubauen.
ep: Du hast selbst nicht nur ein Blog-Projekt gestartet. Dein PR-Blogger ist Dein aktuellstes und zudem erfolgreichstes Blog. Welche Erfahrungen hast Du bei Deinen vorherigen Blog-Projekten sammeln können?
Klaus Eck: In früheren Projekten habe ich auf Publishing-Konzepten gesetzt, die sich später entweder durch Werbung oder als Paid Content refinanziert werden sollten. Doch schon nach kurzer Zeit bemerkte ich, dass das in der Regel nicht funktioniert. Dennoch konnte ich durch meine Anfänge vieles über die Blog-Mechanismen lernen und die Fehler beim Start des PR-Bloggers vermeiden.
ep: In Deinem Buch beschreibst Du, dass Du Dich fast ganz auf Deine Blogprojekte konzentrierst und sonst wenig Marketing und Vereinsarbeit betreibst. Was genau meist Du damit und was sind Deine Gründe dafür?
Mein Blog ist das Marketingtool No.1... Die meisten Erstkontakte mache ich in der Tat via Blogging.
Klaus Eck: Mein Blog ist das Marketingtool No. 1. Früher habe ich sehr viel Zeit in die Verbandsarbeit gesteckt und bin vor allem in München sehr stark auf Networking-Events unterwegs gewesen. Darauf verzichte ich heute weitgehend. Stattdessen nehme ich entweder als Referent oder Organisator sehr viel gezielter und aktiver an Networking-Veranstaltungen teil. Die meisten Erstkontakte mache ich in der Tat via Blogging. Veranstaltungen dienen in erster Linie dazu, die Kontakte in realiter zu vertiefen.
ep: In Deinem Blog hast Du nach einem Urlaub schon einmal davon gesprochen, dass Du Dich an das Schreiben im Blog gewöhnt hast und es durchaus ebenso manchmal vermisst. Was bedeutet das Bloggen für Dich ganz persönlich? Was fehlt Dir, wenn Du nicht schreiben kannst?
Klaus Eck: Es ist wirklich wahr, dass das Bloggen süchtig macht, wenn man jeden Tag viel Zeit mit der News-Recherche und dem Bloggen selbst verbringt. Ich nehme sehr gerne teil an den Online-Dialogen, die die Blogs ermöglichen. Die reine Zuschauerposition langweilt mich schnell.
Informationen zum Buch
Corporate Blogs von Klaus Eck
Unternehmen im Online-Dialog zum Kunden
Erschienen: Februar 2006
200 Seiten, klappenbroschiert
Verlag Orell Füssli
ISBN: 328005222X
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Buch-Vorstellung: Corporate Blogs von Klaus Eck
Das Interview ist Teil 2 eines mehrteiligen Autoren-Gespräches
Klaus Eck - Der Mensch hinter den Corporate Blogs
Weiterlesen:
Corporate Blogs - Autoren-Gespräch mit PR-Blogger Klaus Eck [1]
Corporate Blogs - Autoren-Gespräch mit PR-Blogger Klaus Eck [2]
Corporate Blogs - Autoren-Gespräch mit PR-Blogger Klaus Eck [3]
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