einfach persönlich Dänemark - andere Länder, andere Sitten

26.08.2007 | Persönlich | 9 Kommentare | Print

einfach persönlich Dänemark - andere Länder, andere Sitten

Eine Geschichte von Freundlichkeit, Gelassenheit und Zufriedenheit aus dem Land mit dem zufriedensten Menschen der Welt möchte ich Euch erzählen. Einfach persönlich frage ich mich: Wie kann ich einige Erlebnisse in den Alltag hinüberretten?

Nach 10 Jahren und einige Kurzreisen war ich wieder einmal zwei Wochen auf der Insel. Die Dänen sind eines der zufriedensten Völker der Welt. Aus deutscher Sicht klingen solche Vergleiche gewagt. Wer das Leben auf der Insel einfach persönlich kennen lernt, denkt bald anders darüber. Der Eindruck meiner Kurzreisen manifestiert sich bei längerem Aufenthalt. Einmal mehr kann ich meine Tochter verstehen, wenn sie zufrieden von ihrer Wahlheimat berichtet und dabei nur gute Worte findet.

Freundlichkeit, Gelassenheit, Zufriedenheit

Drei Eindrücke sind mir (wieder einmal) nachhaltig in Gedanken geblieben. Weitere Eindrücke könnte ich beliebig ergänzen. Was so wenige Kilometer Entfernung ausmachen können. Es hat sich einiges getan in den letzten 10 Jahren. Die Ruhe, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit der Dänen aber ist gleich geblieben. Bereits auf den Straßen merke ich schnell die Unterschiede. Keiner drängelt, kaum einer überholt. Alle haben einfach (mehr) Zeit.

Irgendwie ticken die Uhren der Menschen anders als in Deutschland. Mit einer Geduldsruhe werden alltägliche Geschäfte abgewickelt. Wer mit deutschen Zeitvorstellungen einkaufen geht, muss sich umstellen. Hektik und Hetze Fehlanzeige. Geduld und Freundlichkeit machen selbst manche Panne einfach erträglicher. Drei Stunden kostenfrei Parken im innerstädtischen Bereich mit Parkkarte - unvorstellbar in vielen deutschen Innenstädten.

Wir gewöhnen uns schnell an die freundliche Art. Fast jeder versteht und erwidert freundlich unser Englisch. Nicht selten wechselt die Sprache der Dänen schnell und unmerklich ins Deutsche. Frische Produkte aus eigenem Anbau werden uns per Kasse des Vertrauens angeboten. Die Identifikation mit Ihrem Königreich dokumentiert fast jedes Haus mit einer mehr oder minder kleinen rot-weißen Fahne.

Zurück in der Realität - willkommen zurück!

Der Urlaub ist zu Ende. Abrupt reizen mich an der ersten Raststätte in Deutschland einige Jugendliche aus dem Cappuccino-Urlaubs-Träumen. Eine Hand greift mir unerwartet über die Schulter. Ich zucke erschrocken zusammen. Nicht schnell genug können sie den Aschenbecher meines Tisches vereinnahmen. Wie gern hätte ich Ihnen diesen auf Nachfrage freiwillig gegeben, denn ich rauche ja gar nicht. Aber das scheint nicht von Bedeutung zu sein. Dank Rauchverbot in Gaststätten sind im Freigelände die Ascher knapp. Und obendrein habe ich meinen Tischnachbarn wohl im Weg gesessen. Wie kann ich es mir also erlauben, einen Aschenbecher ungenutzt stehen zu blockieren?

Die Umgebung formt den Menschen

Schmerzhaft wird mir einmal mehr klar, wie untrennbar Tugenden mit Land und Leuten verbunden sind, angenehme ebenso wie weniger freundliche. Das Verhalten der Menschen ist immer auch eine Reaktion ihr Erleben. Eine gewaltige Herausforderung sich vom täglichen Erleben nicht zu sehr anstecken zu lassen.

  • Wie ist es möglich, etwas mehr an Lebensgefühl und Erlebten in den Alltag herüberzuretten und beizubehalten?

Mit meinen Eindrücken aus dem Norden indes scheine ich nicht allein zu sein. Innerhalb nur des ersten Tages bestätigen mir mit schwermütigen Worten gleich drei Bekannte ähnliche Erlebnisse, einige davon erst frisch im Urlaub gewonnen.

Und gewiss habt Ihr Eure ähnlichen Beobachtungen machen können?
Ein bisschen mehr Freundlichkeit, Gelassenheit und Zufriedenheit würde schon viel bewirken.

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