Blog-Permalinks sind doof – Pro & Contra

26.02.2008 | Blogging, Blogging Tipps, Optimierung, Usability | 8 Kommentare | Print

Blog-Permalinks sind doof – Pro & Contra

URL-Design in Weblogs ist immer ein Kompromiss. Eine lesenswerte Diskussion zum Thema Permalinks ist für mich Impuls. Vorteile und Nachteile zeichnet die Fortsetzung des Tutorials URL-Design als Vorlage für Eure Entscheidung.

Permalinks begleiten jeden Blogger. Jeder trifft mit einer Grundeinstellung der Blogsoftware seine persönliche Wahl. Permalinks werden geliebt und gehasst. Über die Sinnfälligkeit der URL und deren Vorteile und Nachteile denken die meisten Weblog-Schreiber erstaunlich wenig nach.

Permalinks waren in den jungen Weblog-Jahren wesentlich heftiger in der Diskussion. Auch mit dem Blick auf die technische Realisierung haben sich die so genannten craft-free URLs, auch sprechende Permalinks, dann vielerorts in den Blogs durchgesetzt.

Am Start von einfach-persoenlich.de widmete ich mit dem Tutorial diesem Thema »Gutes URL - Design = halber Erfolg« breiteren Raum. Mit meinen Gedanken und Erfahrungen habe ich parallel auch mein URL-Konzept zur Diskussion gestellt. Wirklich kreative Wege zur weiteren Entwicklung des Themas hat es aber wenige gegeben, schade eigentlich.

URL-Design auf dem Prüfstand

In den verschiedensten Projekten habe ich dieses System mit Abwandlungen sehr erfolgreich eingesetzt. Es hat sich im harten Internet-Alltag bestens bewährt. Gute Suchmaschinenpositionen sind im Verbund mit einer Reihe anderer Maßnahmen so leicht zu erreichen. Insbesondere in verschiedensten Business-Konzepten hat sich das eingesetzte URL-Design als ein Erfolgsgarant herausgestellt.

Interessant zu sehen, dass es im Verlauf der Zeit diverse Nachahmer gefunden hat. Ein Fakt, der wohl deutlich für eine konstruktiven Kompromiss im Sinne des Weberfolges spricht.

Umso mehr freue ich mich heute, wenn ich aktuelle Beiträge lesen kann, in denen das Thema erneut aufgegriffen und zur Entscheidung gestellt wird. Peter hat parallel zu seinem Redesign dazu eine sehr interessante Diskussion mit verschiedenen Sichtweisen und Impulsen losgetreten. Als Ausgangspunkt sagt er für sich:

Die Domain und der Titel reichen aus!
Blog-Permalinks mit Datum oder Kategorie sind doof

URL = Domain + Blog-Titel

Seiner Meinung nach reicht der Blog-Titel für ein Weblog völlig aus. Alles was stört, soll einfach aus der URL gestrichen werden. In einem recht witzigen und pointierten Ausspruch bringt er seine Meinung auf den Punkt:

Eine Website ist dann gut,
wenn nichts mehr da ist, das man löschen kann.
Peter Kröner

In all seinen Gedanken mag ich ihm nicht folgen, wenngleich sein Grundansatz schon Berechtigung hat. Permalinks erhalten, einmal eingerichtet, selten die gebührende Beachtung. Umso wichtiger, sie ab und an auf den Prüfstand zu stellen.

Eines scheint sicher. Jedes URL-Design ist Geschmackssache. Weitab vom guten Geschmack sind für mich aber einige Punkte wichtig, die bei der Entscheidung bedacht werden sollten. Meine Gedanken mögen mein Tutorial also aus aktueller Sicht ergänzen.

In Bezug auf die 301-Redirects allerdings habe ich andere Erfahrungen gesammelt und hebe nachdenklich den Finger.

Aspekt 1: URL-Design – Eindeutigkeit versus Stolpersteine

Eindeutig zuordenbare und verwechslungssichere Permalinks sind insbesondere in Business-Projekten von entscheidender Bedeutung. Aber auch in manchem persönlichen Projekt mag sich der Betreiber an jede URL in einer Kategorie erinnern, nach 100 noch, wohl aber nicht mehr nach 1000, 2000 oder gar 3000 oder noch mehr Seiten, im Verlaufe von Jahren des Betriebes.

  • Ist meine URL wirklich eindeutig?

Diese Frage will und kann von vielen Betreibern gar nicht mehr schlüssig beantwortet werden. Ein URL-Automat sorgt dank intelligentem Verfahren für Eindeutigkeit. Auch ich persönlich mag die Datumsbestandteile in URL heute nicht mehr so gern leiden. Echt!

Aber sie erfüllen auch ganz praktische Funktionen. Sie erlauben u.a. in den meisten Fällen die Unabhängigkeit des Beitrages vom Kategorienamen. Dieser kleine, aber entscheidende Unterschied erlaubt im Verlauf der Jahre die Neugliederung und strukturelle Anpassung an die Belange der Zukunft. Dabei bleibt die URL der Beiträge konstant.

  • Wer wollte dafür alle URLs gewaltsam brechen wollen?

Aspekt 2: Kategorie-Namen in der URL

Kategorie-Namen in der URL sind aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung oft wünschenswert und von Vorteil. Dennoch brechen Sie die Unabhängigkeit der Beitrags-URL von den Kategorienamen. Jeder mag in seinem Projekt die Entscheidung treffen, ob und bis zu welchem Grade das für ihn persönlich schädlich werden kann.

Per Standardeinstellung beherrscht Wordpress bis heute diese Option nicht komplett. Mit einer Vielzahl von Kniffen ist dieser Umstand durch persönliche Plugins und Patches behoben und korrigiert worden. Es verwundert mich bis heute, dass trotz aller Weiterentwicklung dese Permalink-Krücke in WP keine wirkliche Option zur Abschaltung gefunden hat. Mit Blick auf den Kategorie-Slug in Wordpress eine Verbesserung, die manchem Wordpresser und Leser das Leben erleichtern würde.

Lassen wir alle eindeutigen URL-Bestandteile weg, opfern wir gleichsam dabei erneut die Einzigartigkeit der Blog-URL. Im Sinne eines nach vorn weisenden Kompromisses scheint mir lediglich der Vorschlag von Frank überdenkenswert:

  1. domain.de/post-title/ID

Selbst wenn sich die ID ändert, bleibt die URL auffangbar und konstant im Sinne der Anforderungen an die URL. Die nun im Folgenden diskutierten Aspekte lassen den scheinbaren Fortschritt im Licht ebenso auch Schatten und Nachteile mit sich bringen.

Aspekt 3: URL mit ID - Der Tod für die Weblog-Zukunft?

Besondern in älteren und bereits länger existierenden Blogs treffe ich URL-Designs an, die keine oder nur teilweise sprechende Permalinks enthalten. Als Internet-Besucher-Magnet kann man diese Projekte dann meist nicht einstufen.

Die IDs der Blog-Beiträge werden automatisch vergeben. Oft werden diese bei Umzug, Wartung oder Umstellungen neu vergeben. Mit dem Vorteil sprechender URLs opfern wir also, meist auch unwissend, einen Teil unserer Weblog-Energie.

  • Ohne Saft aber keine Kraft!

Aspekt 4: Werfen wir Weblog-Potenzial in den Mülleimer?

Ein 301-Redirect ist so gut wie permanent.
Kaputt gehen die Links dann jedenfalls nicht.
Peter Kroener

Alles kein Problem, werdet Ihr sofort einwenden. Es gibt ja die bekannten 301-Redirects. Ob mit Plugin oder von Hand, wir fangen die geänderten Permalinks alle auf. Keine Seite geht ins Leere. Jeder Umzug und alle Veränderungen können wir auf diesem Wege abfangen. Wirklich?

Der Schein mag stimmen. Alle Seiten werden ordentlich aufgerufen. Alle alten Seiten umgeleitet und neu zugeordnet. Die alles entscheidende Frage lautet:

  • »Und was passiert mit den auf die alten Seiten zeigenden Links?«

Konsequenz: Wir überlassen es großzügig Google, was damit passiert. Goggle nimmt zwar im Verlauf der nächsten Monate alle Seiten aus dem Index und ersetzt diese, einigen Fleiß und Eifer(!) vorausgesetzt, durch die neuen Seiten. Doch was passiert mit den vielen auf das jahrelang existierende Projekt?

Wir können in der Regel nicht alle Webseitenbetreiber anschreiben. Wir können nicht alle Links umschreiben. Ein mehr oder minder großer Anteil der Links und nicht zuletzt deren Kraft (und Saft) geht verloren. Praktisch habe diesen Wertverlust oft genug beobachtet. Ebenso aber auch die Langzeitkonstanz von Webseiten mit Permalinks im wahren Sinne des Wortes. Bitte bei der Entscheidung auch daran denken, dass bereits der Verlust von einigen wenigen starken Deep-Links erhebliches Jammern veranlassen kann. Einschlägige Berichte finden wir immer wieder bei Google-Updates.

  • Sind die 301-permanent Redirects also wirklich das Allerheilmittel?

Aspekt 5: Katzen-Content versus Long-Tail-Content?

Was interessiert den Besucher der Blogs das Geschwätz der letzten Jahre und Monate. Auch wenn dies für viele Leser zutreffen mag, die Meinung ist sehr einseitig vom News-Charakter der Blogs geprägt. Einseitige Lese- und Schreibgewohnheiten kommen hier überdeutlich zur Sprache.

Alle ernsthaften Schreiber mit Langzeit-Content haben ein vehementes Interesse an der Stabilität und der Konstanz Ihrer Webseiten. Nicht zuletzt verdanken sie eben ihren Artikeln, Berichten und Beiträgen eine nicht unerhebliche Besucherzahl.

Insbesondere in Business-orientierten Blogs kommen auf diesem Weg Kunden und Nachfragen auf die Websites, wird Umsatz durch Werbung und andere Maßnahmen generiert.
Wer wollte darauf leichtfertig verzichten?

Praktische Erfahrungen im Fokus!

Impulse und Meinungen zum Thema sind für mich immer interessant.
Welche Erfahrungen habt Ihr im Hinblick auf welche Zielgruppe oder Projekt selbst machen können?
Danke für Euere Einblicke!

Weiterlesen zum Thema:
Gutes URL - Design = halber Erfolg

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