Bloggen - ein Trend im Wandel der Zeiten
09.05.2007 | Blogging, Blogging Tipps | 4 Kommentare | Print

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Und so wandelt sich die Welt des Bloggen mit jedem Tag (un)merklich ein Stück. Beobachtungen der letzten Jahre haben sich für mich zu einem Muster verdichtet.
- Blogging mehr als Hype
Auch wenn in Deutschland Blogs erst richtig in Mode kommen, der Hype Blogging ist deutlich mehr als ein solcher. Skeptiker werden lange warten, bis sich der Trend gelegt hat und wieder alle zur Normalität zurückkehren. Kein Blogger wird sich die Möglichkeit neu gewonnener Freiheiten wieder nehmen lassen. Der Geist ist aus der Flasche, wie ich kürzlich schrieb.
Wir sind mit dem Bloggen immer noch im Anfang begriffen, denn die schleichende Akzeptanz von Weblogs wird erst noch die richtig interessante Zeiten und Effekte ans Tageslicht bringen. Solange lese ich noch ängstliche bis herablassende Anmerkungen in einem eher von Vorsicht, Bedenken und Angst geprägtem Land.
- Kommunikations-Kultur - Das reale Leben holt uns ein
So innovativ und neu die Kultur der Blogs zu Beginn war, so schnell hat insbesondere im Verlauf der letzten drei Jahre die Realität des Lebens Einzug in der Blogosphäre gehalten. Mit der Masse der Bloganwendungen und aktiven Blogbetreiber greifen immer mehr auch alte Verhaltensgewohnheiten, Wertvorstellungen und Umgangsformen, die gerade zu Beginn so erfrischend selten und anders waren und waren.
Ich mache dies an vielen einzelnen Beobachtungen fest, deren Muster mit Abstand betrachtet immer deutlicher Formen annehmen. Während alte Blogsemester sich in der Regel dadurch (nicht so leicht) verbiegen (lassen), verändert es das Bloggen in der Gesamtheit. Und obwohl ich mit dieser Entwicklung gerechnet habe, empfinde ich diesen Trend dennoch als bedenklich.
- Content als King
Mehr Blogs, mehr Content, mehr Auswahl? Mit der großen Breite an Blogs kommen auch mehr gute und wissenswerte Inhalte in die Bloglandschaft. Gleichzeitig steigt aber auch die Notwendigkeit zur Selektion derselben, denn die Zahl der Nachahmer ohne eigenen Mehrwert steigt immens.
Ausprobieren werden muss das Medium, keine Frage. Einen eigenen Stil und nutzbringenden Inhalt anderen zurückzugeben scheint mir weniger akzeptiert zu werden. Und gerade hier liegen Potenziale offen, die unglaublichen Entwicklungen möglich machen können.
Geben kommt vor Nehmen, dieser Grundsatz ist in Deutschland immer ein wenig zu kurz gekommen. Obwohl Wissen als eines der weniger Dinge im Leben mehr wird, wenn man es teilt, bringen uns landesmentale Einstellungen oft dazu, eher sorgsamer mit der Weitergabe von Informationen umzugehen.
- Themenblog im Trend
Lange Zeit war nicht so klar, wohin der Trend in der Entwicklung von Meta-, Allround- oder Themenblogs einmal gehen wird. Während ohne Frage alle Formen ihre Daseinsberechtigung haben, scheint mir die Waage aus vielen Gründen zur Seite der Themenblogs auszuschlagen. Nicht zuletzt die Masse der aktiven Blogs zwingt zur Differenzierung und schärferen Trennung.
- Wer kann schon 100 Meta-Blogs lesen?
- Wer kann schon ein interessantes Allround-Blog schreiben, ohne den inhaltlichen Anspruch auf der Strecke bleiben zu lassen?
In der Frage Themenblog versus Allround-Blog wird jeder seine Vorteile und Nachteile anbringen und letztlich seine Entscheidung treffen. Die Auswahl der potenziellen Leser und ein guter Themenfokus helfen nicht zuletzt bei der werbewirksamen Vermarktung, sondern ebenso in den Suchmaschinen sowie der Langzeitkonstanz und -Ausrichtung des Angebots. Eine große Aufmerksamkeit gepaart mit viel Traffic aber bleiben unabhängig Erfolgsfaktoren für ein Blogkonzept.
- Kreative Blog-Konzepte - wichtiger den je
Spätestens mit der massiven Zunahme der aktiven Blogger gewinnen attraktive Blogkonzepte immer mehr an Bedeutung. Abseits private Blogs macht sich bemerkbar, dass erfolgreiche Blogkonzepte in erster Linie immer mehr drei Voraussetzungen brauchen:
- profunde Kenntnis der Weblogs und deren Besonderheiten
- eine gute konzeptionelle Planung
- attraktiver Content
Der Mangel an kreativ herausragenden Ideen hat aus meiner Sicht immer wieder mit der Missachtung der gerade genannten drei Voraussetzungen zu tun. Blogs als Medium sind schnell, im wahren Sinne des Wortes. Sie verstärken die Schwächen ebenso wie die Stärken eines Menschen und damit des bloggenden Unternehmens. Und im Angesicht dieser stellenweise recht schmerzhaften Erkenntnis sind gute Blogkonzepte und professionelle Beratung mehr denn je im Trend.
- Geld verdienen akzeptiert
Lange Zeit galten die Ambitionen von passionierten Bloggern Geld mit dem Bloggen zu verdienen als verpönt. In der Zwischenzeit hat sich schleichend auch in diesen Auffassungen vielfach Normalität eingestellt. Wer guten und attraktiven Content liefern will, hat Aufwand und muss sich engagieren. Das kostet nicht zuletzt Zeit und Manpower.
Ein Return of Investment im Reich der Kostenloskultur wird überall dort erstrebenswert, wo das Hobby schon lange in Arbeit gemündet ist. Auch Arbeit, die Freude macht will und darf bezahlt werden. Dass kreative Konzepte, guter Content und ein tieferes Verständnis der Blogs für einen wirtschaftlichen Blogbetrieb ebenso notwendig sind wie für Erfolg beim Bloggen, machen u.a. Blogschließungen immer wieder deutlich.
Umso spannender dürfen wir die Entwicklungen in Zukunft betrachten. Wie selten ein anderes Medium haben Blogs Gestaltungsspielraum, lassen Ansichten aufeinander prallen und vereinen ganz verschiedene Erwartungen.
Bloggen - ein Trend im Wandel der Zeiten sind meine persönlichen Gedanken, subjektiv, diskussionswürdig, umstritten. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind sie von mir als Impuls zum Weiterdenken und zur Meinungsbildung gedacht. Ich bin auf Eure Gedanken und Anregungen gespannt.
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Kommentare und verweisende Trackbacks
zum Beitrag: Bloggen - ein Trend im Wandel der Zeiten
Kommentare
1 | Christof Hintze schreibt am 09.05.2007, 10:54:
Zwei Zitate müssen wir erst klar und richtig stellen:
1. Du schreibst...Geben kommt vor Nehmen... Für die christliche Welt lautet es aber: Geben ist seliger den nehmen.
2. Du schreibst...Auch Arbeit, die Freude macht...Für die deutschen unter den Bloglesern, erinnert dass an zwei historische Formulierungen: Arbeit macht frei und Kraft durch Freude.
Das soll beides keine Kritik sein, sondern nur verdeutlichen ich habe deinen Beitrag gelesen. Der Status-quo- ist leider nur hinfällig in dem Moment in dem man ihn ausspricht. Weil das Rad sich weiter dreht. Somit kann ich allen Überlegungen folgen und Teile diese auch. Ich wollte dem nur anmerken, dass der Welle der Blogs ein starkes emotionales Bedürfnis vorweg eilen muss. Wenn alle jeden tag so reinhauen würden, wie sie sich in den Blogs engagieren, dann gäbe es die berühmten blühenden Landschaften vermehrt. Zudem ist mir neben dem Geltungsdrang, der Eitelkeit und dem unbändigen suchen nach Anerkennung durch Blogger auch aufgefallen, dass Blogs sich wie das Sexualverhalten in Partnerschaften verhalten. Am Anfang geht die Post ab und man kann gar nicht genug bekommen. Dann flacht die Leidenschaft ein wenig ab. Dann kommen die Wiederholungen. Dann immer seltener. Und dann ist Schluss. Und das Blog hat ausgedient, weil eine neue Flamme entflammt ist.
2 | Jörg schreibt am 09.05.2007, 11:46:
@Christof: Deine erste Anmerkung mag ich Dir gern überlassen, das zweite Zitat nicht, eben wegen der recht eindeutigen Verweise auf deutsche Vergangenheit.
Meine Arbeit hat mir schon immer Freude bereitet, da ich meinen Talenten entsprechend meist das Hobby zum Beruf gemacht habe. Insofern macht Arbeit Freude und ich mag dafür auch gebührend entlohnt werden, keine Frage.
Geschmunzelt habe ich über Deinen netten Vergleich mit der Partnerschaft. Nun ja, es gibt dergleichen noch mehrere. Warum soll es in einem Blog nicht so zugehen, wie im richtigen Leben?
Es ist ein auf und ab. Ein erfolgreiches Blog ist, ernsthaft betrieben eine gewaltige Herausforderung an Engagement, Ausdauer und Leistungsbereitschaft. Wie in jedem Job macht Geld allein nicht glücklich, auch keine Arbeit, die auf Dauer nicht honoriert wird.
Beim Bloggen merkt man den Geist beim Schreiben zudem viel mehr, als bei mancher anderen Arbeit. Für Geld zu Bloggen macht sich also immer sofort direkt bemerkbar, drastischer als wir das sonst gewohnt sind.
BTW, im übrigen würde ich mir ehrlich wünschen, manche Beobachtung in der Tat falsch wahrgenommen und korrigieren zu dürfen. :))
3 | Christof Hintze schreibt am 09.05.2007, 13:55:
Gestern habe ich beim Zappen durch die Programme, einen wichtigen, großen und erfolgreichen Schriftseller in einem Interview gesehen. (Frag mich bitte nicht wer!) Und der sagte, dass er im Schreiben überhaupt erst Erkentnisse verarbeiten konnte. Durch das Aufschreiben verinnerlicht er Prozesse. Und kann so richtige und wichtige Schlüsse daraus ziehen. Wenn das stimmt, dann ist das Bloggen so eine Art weltgrößte Therapie, die bis Date je statt gefunden hat. Herr Freud hätte eine helle Freude daran.
4 | Jörg schreibt am 09.05.2007, 14:47:
@Christof: Kann mir sehr gut denken, dass es ebenso funktioniert, wenngleich nicht für alle Menschen gleich. Lernpsychologisch verarbeiten Informationen nicht alle Menschen in der gleichen Art und Weise.
Auf alle, bei denen Schreiben wesentlicher Verarbeitungsprozes ist, trifft dies allerdings voll zu.
Erinnere mich an an Zitat aus einem Weblog-Buch
Weblogs machen das Internet endgültig
zur größten Lese- und Schreibübung aller Zeiten.
Franz Zauner, NZZ Folie, Juli 2005
PS: Aber zu einer ganz besonders Netten. :))
Liebe Grüße!
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