Ein Buch muss eine Axt für uns sein!
Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zu Not selber schreiben. Wir brauchen aber Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie ein Selbstmord; ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.
Georg Christoph Lichtenberg
Diese Zitat erinnert mich sehr stark an die Diskussion daraum, ab welchem Punkt ein Buch für uns eigentlich wirklich den Kauf wert ist? Jeder Leser wird darauf sicher seinen eigenen Antworten geben können und wollen. Ich bin mir auch nicht sicher, dass jedes Buch immer wie eine Axt oder ein Faustschlag auf mich wirkt. Zu viele Bücher sind nur preiswerte Sekundärliteratur, die Gedanken und Theorien von anderen Autoren zusammenfassen und gar nacherzäglen, ohne dabei wirklichen Mehrwert und Neuigkeiten zu bieten.
Allerdings kann ich die Titelzeile sehr wohl unterstreichen. Richte ich mein Augenmerk auf ein optimales Buch als Ziel, dann muss ein gutes Buch in der Tat etwas beim Leser bewegen können. Da ich selbst eine Reihe von solchen Büchern kenne und sie auch immer wieder gern zu Hand nehme, wie auch immer sie auf andere wirken mögen, haben sie bei mir nachhaltig positive Wirkungen und darauf Veränderungen hinterlassen.
Und das war das Lesen und den Kauf der Bücher in jedem Fall wert!
Stichworte: feedback , geschenk , inspiration , intuition , leben , liebe
Geschrieben am 24.01.2007 um 18:13 in Inspiration & Geschenk, Zitate. Trackback-URL. Kommentare können per RSS 2.0 verfolgt werden. Gelesen: 6197 Mal
7 Kommentare zu “Ein Buch muss eine Axt für uns sein!”
Ich mag mich ja fürchterlich irren, aber ist das Zitat mit der Axt nicht von Kafka?
Oder hat sich Lichtenberg dessen nur bedient, ohne dies zu erwähnen?
Das Zitat ist nicht von Lichtenberg, es stammt aus einem Brief, den Franz Kafka 1904 an seinen Freund Oskar Pollak geschrieben hat!
Ja, das Zitat stammt aus einem Brief von Kafka an Pollack (27.Januar 1904). Das schöne daran: Es distanziert diejenigen, die immer wieder und ausschließlich Kafkas Biographie als vertretbare Interpretationsrichtung betrachten. Wirkung auf uns - das ist es, was (Kafkas) Literatur ausmacht.
Also ich kann dem Zitat nicht wirklich zustimmen. Dazu gibt es zu viele Bücher die zu vielen Zwecken dienen.
Ich persönlich lese sehr viele Fachbücher, einerseits um mich weiterzubilden, andererseits um sie zu rezensieren. Ein Fachbuch hat mich allerdings noch nie wie eine Axt getroffen und ich hatte so etwas auch nie von einem Fachbuch erwartet.
Unter den Nicht-Fachbüchern die ich in meinem Leben so gelesen habe waren bestimmt einige bahnbrechende Werke, die mein Denken beeinflusst haben. Viele davon waren aber auch nur unterhaltsam zu lesen. Waren die deshalb schlechter?
Selbst wenn ein Buch nur das Lesen an sich trainiert hat es doch schon einen gewissen Zweck erfüllt. Meiner Meinung nach sollte man das Thema nicht so eng sehen.
Gerhard Zirkel
Welchen Zweck hat ein Buch? So unterschiedlich diese Frage beantwortet werden kann, so unterschiedlich die Meinungen doch sind, so denke ich, ein Buch soll mir die Augen öffnen für die Dinge und für alles, was ich noch nicht sehen kann. Es soll meine Ohren öffnen, für alles was ich noch nicht hören kann und es soll meine Sinne öffnen, für alles was ich noch nicht wahrnehmen kann. Von einem Buch erwarte ich “Besonderes”, ich erwarte, dass es meine Fragen beantwortet ohne dass ich diese formulieren muss, denn im Innern beschäftigen sich alle Menschen mit den selben Fragen, auf die bisher scheinbar keine Antworten existieren.
Und doch, es gibt die Antworten, ich habe sie euch aufgeschrieben weil ich sie jetzt kenne. Ich habe die Antworten gesehen, gehört und schließlich wahrgenommen… und ich war “überwältigt” von der Klarheit, von der Perfektion und der Vollkommenheit.
in grenzenloser Liebe
Migemaha vom Apeiron
[…] Ich bin heute zufällig über ein Zitat beim buch blogger gestolpert, welches er Georg Christoph Lichtenberg zuschreibt. Wie aber in den Kommentaren auf der Seite auch schon erwähnt wurde, stammt es wohl von Franz Kafka. Ich hab auf die Schnelle nur eine Quelle gefunden, die es auch Lichtenberg zuordnet: http://www.garten-literatur.de/Leselaube/lichtenberg_buch.htm […]
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5. Februar 2007, 00:19
Ich war mal wieder auf der Seite zum Schmökern und ich bin immer bewegt von dem was du so schreibst. Mir ist gleich der neue Kommentar auf der Seite ins Auge gesprungen und es hat mich nicht mehr losgelassen. Ich lese zwar nicht wirklich die Bücher, die hier gepriesen werden, aber ich musste doch über das ‘Lese statement’ generel nachdenken.
Und jetzt frage ich mich, wenn die Bücher, die wir lesen, eine bahnbrechende Wirkung haben sollen, jedes Mal meine ich, dann will ich wissen wie das gehen soll? Einerseits lese ich die Literatur, die mir gefällt und die ich für interessant befinde. Andererseits ist nicht jedes einzelne Buch eines, das mich vom Hocker haut. Und was ist der Sinn? Wenn man nur noch Bücher liest, die so ’special’ sind, dann verliert man doch den Blick für richtige Qualität… Ich zum Beispiel habe in meiner ‘Laufbahn’ als Leser nur wenige Bücher gelesen, die ich als große Werke bezeichnen kann. Aber sie werden mir in Erinnerung bleiben. Wenn mir dies nun aber immer, wenn ich ein Buch lese, passiert, weiß ich doch irgendwann nicht mehr, was ich alles gelesen habe… Das besondere Flair guter Bücher geht verloren.
Es ist schon richtig, dass Bücher bilden sollen und es in den meisten Fällen auch tun. Aber was passiert dann nach dem Spruch des netten Herrn Lichtenberg, wenn man nicht mehr etwas neues dazu lernt, sondern nur noch liest um des Lesens willen?
Verliert man dann die Fähigkeit zu wachsen und mehr zu lernen, oder wie darf man das verstehen? Ich lerne noch von meiner Lektüre, aber nicht in der Hinsicht, dass jedes einzelne eine emotionale Challenge ist. Da stütze ich mich doch lieber auf die Realität.
Ich weiß diese Sprüche schickt man meist nur so in die weite Welt hinaus, keiner will Antworten haben. So handle ich jetzt auch: Meine große Frage ist gestellt: ‘Was passiert, wenn die Bücher nicht mehr die NOT oder den SELBSTMORD symbolieren?’ und in die Weite des Kosmos hinaus geschickt. Auf das jemand meine Meinung zu Gesicht bekommt.